"1933 unterzeichneten Hitler und der päpstliche Nuntius Pacelli das Reichskonkordat. Damit begann das düsterste Kapitel der jüngsten Papstgeschichte: die unheilige Allianz zwischen Vatikan und Nationalsozialismus."

Katholische Schlachtfeste in Kroatien oder »das Reich Gottes«

Die Politik der Päpste zur Zeit des Nationalsozialismus

Katholische Schlachtfeste in Kroatien oder »das Reich Gottes«

»Das Pravoslavenrezept des Ustaschaführers und Poglavnik (Staatsführers) Kroatiens, Ante Pavelic, erinnert an Religionskriege blutigsten Andenkens:

Ein Drittel muß katholisch werden, ein Drittel muß das Land verlassen, ein Drittel muß sterhen. Der letzte Programmpunkt wurde durchgeführt...

Auf Grund der mir zugekommenen Berichte schätze ich die Zahl der wehrlos Abgeschlachteten auf dreiviertel Millionen.«

Der Sondergesandte des deutschen Auswärtigen Amtes, Hermann Neubacher.

»Alle Serben in möglichst kurzer Zeit zu töten. Das ist unser Programm.«

Der Franziskanerpater und Zivilgouverneur Sinuc.

»... ist es jedoch leicht, die Hand Gottes in diesem Werk zu erkennen.«

Der Primas von Kroatien, Erzbischof Stepinac.

Wie die Missionierung Rußlands, ist die Katholisierung des Balkans ein altes Ziel Roms. Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts suchte man es immer energischer zu erreichen; erst mit dem Beistand des Hauses Habsburg, dann auch mit Unterstützung des wilhelminischen Deutschlands, zuletzt mit Hilfe Mussolinis und Hitlers.

Der Kampf entspann sich im Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, seit Oktober 1929 Königreich Jugoslawien, unter dessen zwölf Millionen Bürgern 5,5 Millionen Orthodoxe waren, 4,7 Millionen Katholiken und 1,3 Millionen Moslems. Alte rassische und religiöse Rivalitäten tobten sich hier aus, besonders zwischen orthodoxen Serben und katholischen Kroaten. Dabei fungierte Kroatien für Rom als strategischer »Brückenkopf«, war die römische Kirche, so renommierte im August 1936 die einst führende »Deutsche Presse« Prags, in einer »ständigen Offensive gegenüber dem orthodoxen Christentum«; zwar einerseits bereit, »mit der orthodoxen Kirche, soweit sie guten Willens ist«, sich zu verbinden, andererseits aber nicht bereit zu einer »unklaren und gefährlichen >Verbrüderung<... auf Kosten der katholischen Kirche«.

Diese Kirche genoß vor dem Zweiten Weltkrieg volle Gleichheit in Jugoslawien. Ihre Zeitungen, Schulen, Kollege florierten, ihre Hospitale, Vereine, kurz, sie erfreute sich, konzediert selbst Anton Korosec, der slowenische Katholikenführer, auch ohne Konkordat »voller Aktionsfreiheit«. Dies Konkordat nämlich, nach langwierigen Verhandlungen 1935 fast geschlossen, verfügte u.a., daß ihm entgegenstehende Normen des Königreichs außer Kraft treten (Art.35) und alles im Konkordat nicht Behandelte nach dem katholischen Kirchenrecht zu behandeln sei (Art. 37, Abs. 1). Sämtliche religiöse Gruppen, auch sehr viele kroatische Katholiken, besonders aber die serbische Orthodoxie, verwarfen deshalb den Vertrag; und nach seiner Annahme durch die Skupstina, das Abgeordnetenhaus, am 23.Juli 1937, exkommunizierte der Heilige Synod Jugoslawiens alle orthodoxen Minister und Parlamentsmitglieder, die für die Annahme stimmten, so daß die Regierung die Sache wieder fallenließ.

Folglich waren die neunzehn katholischen Bischöfe Jugoslawiens empört und erklärten im Oktober 1937,

der Episkopat werde »in jedem Falle die Rechte der katholischen Kirche und der sechs Millionen Katholiken in diesem Staat zu beschützen wissen, und er hat zur Gutmachung aller Ungerechtigkeiten die erforderlichen Maßnahmen ergriffen«. Besonders gekränkt fühlten sich PiusXI. und sein Staatssekretär, der an der Ausarbeitung des Konkordats beteiligte und durch erfolgreiche Vertragsabschlüsse verwöhnte Pacelli. In einer Rede an das Konsistorium im Dezember 1937 drohte dieser geradezu: »Es kommt der Tag (er möchte es nicht gerne sagen, doch sei er seiner Sache sicher), wo die Zahl jener nicht gering sein wird, die sehr bedauern werden, ein großmütiges und großherziges gutes Werk ausgeschlagen zu haben, das der Statthalter Christi ihrem Land anbot.«

Pacelli wußte offenbar, was er sagte. Seine Drohung war nicht in den Wind gesprochen. 1941 erfüllte sie sich in einem Maß, das die schlimmsten Massaker des christlichen Mittelalters fast übertrifft.

Die faschistischen Komplicen des Papstes hatten die Zerschlagung Jugoslawiens spätestens seit 1939 vorgesehen. Doch Hitler, scharf auf Rußland, wünschte, trotz seines antiserbischen Komplexes seit 1914, »Ruhe auf dem Balkan«, und die Italiener fügten sich. Ein schon länger geplanter Staatsstreich aber, der den 17jährigen König Peter IL eben jetzt auf den jugoslawischen Thron brachte, durchkreuzte Hitlers Intentionen, löste in ihm wilde Wut auf das »serbische Verschwörerpack« aus sowie seinen Entschluß, die »Eiterbeule auf dem Balkan«, das »Wespennest Belgrad«, nun »endgültig auszubrennen«; wobei er als besondere »Strafaktion« gegen das »Verschwörernest«, die »serbischen Bombenschmeißer«, zu Beginn des Jugoslawienfeldzugs der Luftwaffe befahl, »die Hauptstadt Belgrad in rollenden Angriffen (>durch fortgesetzte Tag- und Nachtangriffe<) zu zerstören«.

Verantwortlich dafür machte Hitler zu Beginn der Attacke, am 6. April, in einem »Aufruf an das deutsche Volk«, die serbische »Verbrecherclique«, die »gleichen Kreaturen, die schon im Jahre 1914 durch das Attentat von Sarajevo die Welt in ein namenloses Unglück gestürzt« hätten, betonte aber, »das deutsche Volk« sei nicht veranlaßt, »gegen Kroaten und Slowenen zu kämpfen«. Vielmehr arbeiteten dann Deutsche und Italiener, die bald große Teile Jugoslawiens an sich rissen, mit der faschistisch-katholischen Bewegung Kroatiens zusammen, der Ustascha-Partei (Ustasa = der Aufständische).

Ihr Führer (Poglavnik) war der 1889 in der Herzegowina geborene, 1915 zum Dr. jur. promovierte Ante Pavelic,

ein ehemaliger Rechtsanwalt aus Zagreb. Am 7.Januar 1929, einen Tag nach der Proklamation der »Königsdiktatur« Alexanders!., hatten Pavelic, der ehemalige österreichische Offizier Slavko Kvaternik und andere die »Ustasa« gegründet, jenen nationalrevolutionären Kampfbund, dessen 1932 neu formuliertes Statut als Hauptaufgabe den »bewaffneten Aufstand« zur Befreiung Kroatiens vom »fremden Joch« festlegte. Jedes Mitglied mußte durch einen Eid (Pkt. 11 des Statuts) »bei dem allmächtigen Gott und bei allem was mir heilig ist« Gehorsam schwören. Die Ustascha-Kapläne leisteten später den Schwur vor zwei Kerzen, dem Kruzifix, einem Dolch und einem Revolver. Wurde hier doch nicht nur eine nationale Auseinandersetzung mit den verhaßten, seit dem Versailler Vertrag führenden Serben vorbereitet, sondern auch ein »heiliger Kampf«, ein Religionskrieg, der jeden Terror rechtfertigte und »Bibel und Bombe nebeneinander als Wahrzeichen und Kampfmittel« einschloß.

Kaum hatte Pavelic seine Aufstandspartei gegründet, brachte er sich in Sicherheit. Mit seinen nächsten Spießgesellen verschwand er nach Wien, nach Bulgarien, schließlich gewährte ihm die faschistische Regierung Italiens Unterschlupf und Förderung. Während ihn ein serbisches Gericht wegen Hochverrats bereits in Abwesenheit zum Tod verurteilt hatte, stellte Mussolini der Familie Pavelic in Bologna ein Haus zur Verfügung, das jahrelang als Ustascha-Hauptquartier diente. Mit Hilfe des Polizeigeheimchefs Ercole Conti und des Polizeiministers Bocchini ließ nun der Verschwörerboß in der Toskana und auf den Liparischen Inseln Auslandskroaten und flüchtige Ustascha-Anhänger auf künftige Mordaktionen drillen. Er verfügte über einige Sendungen von Radio Bari, gab die in kroatischer Sprache erscheinende Zeitung »Ustasa« heraus, stellte Kontakte zu national-kroatischen Propagandazentren in Wien, Berlin, den USA und Argentinien her und machte von Zeit zu Zeit die Welt auf seine hehren Ziele durch Bombenexplosionen in Zügen Wien-Belgrad aufmerksam, durch einen - rasch niedergeschlagenen - größeren Aufstandsversuch im Velebitgebirge 1932 und durch eine Serie speziellerer Attentate.

Sein prominentestes Opfer aber wurde der jugoslawische König Alexander.

Einen ersten Anschlag zwar auf den selbst vielen Kroaten genehmen Regenten im Herbst 1933 in Zagreb konnte der jugoslawische Geheimdienst vereiteln. Als der Monarch jedoch ein Jahr später, am 9. Oktober 1934, bei den verbündeten Franzosen in Marseille landete, wurde er, zusammen mit dem französischen Außenminister Louis Barthou, noch im Hafenviertel von einer - sogleich durch die Menge gelynchten - Kreatur des Pavelic ermordet. In Abwesenheit traf diesen erneut, ja, nun zweifach, durch Frankreich und Jugoslawien, die Todesstrafe. Die italienischen Faschisten freilich wiesen Pavelic, nach einer Untersuchungshaft, in Siena einen neuen Wohnsitz mit einer monatlichen Staatspension von 5 000 Liren an.

Eine von Pavelic 1936 fertiggestellte und eigenhändig unterzeichnete Denkschrift über »die kroatische Frage« rühmt Hitler als Deutschlands »größten und besten Sohn«, Hitlerdeutschland als »den mächtigsten Kämpfer für lebendes Recht, wahre Kultur und höhere Zivilisation« und erhofft »vom neuen Deutschland... Verständnis für seinen historischen Kampf«. Noch am 6. April 1941, als Belgrad unter pausenlosem deutschen Bombenterror zu brennen begann und die 12. Armee des Generalfeldmarschalls List von Bulgarien nach Südserbien vorstieß, rief Pavelic über einen Geheimsender die kroatischen Truppen auf, die Waffen gegen die Serben zu richten. »Von jetzt an kämpfen wir Seite an Seite mit unseren neuen Verbündeten, den Deutschen und Italienern.«

Gegen Abend des 10. April, als die Deutschen Zagreb, die Hauptstadt des früheren Banat, besetzten, erfolgte, noch in Pavelic Abwesenheit, die Proklamation des »Unabhängigen Kroatien«. »Gottes Vorsehung und der Wille unseres großen Verbündeten sowie der jahrhundertelange Kampf des kroatischen Volkes und die große Opferbereitschaft unseres Führers Ante Pavelic und der Ustascha-Bewegung in der Heimat und im Ausland haben es gefügt, daß heute, vor der Auferstehung des Gottessohnes, auch unser unabhängiger Staat Kroatien aufersteht.«

Der Poglavnik nahm am 10. April noch eine Parade seiner rund 300 Mann zählenden Garde in Pistoia ab,

wurde am Abend nach Rom zu Mussolini beordert, versicherte Hitler am 11. April telegraphisch »Dankbarkeit und Ergebenheit«, überschritt in der Nacht zum 13. bei Rijeka die jugoslawische Grenze, traf in der Nacht zum 15. in Zagreb ein und ernannte am 17. sein erstes Kabinett. Er war nun Staats-, Regierungs- und Parteichef sowie Oberbefehlshaber der Truppen und herrschte als Diktator - freilich in Abhängigkeit von seinen großen Verbündeten, deren Regime er weitgehend kopierte - über drei Millionen katholische Kroaten, zwei Millionen orthodoxe Serben, eine halbe Million bosnische Moslems und zahlreiche weitere kleinere Volksgruppen, darunter auch 40 000 Juden.

Am 18. April kapitulierte die jugoslawische Armee bedingungslos. Serbien wurde der deutschen Militärbesatzung unterstellt, und fast zwei Fünftel des Königreichs Jugoslawien kamen zum »Unabhängigen Staat Kroatien«, der sich aus den kroatisch-slawenischen Kernländern einschließlich Syrmien zusammensetzte, aus ganz Bosnien (bis zur Drina) sowie der Herzegowina mit einem Teil des dalmatinischen Küstenlandes; insgesamt rund 102 000 Quadratkilometer. Fast die Hälfte Jugoslawiens aber trat Pavelic im Mai in aller Form an seine Angrenzer ab; im Norden an die Deutschen, deren Reichsgrenze jetzt nur 20 Kilometer vor Zagreb verlief, im Nordosten an Ungarn, im Süden an Bulgarien und Albanien, endlich im Südwesten, Westen (mit weit überwiegend kroatischer Bevölkerung) und Norden an Italien. Am 7. Mai reiste Pavelic dorthin mit Ministern und Geistlichen, darunter der Generalvikar des Erzbischofs Stepinac, Bischof Salis-Sewis, und bot die sogenannte Krone Zvonimirs, des letzten selbständigen kroatischen Königs aus dem n.Jahrhundert, dem König Viktor Emanuel III. für den unbedeutenden Herzog Aimone von Spoleto an, der zwar nie gekrönt wurde, nie in seinem Reich erschien, doch als designierter kroatischer König (Tomislav II.) bereits am 17. Mai im Vatikan vorsprach.

Dort traf am nächsten Tag auch der wegen mehrfachen Mordes mehrfach zum Tod verurteilte Poglavnik mit seiner zahlreichen Begleitung ein - Pavelic »umgeben von seinen Banditen«, notierte nur wenige Wochen früher selbst Außenminister Ciano in seinem Tagebuch. Die katholische Presse aber war sehr gerührt durch die Aufmerksamkeit und Herzlichkeit von Papst PiusXII., der Pavelic samt Gangstern in besonders feierlicher Privataudienz - auf einem »Großempfang« - begrüßte und sie in freundschaftlicher Weise entließ mit den besten Wünschen für die »weitere Arbeit...«

Die »weitere Arbeit« zielte auf die offenkundige Vernichtung der Serben und der serbisch-orthodoxen Kirche,

kulturell, finanziell, materiell, kurz, auf eine rücksichtslose Re- Katholisierung, wobei alles eine genau geplante Politik verrät. So wurden dort, wo die Orthodoxen eine Minderheit waren, ihre Kirchen für katholische Zwecke umgewandelt, laut Anordnung der bischöflichen Ordinariate. Wo dagegen die Pravoslaven überwogen, hat man ihre Kirchen meist total zerstört. Nicht weniger als 299 serbisch-orthodoxe Gotteshäuser fielen derart dem katholischen Kreuzzug zum Opfer, wurden ausgeraubt, vernichtet; davon 172 in den Provinzen Lika, Kordun und Banija. Viele Kirchen hat man zu Warenhäusern gemacht, Schlachthäusern, öffentlichen Toiletten, Ställen. Den ganzen Besitz der serbisch-orthodoxen Kirche kassierte die katholische.

Auch das Vermögen der Juden, die sofort aus allen kulturellen Instituten flogen, bald auch aus der Beamtenschaft, den akademischen Berufen, wurde noch im Herbst 1941 geraubt, die »unerwünschte« Judenschaft selbst in Lager gesteckt und schließlich nach Auschwitz deportiert. Hatte doch schon ein Erlaß »über den Schutz des arischen Blutes und die Ehre des kroatischen Volkes« vom 30.April 1941, ganz nach den Normen des Nazireichs, ihre stillschweigende Vernichtung vorbereitet.

Zur »weiteren Arbeit« (Pius XII.) gehört, daß man noch in den ersten Tagen des neuen Regiments den serbischorthodoxen Patriarchen Dr. Gavrilo Dozic und den bedeutendsten pravoslavischen Theologen, Bischof Dr. Nikolaj Velimirovic, bis zum Kriegsende internierte. Im November 1941 verhafteten die Italiener auch den serbisch-orthodoxen Bischof von Dalmatien, Dr. Irinej Djordjevic, der ebenfalls bis 1945 verschwand.

Fünf weitere Bischöfe und mindestens 300 Priester der Orthodoxen hat man ermordet. Der 80jährige Metropolit von Sarajewo, Petar Simonie, wurde erwürgt, während der katholische Erzbischof der Stadt, Ivan Saric, Oden zu Ehren des Pavelic, »des angebeteten Führers«, schrieb, ja, in seinem Diözesanblatt die revolutionären Methoden »zum Dienst der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Ehre« pries. Dem 81jährigen Bischof Platov aus Banja Luka beschlug man die Füße wie einem Pferd und zwang ihn, so lang zu gehn, bis er ohnmächtig zusammenbrach. Dann stach man ihm und dem Priester Dusan Subotic, während auf ihrer Brust ein Feuer brannte, die Augen aus, schnitt ihnen Nase und Ohren ab und gab ihnen den Todesstoß. In Zagreb, wo der katholische Primas Stepinac und der Päpstliche Legat Marcone residierten, folterte man den orthodoxen Metropoliten Dositej derart, daß er wahnsinnig wurde.

Überall rief man die Orthodoxen zur Konversion auf. »Wenn ihr zur katholischen Kirche übergetreten seid«,

versprach Bischof Aksamovic von Djakovo, »werdet ihr in euren Häusern in Frieden gelassen werden«. Ein paar hunderttausend konvertierten, noch mehr starben durch die Ustascha-Miliz, einen der Waffen-SS vergleichbaren Kampfverband, der jedoch auch als eine Art politischer Polizei fungierte.

In Mostar, Herzegowina, wurden Hunderte von Serben zur Neretva getrieben, mit Draht aneinandergebunden, erschossen und in den Fluß geworfen. Ahnlich endeten Serben in Otoka in der Una, in Brcko in der Save. Ungezählte kamen in dem berüchtigten Gefängnis von Gospic um. Auch etwa 500 Menschen, die man ins Gefängnis von Glina schleppte, wurden dort im Kihalci-Wald ermordet und verscharrt. Kurz darauf tötete man da, angeblich nur wegen ihres Geldes, 56 Viehhändler. Auch in Doboj begann man mit der Erschießung vermögender Serben. Im Distrikt Bjelovar ließen Ustaschen den Priester Bozin, den Lehrer Ivankovic sowie 250 Männer und Frauen, meist Bauern, am 28. April 1941 einen Graben ausheben, banden ihnen die Hände auf den Rücken und begruben sie lebendig. In der gleichen Nacht erdrosselte man bei Vukovar 180 Serben und warf sie in die Donau. Wenige Tage später zwang man in Otocac 331 Serben, einen Graben auszuheben, und erschlug sie mit Äxten.

Einen Höhepunkt dieser Glaubens-Taten bildete die Liquidierung eines früheren serbischen Abgeordneten, des Popen Branko Dobrosavljevic, vor dessen Augen man seinen kleinen Sohn buchstäblich in Stücke schnitt, während er selbst die Sterbegebete aufsagen mußte, worauf man sein Haar ausriß, den Bart, die Haut abzog, die Augen ausstach und ihn zu Tode folterte. Das gleiche geschah in Svinjica, Provinz Banija. In Mliniste, Distrikt Glamoc, wurden das frühere Parlamentsmitglied Luka Avramovic und sein Sohn gekreuzigt. In Kosinj, wo die Ustascha 600 Serben zusammentrieb, mußte eine Mutter in einer Schüssel das Blut ihrer vier Söhne auffangen. In der Umgebung Sarajevos rottete man ganze Dörfer aus, wobei es u. a. in Vrace zu Massenerschießungen serbischer Bauern kam.

Als der vom Papst gesegnete Pavelic am 26.Juni 1941 den katholischen Episkopat in Audienz empfing

und Erzbischof Stepinac »von ganzem Herzen Ehrerbietung« bezeugte, auch »ergebene und treue Mitarbeit für die strahlendste Zukunft unseres Vaterlandes« versprach, hatte das katholische Kroatien innerhalb von sechs Wochen schon drei orthodoxe Bischöfe, mehr als hundert orthodoxe Priester und Mönche samt 180 000 Serben und Juden ermordet. Bereits im nächsten Monat machten die Ustaschen, »Furien der Unterwelt«, »verkörperte Teufel«, in Gefängnissen, Kirchen, auf Straßen und Feldern über 100 000 serbische Männer, Frauen und Kinder nieder. Die Kirche von Glina in Bosnien wurde in einen Schlachthof verwandelt.

»Das Blutbad dauerte von abends 10 Uhr bis morgens 4 Uhr und ging acht Tage weiter. Die Uniformen der Schlächter mußten gewechselt werden, weil sie vom Blute durchnäßt waren. Man findet später aufgespießte Kinder mit noch vor Schmerz gekrümmten Gliedern.« Die Initiatoren des Gemetzels: der aus Glina stammende Justizminister Dr. Mirko Puk und der Prior des Franziskanerklosters von Cuntic, Hermenegildo alias Castimir Hermann. Und wie in Glina, so diente in Bernic die serbische Kirche als Gefängnis und Hinrichtungsstätte für orthodoxe Männer und Frauen. Üblich waren Massenexekutionen, wobei man den Opfern die Kehle durchschnitt, sie manchmal vierteilte, auch Stücke ab und zu in Metzgerläden hing, Aufschrift: »Menschenfleisch«.

Es geschahen Grausamkeiten, neben denen die Untaten deutscher KZ-Schergen beinah verblassen. Die Ustaschen liebten Folterspiele bei nächtlichen Orgien, bohrten glühende Nadeln unter die Fingernägel, streuten Salz in offene Wunden, verstümmelten alle möglichen Körperteile und ermittelten im edlen Wettstreit, wer am besten einen Hals durchschnitt. Sie zündeten Kirchen voller Leute an, pfählten Kinder in Vlasenika und Kladany, säbelten mit Vorliebe Nasen und Ohren ab, stachen die Augen aus. Die Italiener fotografierten einen Ustaschen, um dessen Hals zwei Ketten aus menschlichen Zungen und Augen hingen. Der mittelalterliche Kreuzzugsterror schockierte selbst die italienischen Faschisten. Sie verbreiteten massenhaft Flugzettel gegen die kroatische Regierung, putschten teilweise die Serben dagegen auf, ja, schützten diese da und dort, ebenso die Juden. Insgesamt schätzte man die Zahl der durch italienische Truppen geretteten Menschen auf 600 000, darunter auch einige tausend vor Ustaschen und Nazis geflüchtete Juden.

Sogar die Deutschen jedoch protestierten, Diplomaten, Militärs, Parteileute, selbst der Sicherheitsdienst der SS.

Sie sandten ihre »erschütternden« Meldungen ans Oberkommando der Wehrmacht, ans Auswärtige Amt, ans Reichssicherheitshauptamt, ins Führerhauptquartier, sie geißelten den »Terror der Ustascha«, den »ungeheuren Terror der Ustascha«, berichteten immer wieder über »zweifellos in großer Menge vorkommende Morde und Brandtaten«, »wahrhaft entsetzliche Vorgänge«, die »sinnlose Abschlachtung der serbischen Bevölkerung«, »Greueltaten... auch an wehrlosen Greisen, Frauen und Kindern in der bestialischsten Weise«, »wieder neue Greueltaten«, wobei manche, wie der Vertreter des deutschen Gesandten in Zagreb, Gesandtschaftsrat von Troll-Obergfell, »das ganze Material... durch Fotos teilweise« belegten.

Am 17. Februar 1942 berichtet der wohl kaum großer Empfindlichkeit verdächtige Chef der Sicherheitspolizei und des SD dem Reichsführer SS: »Die von den Kroaten niedergemetzelten und mit den sadistischsten Methoden zu Tode gequälten Pravoslaven müssen schätzungsweise auf 300 000 Menschen beziffert werden... Zu bemerken ist hierbei, daß letztlich die katholische Kirche durch ihre Bekehrungsmaßnahmen und ihren Bekehrungszwang die Ustascha-Greuel forciert hat, indem sie auch bei der Durchführung ihrer Bekehrungsmaßnahmen sich der Ustascha bedient... Tatsache ist, daß in Kroatien lebende Serben, die sich zur katholischen Kirche bekannt haben, unbehelligt wohnen bleiben können... Daraus ist ersichtlich, daß der kroatisch-serbische Spannungszustand nicht zuletzt ein Kampf der katholischen Kirche gegen die pravoslavische Kirche ist.«

Und der Oberbefehlshaber Südost, Generaloberst Alexander Löhr, der am 27. Februar 1943 vom Oberkommando der Wehrmacht nachdrücklich die Einsetzung eines anderen Regimes in Kroatien verlangt, kann sogar mitteilen, daß »bei den Terrorakten der Ustascha gegen die pravoslawische Bevölkerung... nach Ustascha-Angaben etwa 400 000 ermordet sein sollen«. Eine von Hitler angeforderte, am 1. Oktober 1942 übersandte gemeinsame Denkschrift des deutschen Gesandten in Zagreb, Siegfried Kasche (nach Kriegsende hingerichtet) sowie des Generals in Zagreb, Glaise von Horstenau (durch Selbstmord geendet), und des Oberbefehlshabers Südost, Generaloberst Löhr (gleichfalls hingerichtet), empfahl einerseits, den Pavelic-Staat vorbehaltlos zu unterstützen, andererseits aber darauf zu dringen, daß Regierung und Ustascha »von der Auffassung abrücken, daß sie alle Pravoslaven (Serben) im kroatischen Staatsgebiet ausrotten wollen«. Ja, das Oberkommando der Wehrmacht riet schließlich Hitler, mit dem Regime zu brechen.

Zuletzt befahl sogar Ribbentrop dem deutschen Gesandten in Zagreb, »sich sofort beim Poglavnik zu melden«,

und das stärkste Befremden der Reichsregierung auszudrücken wegen »ungeheurer Ausschreitungen« der Ustascha, »verbrecherischer Elemente«.

  • Und als Sonderbevollmächtigter Neubacher wiederholt im Führerhauptquartier »wahrhaft entsetzliche Vorgänge in meiner kroatischen Nachbarschaft« zur Sprache brachte, entgegnete selbst Hitler, er habe dem Poglavnik »auch gesagt, daß man eine solche Minderheit nicht einfach ausrotten kann: sie ist zu groß«!
  • Ja, Hitler meinte: »Ich werde mit diesem Regime schon einmal Schluß machen - aber nicht jetzt!«

Hatte er doch auch zynisches »Verständnis« für die Gemetzel und war, wider allen Vorstellungen der auf »Ordnung« und »Befriedigung« bedachten Besatzer, dagegen, »dem Treiben der Kroaten gegen die Serben... in den Arm zu fallen«. »Das Reich arbeitet weiter mit dem Poglavnik und seiner Regierung«, entschied Hitler Anfang September 1943 - womit er, wenn auch aus anderen Gründen (gerade die kolossalen Greuel des Ustascha-Staates banden diesen bis zuletzt an ihn!), sich wieder einmal in schönster Übereinstimmung mit dem hohen kroatischen Klerus und Papst Pius XII. befand.

Denn die Taten der Ustascha waren Taten der katholischen Kirche, weit weniger biologisch, durch die Rasse, als geradezu hyperkonfessionell bedingt. Wollte man ja gleichsam das alte kroatische Vasallenreich des Papstes wiederherstellen, alle glaubensfremden Elemente ausmerzen und ein »reines Volk« haben. Schon das Statut, das die Ustascha dem Staat gab, sah den »Schwerpunkt der moralischen Kraft des kroatischen Volkes... in dem geordneten religiösen und familiären Leben«, hielt zum Werk des Aufbaus »nur ehrenhafte und moralisch unverdorbene Männer für geeignet«, die »Atheismus, Gotteslästerung und zotige Reden« bekämpfen.

Von Anfang bis Ende des Regimes bestand engste Zusammenarbeit zwischen ihm und der Kirche.

Es ist bezeichnend, daß bereits am ersten Tag seiner Existenz, am n. April 1941, die Ustaschabehörden über Radio Zagreb bekanntgaben, der nichtstädtischen Bevölkerung werden die Priester der Pfarrämter die Direktiven erteilen, auch über das Verhalten zur Besatzungsmacht. Zahlreiche Kleriker gehörten schon seit Jahren der Ustascha an, darunter der Erzbischof von Sarajewo, Ivan Saric. Auch viele Streiter der Katholischen Aktion waren Ustaschen. Die kroatischen »Kreuzfahrer« (Krizari) umfaßten 30 000 Mitglieder und hielten jährlich mehr als 3 000 Zusammenkünfte in Kirchen mit monatlicher Kommunion, Anbetungsstunden etc. ab.

Einige ihrer Leiter waren zugleich Ustaschaführer und besonders aktive Träger der Partei, sie übernahmen sofort die Spitzenstellungen in der Verwaltung des Landes, der Polizei, wurden Statthalter, Polizeipräfekten, beaufsichtigten die Lebensmittelverteilung usw. Bischöfe und Priester saßen im Sobor, dem Ustascha-Parlament, das den Heiligen Geist mit dem Gesang »Veni Creator« anrief, Geistliche dienten als Offiziere in Pavelics Leibwache, Franziskaner kommandierten in Konzentrationslagern, selbst die Nonnen, die Busen teilweise beladen mit Ustascha-Orden, grüßten nach Art der Faschisten und marschierten bei den Paraden unmittelbar hinter dem Militär.

Dementsprechend hatten die Führer der Ustascha beständig die Worte Gott, Religion, Papst, Kirche auf den Lippen. Ante Pavelic selbst reiste nicht nur ins Führerhauptquartier und auf den Berghof, sondern er pilgerte auch zu PiusXII. War er doch eifriger Katholik, absolut romhörig, dauernd von Geistlichen umgeben, ein Priester auch Erzieher seiner Kinder; er hatte einen eigenen Beichtvater und in seinem Palast eine eigene Kapelle. Auf Hunderten von Fotos erscheint er zwischen Bischöfen, Priestern, Mönchen, Nonnen, Seminaristen. Und gleich nach der Proklamation seines Schreckensregiments ersuchte er um dessen Anerkennung durch den Papst. »Zu Füßen Deiner Heiligkeit kniend« und deren »geweihte Rechte« küssend, erklärte Pavelic als »ergebenster Sohn«:

  • »Heiliger Vater!

Als die gütige Vorsehung Gottes zuließ, daß ich das Steuer meines Volkes und meines Vaterlandes in meine Hände nahm,

habe ich fest beschlossen und mit allen meinen Kräften gewünscht..., daß unser vom Gesetz des Evangeliums durchdrungenes Volk das Reich Gottes werde.«

  • Das Reich Gottes!

Ein Jahr darauf, zum Jahrestag der römischen Verträge, in denen Pavelic einen strategisch und wirtschaftlich wichtigen Teil Jugoslawiens an Italien abgetreten, gestand er mit allem Recht: »Die gemeinsame Ideologie, zu der wir uns bekennen, wurde in Rom besiegelt.« Religions- und Unterrichtsminister Mile Budak formulierte das so: »Wir töten einen Teil der Serben, wir vertreiben einen anderen, und der Rest, der die katholische Religion annehmen muß, wird in das kroatische Volk aufgenommen werden.«

Die katholische Presse des intendierten »Gottesreiches« versicherte der Ustascha überschwenglich ihre Sympathie. In einer Fülle von Artikeln feierte sie »das neue und freie Kroatien als einen christlichen und katholischen Staat«, sah das »Kroatien Gottes und Marias aus alten Zeiten... wiedererstanden«, beteuerte Papstgünstling Pavelic die Loyalität und feierte Hitler als »Kreuzfahrer Gottes«. »Ruhm sei Gott, unsere Dankbarkeit Adolf Hitler, und unendliche Treue unserem Poglavnik, Ante Pavelic«, so faßte die Zagreber Zeitung »Nedelja« am 27. April 1941 alles zusammen, was zusammengehörte. Kroatien als Reich Gottes und Marias, das bedeutete natürlich Vernichtung der serbischen »Ketzer«.

»Im Unabhängigen Kroatien gibt es keine Serben und keine sogenannte serbisch-orthodoxe Kirche«,

meldete am 29.Juli Radio Zagreb. »Es kann keine Serben und keine Orthodoxie in Kroatien geben, die Kroaten werden sobald als möglich dafür sorgen.« Ganz offen proklamierte das Bistumsblatt von Erzbischof Saric, Sarajevo, den Katholizismus zu verkünden »mit Hilfe von Kanonen, Maschinengewehren, Panzern und Bomben«. Alltäglich waren Priester, die predigten: »Bis jetzt, meine Brüder, haben wir für unsere Religion mit Kreuz und Brevier gearbeitet, nun ist die Zeit gekommen für den Revolver und das Gewehr.« Oder: »Es ist keine Sünde mehr, ein siebenjähriges Kind zu töten, wenn es gegen die Gesetzgebung der Ustaschen verstößt. Obwohl ich das Kleid des Priesters trage, muß ich oft nach dem Maschinengewehr greifen.«

Ivo Guberina, Geistlicher und Führer der Katholischen Aktion, Hauptmann in Pavelics Leibwache, wollte Kroatien »von allem Gift auf jede nur mögliche Weise« gereinigt sehen, »auch durch das Schwert«; »auch präventiv, ohne den Augenblick des Angriffs abzuwarten«. Nannte er doch »die Pflicht des Katholiken, alles zu tun, um Werkzeug der vollkommenen Offenbarung dessen zu werden, was in der Ustascha-Bewegung wesentlich und positiv ist... Die Kirche wird zufriedener sein, wenn ihre Gläubigen bewußt in den Reihen der Ustascha kämpfen werden.«

Der Priester Bozidar Bralo, Schutzherr der berüchtigten fliegenden Division »Crna Leggija«, der Schwarzen Legion, Hauptkomplice auch des Mörderbischofs Saric, reiste, zum Präfekten ernannt, mit der Maschinenpistole durchs Land, immer wieder brüllend:

  • »Nieder mit den Serben!«

Er nahm teil an der Niedermetzelung von 180 Serben in Altpasin Most und machte mit den Ustaschen einen Freudentanz um die Ermordeten.

Der Jesuit Dragutin Kamber, der Mitte August 1941 Hitlers Soldateska Kämpfer für »politische und soziale Gerechtigkeit« nannte, Erbauer der »Fundamente einer glücklichen Welt für künftige Generationen«, war Polizeichef von Doboj in Bosnien und allein verantwortlich für den Mord an Hunderten von orthodoxen Serben.

Andere Massaker hatte der Geistliche Nikola Pilogrvic aus Banja Luka veranlaßt. An der Abschlachtung von 559 serbischen Männern, Frauen und Kindern in Prebilovci und Surmanci, Herzegowina, beteiligten sich die katholischen Priester Ilija Tomas und Marko Hovko. Branimir Zupancic, Kuratus in Rogolje, massakrierte 400 Menschen. In Travnik erschoß man noch in den ersten Tagen des Regimes einen Pater, der mit dem Kruzifix in der Hand seine Mörderbande aufreizte. Ähnlich trieben es die Jesuiten Lipovac und Cvitan, die Franziskaner Josip Vukelic, Brekalo Zvonimir, Justin Medic, Hinko Prlic; sie führten Ustaschakreuzzüge in Bosnien an, plünderten, brandschatzten, ermordeten die Gefangenen.

Besondere »Verdienste«, laut Erzbischof Stepinac, errangen bei der Ausrottung der Orthodoxen die Söhne des hl. Franz von Assisi.

Franziskanerklöster hatten der Ustascha schon lang als Waffenlager gedient. Franziskaner fungierten als Berater in der Umgebung des Pavelic, wie der Organisator der Ustaschen, Pater Radoslav Glavas, der täglich bei Pavelic Zutritt hatte und 1945 durch ein Kriegsgericht zum Tod verurteilt wurde. Franziskaner waren Feldprediger, wie Pater Simic, der am 21. Mai 1941 in Knin auf die Frage des italienischen Kommandeurs der »Sassari-Division« nach den Richtlinien seiner Politik erklärte: »Alle Serben in möglichst kurzer Zeit zu töten.« Und als der General seinen Ohren nicht traute und bat, das zu wiederholen, wiederholte der Pater prompt: »Alle Serben in möglichst kurzer Zeit zu töten. Das ist unser Programm.«

Für viele kroatische Franziskaner waren die orthodoxen Serben Schlachtvieh

und Devisen maßgebend wie die des Außenministers Mladen Lorkovic, »daß das kroatische Volk alle die ausländischen Elemente, die seine Kräfte schwächten, vernichten muß, diese Elemente sind die Serben und die Juden«. Der Franziskaner Berto Dragicevic vom Kloster Siroki Brijeg kommandierte, unterstützt von seinen Ordensbrüdern Ante Cvitkovic und Andrija Jelicic, die Ustaschen der Gegend.

Pater Augustino Cievola vom Franziskanerkloster Split erschien in den Straßen mit einem Revolver und trieb das Volk zur Liquidierung der Orthodoxen. Franziskaner betätigten sich als Henker in Konzentrationslagern, die im »Unabhängigen Staat Kroatien« nur so aus dem Boden schössen, in Jasenovac, Jadovno, Pag, Ogulin, Jastrebarsko, Koprivnica, Krapje, Zenica, Stara Gradiska, Djakovo, Lobograd, Tenje, Sanica etc. Selbst Kinder wurden dort zu Tausenden geschlachtet. Man schuf sogar eigene Konzentrationslager für sie: in Lobor, Jablanac, Mlaka, Brocice, Ustice, Sisak, Gornja Rijeka u.a. 1942 steckten allein in Jasenovac etwa 24 000 Kinder; die Hälfte davon wurde ermordet. Dann freilich fand man es nützlicher, Kinder zu schonen. Nachdem ihre Eltern meist beseitigt waren, nahm sich die »Caritas«, der Erzbischof Stepinac präsidierte, der Elternlosen an (»Lasset die Kleinen zu mir kommen...«) und machte sie zu Katholiken, ja, zu Priestern der alleinseligmachenden Kirche - und ungezählte ahnen nicht, welchem Schicksal sie dies »verdanken«.

Das »Todeslager« von Jasenovac am Ufer der Save, das kroatische Auschwitz, worin etwa 200 000 Serben und Juden umkamen, hatte zeitweise den Franziskaner Miroslav Filipovic-Majstorovic zum Kommandanten. Und Franziskaner und Geistliche unterstützten ihn: Brkljanic, Matkovic, Matijevic, Brekalo, Celina, Lipovac u.a. In vier Monaten wurden in Jasenovac, berüchtigt wegen seiner Massenenthauptungen, unter Leitung des Franziskanerpaters Filipovic, 40 000 Menschen liquidiert - »nicht wenige dank seiner persönlichen Darbietungen als >zauberhaft< geschickter Würger«. Doch dürfte den 1945 hingerichteten »Bruder Teufel« der Franziskaner-Stipendiat Brzica noch übertroffen haben, der in Jasenovac in einer Nacht, am 29. August 1942, 1360 Menschen mit einem Spezialmesser köpfte. Edmond Paris, der eine »schreckliche Litanei« von Verbrechen gerade der Franziskaner aufzählt, meint, sie könnte »unendlich verlängert werden«.

Nach dem Zusammenbruch des »Gottesreiches« wurden nicht zufällig gerade ausländische Franziskanerklöster

die Zufluchtsstätten der Massenmörder, in Österreich Klagenfurt, in Italien Modena, doch auch in Frankreich. »Alle diese Klöster verbargen die geflüchteten Ustaschis. Überall fanden diese Verbrecher kirchliche Hilfe und Beistand. Das war nur zu verständlich, denn die >Taten< der Ustaschis waren Taten der Kirche.«

Schlagend beweist dies auch die Rolle des Präsidenten der kroatischen Bischofskonferenz, des Erzbischofs Alojzije Stepinac. Von der ersten bis zur letzten Stunde kollaborierte er mit dem Regime, dessen Verbrecher er und seine Bischöfe, »wenn überhaupt, nur sehr rücksichtsvoll kritisierten«. Bereits am Tag nach der Proklamation des »Unabhängigen Kroatien« ging er zu Pavelic Stellvertreter, General Kvaternik - dem deutschen »Führer« gerade als »Mordskerl« gerühmt-, und erwies ihm seine Reverenz. Am 16. April gab er zu Ehren des zurückgekehrten Pavelic ein Essen im erzbischöflichen Palast. An Ostern beglückwünschte er in der Kirche den »ebenfalls auferstandenen« Ustascha-Staat. Und am 28. April veröffentlichte er zu dessen Gunsten einen Hirtenbrief. »Obwohl die aktuellen Ereignisse«, so enthüllte Stepinac, »sehr verwickelt sind, obwohl die Faktoren, die ihren Lauf beeinflussen, sehr verschieden sind, ist es jedoch leicht, die Hand Gottes in diesem Werk zu erkennen.«

Schließlich hatte Pavelic bereits den Altkatholiken und der serbisch-orthodoxen Kirche den Krieg erklärt, was Erzbischof Stepinac natürlich mit Genugtuung aufnahm, ja, mit der Bemerkung, »daß Pavelic ein ergebener Katholik sei und die Kirche volle Aktionsfreiheit habe...«.

Monsignore Stepinac forderte vom Episkopat enge Zusammenarbeit mit der Ustascha. Er wies den Klerus an, den Jahrestag der Proklamation des »Unabhängigen Staates Kroatien« mit besonderer Feierlichkeit zu begehen, ebenso den Geburtstag seines Führers Pavelic, an dessen Namenstag in allen Kirchen auch das Te Deum zu singen war. Im Januar 1942 wurde Stepinac vom Vatikan zum Militärvikar der Ustaschen ernannt. Fast 150 Priester meldeten sich darauf als Feldkapläne in die Ustascha-Armee. Bei einem Empfang in der Kurie bewertete Stepinac überaus wohlwollend das Verbrecherreich: »Er war sehr guter Laune und gegen alle nur möglichen Feinde unseres Landes wahrhaft kriegerisch gesinnt«, meldete Nikola Rusinovic, der (zweite) Repräsentant der Ustascha-Regierung beim Vatikan. »Er hat dem Heiligen Vater einen Bericht von neun Seiten in Maschinenschrift überreicht. Er hat mich mit dem wesentlichen Inhalt bekanntgemacht, und darum kann ich Dir versichern, daß der Bericht, was uns betrifft, absolut positiv ist...«

Stepinac konferierte im Vatikan nicht nur mit Pius XIL,

sondern auch mit Staatssekretär Maglione, mit weiteren Kardinälen und Prälaten, auch mit dem späteren Papst Montini.

Am 23.Februar 1942 empfing der Vorsitzende der kroatischen Bischofskonferenz, umgeben von seinen Würdenträgern, den mehrmals zum Tod verurteilten Pavelic am Portal der Markuskirche in Zagreb und feierte mit tönenden Phrasen die Gründung des Sobor, des Ustascha-Parlaments, dem er selbst und zehn seiner Geistlichen angehörten. Die »Arbeit des Parlaments« aber, so meldete der (erste) Ustascha-Vertreter beim Heiligen Stuhl, Pater Segvic, nach Zagreb, »wird von den Leuten im Vatikan verfolgt« und erhalte auch Berichte im »Osservatore Romano«.

Im Mai 1943 legte Erzbischof Stepinac der Kurie ein weiteres Memorandum vor. Er betonte die Verdienste der Ustascha um die Konversionen der Orthodoxen, dankte dem kroatischen Klerus, »vor allem den Franziskanern«, und beschwor den Papst, sich den Kroaten zuzuwenden. Zeige ihr junger Staat doch »bei jeder Gelegenheit, daß er seinen herrlichen katholischen Traditionen treu zu bleiben wünscht und der katholischen Kirche in diesem Winkel des Erdballs eine bessere, hellere Perspektive eröffnen will«.

Der neue (dritte) Ustascha-Repräsentant beim Vatikan, Fürst Erwin Lobkowicz, meldete über den Besuch des kroatischen Primas in Rom (vom 26. Mai bis zum 3.Juni 1943): »Nach dem, was ich von verschiedenen Seiten gehört habe, und nach seinen eigenen Erklärungen hat der Erzbischof einen sehr positiven Bericht über Kroatien gegeben. Er hob hervor, er habe einige Dinge verschwiegen, mit denen er ganz und gar nicht einverstanden sei, um Kroatien in dem bestmöglichen Licht erscheinen zu lassen.« Ja, Lobkowicz betonte, »der Erzbischof« habe »auch die gegen die Juden angewandten Methoden gerechtfertigt und begründet«; wozu ergänzt sei, daß die Ustascha mit Hilfe klerikaler Kreise auch 80 Prozent der jugoslawischen Juden ermordet hat.

1944 edierte das Kriegsministerium das Soldatengebetbuch: Der kroatische Staat

voll von heißen Gebeten für das Regime - mit erzbischöflicher Druckerlaubnis. Im gleichen Jahr wurde Stepinac von Pavelic mit dem »Großkreuz mit Stern« dekoriert; am 7.Juli 1944 forderte er: »alle müssen sich daranmachen, den Staat zu verteidigen, um ihn mit noch größerer Kraft aufzubauen«. Und noch am 24. März 1945 veröffentlichte der Primas ein Manifest zugunsten Groß-Kroatiens und bot sein Palais zahlreichen, von der Polizei gejagten politischen Mördern als Zufluchtsstätte an. Freilich hoben er und seine Bischöfe eben damals auch ein den Angloamerikanern geschicktes Schreiben des Pavelic hervor, der dem Chef des Alliierten Oberkommandos im Mittelmeerraum, allerdings vergeblich, die Ustascha-Armee gegen die Deutschen offeriert hatte, lobten seinen Kampf wider den Kommunismus und erboten sich, nun die demokratischen Kräfte mit aller Macht zu unterstützen, was die Alliierten jedoch gleichfalls ignorierten.

Die in Osterreich stehenden Engländer verweigerten im Mai 1945 mehr als 100 000 kroatischen Soldaten den Grenzübertritt, und noch im selben Monat wurden davon über 10 000 bei Marburg an der Drau exekutiert, neben anderen Massenhinrichtungen unter Tito - alles doch Folge noch des klerofaschistischen Regiments. Der Poglavnik selbst aber war entkommen. Während rund 150 000 seiner Männer noch kämpften, floh er mit einer Eskorte von Hauptakteuren, darunter etwa 500 katholische Kleriker, an ihrer Spitze der Bischof von Banja Luka, Jozo Gavic, und der Erzbischof von Sarajevo, Ivan Saric, der 1960 in Madrid starb. Mit Zentnern geraubten Goldes im Kloster Sankt Gilgen bei Salzburg aufgenommen, wurde Pavelic zwar von den Briten verhaftet, infolge einer »mysteriösen Intervention« jedoch bald wieder freigelassen.

Als Priester verkleidet, gelangte er nach Rom, wohnte, als Pater Gomez und Pater Benarez, erneut in einem Kloster

und erreichte 1948, als Pablo Aranyoz, Buenos Aires, immer noch 250 Kilo Gold und 1100 Karat Edelsteine im Gepäck - und begleitet von Erzbischof Stepinac' früherem Verbindungsmann zum Vatikan, dem Geistlichen Dragonovic, den ihm die »Commissione d'assistanza pontifica« zur Verfügung gestellt. Nach Perons Sturz entging Dr. Pavelic 1957 einem Revolverattentat sowie der argentinischen Polizei, landete abermals in einem Kloster, diesmal bei Madrider Franziskanern, und starb, 70j'ährig, Ende 1959, sinnigerweise im deutschen Krankenhaus der spanischen Hauptstadt, mit dem Segen des Papstes.

  • Sollte das stets wohlinformierte heilige Rom nichts von den Schandtaten dieses Mannes, seines Staates, seiner Kleriker gewußt haben?

Doch der Londoner Rundfunk, die alliierte Presse, selbst italienische Zeitungen verbreiteten sich ganz offen darüber. Von allen alliierten Regierungen trafen Protestschreiben beim »Statthalter Christi« ein. Auch der Erzbischof von Belgrad, Dr. Ujcic, hatte »Information über die Massaker... aus den verschiedensten Quellen erhalten« und »alles an den Vatikan weitergeleitet«.

Aber PiusXII. schwieg wie über Auschwitz und so vieles. Doch das »Kroatien Gottes und Marias«

war ganz überwiegend ein katholischer Fall. Die Stimme des Papstes hatte dort größte Bedeutung. »Alle unsere Taten«, gestand Religions- und Unterrichtsminister Mile Budak, »gründen sich auf die Treue zu der Religion und zur katholischen Kirche.« Der Führer des Landes wollte »das Reich Gottes« verwirklichen. Er war »ein ergebener Katholik«, wie Erzbischof Stepinac bekannte; der Staat selbst bemühte sich, wieder laut Stepinac, »bei jeder Gelegenheit..., seinen herrlichen katholischen Traditionen treu zu bleiben«; und die römische Kirche hatte, noch einmal Stepinac: »volle Aktionsfreiheit. ..«

Selbstverständlich wußte man im Vatikan Bescheid, wahrscheinlich genauer als irgendwo auf der Welt, außerhalb von Kroatien selbst. Aber man freute sich über dessen »Unabhängigkeit« - von dem PiusXII. sehr nahestehenden Ordensgeneral der Prämonstratenser, dem Belgier Noots (»er kennt unseren Kampf«, schrieb Rusinovic nach Zagreb, »und sympathisiert mit uns ohne Vorbehalt«) über den Jesuitengeneral bis zu den einflußreichsten Monsignori. »Die Jesuitenkurie spiegelt den Vatikan getreu wider«, berichtet am 12. Juni 1942 der Jesuit Wurster, Sekretär des Ustascha-Bevollmächtigten beim Vatikan, des Geheimen Hofkämmerers Seiner Heiligkeit, Fürst Erwin Lobkowicz. »Der General persönlich liebt die Kroaten und freut sich über ihre Unabhängigkeit.« Und Lobkowicz selber teilte über den Jesuitengeneral mit: »Er hat mich sehr herzlich empfangen und mir wiederholt versichert, er werde mir auf jede Art helfen. Ich konnte leicht merken, daß er viel Sympathie für uns hat.«

Viel Sympathie fand der Päpstliche Geheimkämmerer und Ustascha-Vertreter auch bei dem New Yorker Erzbischof Spellman, der im Frühjahr 1943 in Rom weilte, vier lange Audienzen bei Pius XII. hatte und natürlich gleichfalls über Kroatien im Bild war. Der Intimus des Papstes empfing Lobkowicz nebst Sekretär Wurster S.J. »sehr liebenswürdig und sagte sofort: >Ihr könnt mir über Eure Angelegenheiten nichts Neues sagen. Ich bin über alles genau informiert und kenne die kroatische Frage gut.<« Später wiederholte Spellman »noch einmal, er sei über uns genau informiert«, zeigte »viel Verständnis«, ja, »der Vertrauensmann des Präsidenten Roosevelt« erbot sich, diesem das kroatische »Graubuch« und die Ustascha-Prinzipien zu überbringen.

Geradezu »begeistert« von der Überreichung derselben war auch Montini, der spätere Papst,

der dabei wünschte, »ihre Verwirklichung möge so gut gelingen, wie das Buch gelungen sei... Er ist davon überzeugt, daß Kroatien >ein Bollwerk gegen den Bolschewismus ist; er sagt, der Heilige Stuhl wisse das, und es sei im Interesse aller, daß Kroatien die jetzigen Grenzen nach Osten behalte. Die Kroaten könnten sich nie mit den Serben vermischen. Doch er sagte auch: >Ihr könnt euch nicht vorstellen, wieviele Proteste aus Kroatien selbst kommen wegen der Repressalien der Ustascha-Behörden, die keinen Unterschied zwischen Schuldigen und Unschuldigen machen.. .<« Montini wußte sehr wohl, daß es »gegen Kroatien in der Welt so viel Lärm« gibt und fragte:

  • »Ist es möglich, daß so große Verbrechen geschehen sind?«

Viel Sympathie und Verständnis fand das Dorado der Mörder auch bei Monsignore Tardini, dem einzigen der leitenden Beamten des Staatssekretariats, der Kroatien und die Kroaten unmittelbar kannte und sich, wie er sagte, »eine sehr gute Meinung von ihnen gebildet« hatte; eine so gute, wie er gleich gewandt gegenüber dem Ustascha-Vertreter hinzufügte, »daß es ihn wundere, wie alles das habe geschehen können, über das ihre Feinde Verleumdungen verbreiten«. Nein, »der große Lärm« um Kroatien irritierte den Kenner Tardini nicht. Kroatien war noch ein junger Staat, »und junge Menschen begehen oft Irrtümer, die schicksalsmäßig an ihr Alter gebunden sind; darum überrascht es nicht, daß auch Kroatien solche begangen hat. Das ist menschlich, man kann es begreifen und rechtfertigen... Aber mit Intelligenz, gutem Willen und der Hilfe Gottes werdet ihr alle Schwierigkeiten überwinden.«

»Mäßigung« empfahl auch Kardinalstaatssekretär Maglione, könne man mit Mäßigung doch »mehr erreichen als mit der Gewalt.« Der zweite Mann des Vatikans hatte zwar gleichfalls »wenig schöne« Nachrichten über das katholische Gangsterparadies, verkehrte aber dennoch »sehr herzlich« mit dessen Geschäftsträger.

  • Er empfing diesen »mit Freude«, empfing durch ihn die Grüße des »größten Verbrechers des Jahres 1941« und erwiderte sie, nicht ohne zu beteuern, der »Heilige Stuhl« vergesse seine »getreuen Söhne« in Kroatien nicht, »weil für ihn kroatisch das gleiche bedeute wie katholisch« - eine nur allzu stimmige Identifikation, zumal 1942!

Maglione fand da vieles »lobenswert«, spendete »noch größeres Lob«,

bewiesen doch »die Hochwürdigen Bischöfe« Kroatiens, »wie stark in ihnen das Gefühl für die Verantwortung ist, die unter den gegenwärtigen, so besonders heiklen (!) Umständen auf ihnen lastet« - und dachte im Juni 1943 freilich bereits, wie Lobkowicz meldet, »mit Bedauern an das Schicksal des kroatischen Staates nach dem Krieg«.

Fast der einzige unter der Kurienprominenz, der dem »Unabhängigen Kroatien« eher feindlich gegenüberstand, war - neben dem (bald sterbenden) Kardinal Ermenegildo Pellegrinetti - der mit dem Papst nicht harmonierende und während des Krieges ziemlich isoliert gehaltene Lothringer Eugene Tisserant, Sekretär der Kongregation für die Ostkirche. Im Frühjahr 1942 gab er dem Ustascha-Geschäftsträger Rusinovic vier längere Audienzen. Und schon in der ersten Unterredung, am 5.März, erklärte der Kardinal mit dem »Michelangelo-Gesicht« und dem »Mosesbart«, der mit seinem Gesprächspartner eine Art Katz-und-Maus-Spiel trieb:

  • »Ihr seid also frei?
  • Aber tut ihr denn nicht alles, was die Deutschen wollen, genauso wie es alle Völker im heutigen Europa tun?...

Und wenn Ihr wüßtet, was die italienischen Behörden an der Küste über Euch sagen, würdet Ihr das entsetzlich finden... Die Morde, die Brände, das Banditenunwesen und Beutemachen sind bei denen dort an der Tagesordnung.« Zwar konnte Rusinovic in der zweiten Audienz Tisserant einige »Ungenauigkeiten der Nachrichten« ankreiden, doch schon in der dritten Besprechung, am 27.Mai, hielt ihm der Kardinal die Zahl von »350 000« umgebrachten Serben vor. »Er fragt, was wir denn den Serben vorzuwerfen hätten, wenn doch wir selbst uns ihnen gegenüber schlimmer aufführten, als sie es mit uns getan hätten... Weiter sagte er, er habe mehr Sympathie für die Serben als für die Kroaten.«

Rusinovic beschloß, Tisserant nicht mehr aufzusuchen, »denn ich sehe, daß ich mit ihm meine Zeit unnütz verbringe«. Und als sein Nachfolger Lobkowicz, der unter den ersten Audienz-Bericht seines Vorgängers nur mit großen Buchstaben schrieb:

  • »Achtung! Feind!«,

im Dezember 1942 den Kardinal sprach, notierte er: »Nach solchen Beleidigungen für Kroatien

kann man mit Tisserant keine Beziehungen mehr aufrechterhalten«, und vergaß nicht festzustellen, daß der »Heilige Vater« die Art, »wie Kardinal Tisserant die politische Lage sieht, nicht teilt...«

Das war wohl wahr. Der Papst gab gerade in jenen Jahren den Kroaten eine Audienz nach der anderen, Ustascha- Ministern, Ustascha-Generälen, Ustascha-Diplomaten. Nach- dem Pius den Poglavnik selbst empfangen, empfing er auch dessen außerordentliche Botschafter. Zuerst im September 1941 den Pater Cherubin Segvic, den er viel länger als »selbst...

Erzbischöfe« bei sich behielt, den er über »alles« befragte, »was in Kroatien vorgeht; insbesondere fragte er mich nach dem Poglavnik und nach allen anderen Mitgliedern der Regierung, nach ihren religiösen Meinungen und ihrer religiösen Erziehung« - stets die Hauptsache! Ebenso empfing er die weiteren Vertreter des Pavelic, den bisher in Rom praktizierenden Mediziner Dr. Nikola Rusinovic und Fürst Erwin Lobkowicz, »wie immer«, so berichtete dieser Sprößling einer alten Familie böhmischen Ursprungs am 22. Oktober 1942, »in äußerst wohlwollender Art«; »sehr liebenswürdig«, heißt es von der Audienz am 31.Januar 1943; und von der mit dem Zagreber Bürgermeister am 14. April: »Solche Ehren sind selten... In diesem Saal empfängt man die Staatsoberhäupter.« Nur drei Tage früher hatte der Papst gegenüber dem Ustascha-Vertreter Lobkowicz »die besondere Bedeutung« seiner »Gegenwart« in Rom betont und gesagt: »empfangt meinen besonderen Segen«.

Es war offensichtlich, daß Pius XII. die Kroaten über das übliche Wohlwollen hinaus bevorzugte;

daß er ihnen noch im letzten Moment erbetene Audienzen gewährte, selbst nicht einmal recht begründete, wobei er sich überdies bemühte, »jeder Forderung der Ustascha Genüge zu tun«. Schon am 22.Juli 1941 begrüßte er hundert kroatische Jugendliche, viele in Ustascha-Uniformen, die das Emblem der Ustascha trugen (das große »U« mit der darin explodierenden Bombe). Pius gewährte diese Audienz »in einer der heiligsten Hallen des Vatikans«, wie »Katolicki Tjednik« jubelte. »Der ergreifendste Augenblick war, als die jugendlichen Ustaschen den Papst baten, ihren Poglavnik, den Unabhängigen Staat von Kroatien und das kroatische Volk zu segnen. Jedes Mitglied erhielt eine Medaille zum Andenken.« Nachdem Pius noch im selben Monat auch die kroatische römische Kolonie empfangen, gab er im Dezember 1942 der Ustascha-Jugend eine zweite Audienz und rief zum Abschied:

  • »Es leben die Kroaten!«

Die Serben starben inzwischen.

Hatte schon Pater Segvic im Herbst 1941 aus Italien berichten können: »Man hat von uns die Vorstellung, wir seien eine Horde von Barbaren und Kannibalen«, so meinte ein Professor der Gregoriana im folgenden Frühjahr, in Kroatien »gäbe es nichts als Unordnung, entsetzliche Morde, Tyrannei und eine ganz unmögliche Situation. Die Ustascha begingen Greueltaten, wie die Geschichte sie kaum je gekannt habe.«

Um dieselbe Zeit aber bezog sich Segvics Nachfolger Rusinovic, der »täglich« mit »Priestern und Patres« verkehrte, »auch Leute vom Vatikan« empfing, »bekannte diplomatische Repräsentanten«, sogar schon »sogenannte Freunde« in der Kurie, die von »Gangsterei in Kroatien« sprachen und behaupteten, »es seien 8000 Photographien gesammelt worden als Beweis für die Verbrechen der Ustaschen an der serbischen Bevölkerung«. Tatsächlich besaß das Staatssekretariat Fotoalben von den Massakern und Massenbekehrungen. Es gab natürlich auch ein eigenes Amt für Kroatien im Vatikan.

Sein Leiter, Monsignore Pietro Sigismondi, gestand dem Pater Segvic ausdrücklich die Freude der Kurie

über die Massenbekehrungen, freilich auch »wiederholt«, wie Segvic schreibt, »daß gerade deswegen die amerikanische und englische Presse uns angreift«, da die Konversionen »unter einem starken Regierungsdruck« stattfänden. Schließlich gab es weitere direkte Kontakte zum kroatischen »Reich Gottes«. Einen Verbindungsmann zwischen dem Erzbischof von Zagreb und dem Vatikan, den Theologieprofessor Krunoslav Draganovic, Mitglied des Komitees für Bekehrung und Kaplan im »Todeslager« Jasenovac, Pavelic' späteren Begleiter auf seiner Flucht nach Südamerika.

Vor allem aber amtierte da der Benediktiner Giuseppe Ramiro Marcone. Der 66) ährige Prälat, einst Philosophiedozent an seiner Ordensuniversität in Rom und Militärkaplan im Ersten Weltkrieg, war Leiter der Abtei Montevergine, ehe ihn PiusXII. mit dem Titel eines Päpstlichen »Visitators« zum Vertreter der Kurie in Zagreb ernannte; übrigens am 13. Juni, am Namenstag von Pavelic, wie man in Kroatien hervorhob. Der Apostolische Legat »in seinem weißen Gewand, mit seinem charakteristischen runden, geschwollenen Bullenbeißer-Gesicht«, ein engerer Landsmann und persönlicher Freund des Neapolitaners Maglione, war de facto als Nuntius tätig und wurde im klerofaschistischen Kroatien eine beinah populäre Figur.

Presse und Rundfunk betonten seine Bedeutung, jeder seiner Namens- und Geburtstage wurde öffentlich gefeiert, er war auch der Doyen des kleinen Häufleins der in Zagreb akkreditierten Diplomaten, man überließ ihm stets den Vortritt, er nahm an öffentlichen Kundgebungen teil, saß im Ustascha-Parlament in der Diplomatenloge, erschien zwischen hohen Offizieren Hitlers, Mussolinis und Pavelic', mit letzterem besichtigte er Seite an Seite die Ustascha-Jugend, er flog im Militärflugzeug umher, kannte die Situation selbstverständlich gut, berichtete häufig und ausführlich dem »Heiligen Stuhl«, konnte nach Rom »reisen«, so oft er wollte und blieb in Zagreb bis zum Tag der Einnahme durch Titos Truppen. Nicht zu vergessen sind auch die Militärkapläne des italienischen Heeres, das zeitweilig mehr als ein Drittel des Landes besetzte. Leichter als irgendwo sonst konnte die Kurie durch diese Feldprediger Nachrichten bekommen.

Aber Eugenio Pacelli, der Mann »pfingstlicher Beredsamkeit«, schwieg auch über die ungeheuren Greuel

im katholischen Großkroatien. Die ganze nichtfaschistische Welt zwar protestierte. Selbst die Führer der katholischen Slowenen schrieben in einem Memorandum vom i. März 1942 an den katholischen Belgrader Bischof Ujcic, über den es den Vatikan erreichen sollte: »Im Unabhängigen Staat von Kroatien wurden alle orthodoxen Bischöfe und Priester entweder getötet, gefangengesetzt oder in Konzentrationslager geschickt, ihre Kirchen und Klöster zerstört oder beschlagnahmt. Es ist das eingestandene Hauptziel der Politiker in Zagreb, die serbische Bevölkerung in Kroatien auszulöschen.«

Doch während dort Pacellis »getreue Söhne« Jagd auf Serben, Juden und Zigeuner machten, während sie Hunderttausende oft weit schlimmer als Tiere abschlachteten und andere Hunderttausende zu Zwangsbekehrten machten - »ohne den geringsten Druck der zivilen oder religiösen Behörden«, wie der »Osservatore Romano« schrieb-, kam kein einziges Wort der Verurteilung aus dem Mund des »Stellvertreters Christi«.

  • Im Gegenteil!

Wie sein Staatssekretär am 21. Februar 1942 den kroatischen Bischöfen nur Lob spendete, so gab auch er selbst damals seiner »hohen Befriedigung« sowie seinen »väterlichen Empfindungen« Ausdruck und übermittelte dem kroatischen Episkopat seinen »apostolischen Segen«.

Pius segnete aber auch den größten Massenmörder aller Satellitenstaaten, Pavelic,

zu Beginn seiner schaurigen Laufbahn, während derselben und auf dem Totenbett. Er empfing den bereits mehrmals zum Tod Verurteilten auch in feierlicher Privataudienz, und man stellte ihm noch im Mai 1943 einen weiteren, wenn auch nicht mehr zustande gekommenen Empfang in Aussicht. Äußerte ja der Papst selbst noch im Juli 1943 vor dem General und Ustascha-Minister Simcic - die Kroaten dabei als »ein Volk guter Katholiken« preisend - sich »sehr zufrieden« darüber, »daß er Gelegenheit gehabt habe, mit dem Poglavnik zu sprechen, von dem alle sagten, er sei ein praktizierender Katholik «.

  • Wahrhaftig, das war er!

Und ausgeschlossen fast, daß dem Papst die Ironie dieser Wendung - »ein praktizierender Katholik« - nicht bewußt gewesen sein sollte, ihm, der kaum ein Wort öffentlich sprach, das nicht vorausbedacht, bei Reden auswendig gelernt war. Und auch dabei versicherte er dem Minister Simcic, er werde Pavelic, komme dieser nach Rom, »sehr gern« seinen Segen spenden. Löste bei Pius doch auch jeder Glückwunsch dieses Ehrenmannes ungewöhnliche Aufmerksamkeit aus und Freude. Erschien ihm, nach Falconi, Kroatien ja überhaupt »immer als ein beispielhaftes, wenn nicht geradezu idyllisches Reich«.

Sehr gnädig verhielt sich der Papst aber auch gegenüber dem Primas der kroatischen Kirche.

Er ernannte ihn nicht nur zum Militärvikar der Ustascha, sondern erhob den Erzbischof - der noch nach dem Krieg vom Westen »den Einsatz seiner Atommacht« erwartete, »um Moskau und Belgrad westliche Zivilisation zu bringen, bevor es zu spät sei« - auch zum Kardinal: das Oberste Volksgericht in Zagreb hatte ihn bereits zu 16 Jahren Zwangsarbeit verurteilt (II, 445 ff.). Doch noch jetzt bekannte sich Pius XII. vor aller Welt zu ihm.

  • Und mit Recht!
  • Denn der Bischof, den der Papst nun als »ein Beispiel apostolischen Eifers und christlicher Seelenstärke« rühmte, hatte nur geduldet, was auch der Papst geduldet hatte!

Und so schrieb dieser am 12.Januar 1953: »Obwohl er abwesend ist, umarmen Wir ihn mit väterlicher Liebe - und Wir wünschen innig, daß jedermann wisse, daß Unser Entschluß, ihn mit der Würde des römischen Purpurs auszuzeichnen, keinem anderen Grund entspringt, als ihm in geziemender Weise seine großen Verdienste zu vergelten.« Seine »großen Verdienste« errang Erzbischof Stepinac als Primas eines Staates, der von zwei Millionen orthodoxen Serben 240 000 gewaltsam zum Katholizismus bekehrt und etwa 750 000, oft nach grausamsten Folterungen, ermordet hat - 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung Groß-Kroatiens.

Ein einziges Mal aber hat der Papst zwischen 1941 und 1945 den Namen Kroatien in einer öffentlichen Ansprache genannt:

nicht, als seine »getreuen Söhne« Hunderttausende von Menschen mordeten, als sie Serben erschossen, erstachen, erschlugen, köpften, ertränkten, erwürgten, vierteilten, lebendig begruben, lebendig verbrannten und kreuzigten, als sie ihnen die Augen raubten, die Ohren abschnitten, die Nasen, nein, als die Kommunisten Jugoslawiens sich 1945 dafür zu rächen begannen, da sagte PiusXII. bereits am 2.Juni: »Leider mußten wir in mehr als einem Gebiet Tötungen von Priestern beklagen, Deportationen von Zivilpersonen, Morde an Bürgern ohne Prozeß oder aus privater Rache: und nicht weniger traurig sind die Nachrichten, die uns aus Slowenien und Kroatien erreicht haben...«

Auch diese Priester freilich waren weit weniger das Opfer ihrer unmittelbaren Mörder als das des kroatischen Katholizismus, seines Kreuzzuges und des ihn stützenden Papstes. Schon vor zwanzig Jahren nannte ich Eugenio Pacelli wahrscheinlich mehr belastet als jeden seiner Vorgänger seit Jahrhunderten. »Mittelbar und unmittelbar«, schrieb ich, »ist er so offensichtlich in die ungeheuersten Greuel der faschistischen Ära und damit der Geschichte überhaupt verstrickt, daß es bei der Taktik der römischen Kirche nicht verwunderlich wäre, spräche man ihn heilig« - zieren deren Heiligenlegenden doch »die Namen von tausend heiliggesprochenen Verbrechern...«

Indes, noch die Jahre seines Pontifikats in post-faschistischer Zeit rechtfertigten die Erhebung des Papstes zur Ehre der Altäre; spielend sozusagen, jedes Jahr für sich fast und selbst nach strengstem römisch-katholischem Maßstab.