"1933 unterzeichneten Hitler und der päpstliche Nuntius Pacelli das Reichskonkordat. Damit begann das düsterste Kapitel der jüngsten Papstgeschichte: die unheilige Allianz zwischen Vatikan und Nationalsozialismus."

Die katholische Militärseelsorge im Zweiten Weltkrieg

Die Politik der Päpste zur Zeit des Nationalsozialismus

Die katholische Militärseelsorge im Zweiten Weltkrieg

»Wir wollen das Wort Treue so wenig mißbrauchen wie den Namen Gottes. .. Die Treue um jeden Preis sei Eure Parole! ... Treu dem Vermächtnis der Toten! Treu Deinen Kameraden! Treu Deinen Vorgesetzten! Treu dem Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht! ...der Treu-Schwur, den Ihr in der Stunde Eurer Verteidigung dem Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht geschenkt und durch alle Phasen dieses gigantischen Ringens unentwegt hindurch getragen habt, wird in der Stunde des endgültigen Sieges eine herrlichste Krönung erfahren ... Möge der getreue Gott Euch- dazu verhelfen und Euch segnen...«

Der katholische Feldbischof der Wehrmacht in einem Hirtenbrief vom IJ. August 1942.

»Wie viele Soldaten gehen auf dem Schlachtfeld in ihrem Blute lächelnd ein in die Ewigkeit.« - »Lächelnd schreiten wir zum Opfergang..., weil auch (Christus) den Tod starb in einer unbegreiflichen, unfaßbaren Tiefe.« - »So umspielt denn seit der Kalvarienstunde jedes christliche Sterben, zumal das des aus dem Glauben getreuen Soldaten, ein geheimnisvoller Glanz, der Glanz der Crucifixusähnlichkeit und damit christlichen Heldentums und ewiger Osterherrlichkeit beim Vater.« - »Über dem Heldentod unserer Gefallenen liegt etwas von dem, was Murillo so ergreifend in einem Bild dargestellt hat: Das Hereinbrechen der ewigen Verklärung...«

Aus den Predigten katholischer Wehrmachtpfarrer unter Hitler.

«Wieder war es das hohle Pathos in Predigt und Kirchenblatt, das anderen das Sterben für Hitlers Angriffskrieg mundgerecht machen sollte, wobei man sich vergegenwärtigen muß, daß solche Phrasen freiwillig gesprochen worden sind - und dies von einer Kirche, die vom Nazismus verfolgt wurde... während im Hinterland die Juden in Hekatomben gemordet wurden. In dieser Weise wurde das Grauen in Salbung und Idylle umgemodelt. Man hatte die 1914 gelernte Sprache nicht vergessen.«

Der Katholik Hans Kühner.

Nach Einführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935

(und durch Hitler auch im ehemaligen Österreich 1938) war die Militärseelsorge nach den drei Wehrmachtsteilen - Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe - gegliedert worden; doch hatte die Luftwaffe unter Göring eine besondere Luftwaffenseelsorge abgelehnt. Im März 1939 umfaßte die katholische Wehrmachtseelsorge neben dem Feldbischof: 5 Wehrmachtdekane, 1 Marinedekan, 22 Wehrmachtoberpfarrer, 1 Marineoberpfarrer, 41 Wehrmacht- und 5 Marinepfarrer, 16 Kommissarische Wehrmachtpfarrer, 1 Standortpfarrer im Hauptamt, 215 Standortpfarrer im Nebenamt. Und außer den Wehrmacht- und Kriegspfarrern taten im Hitlerkrieg noch etwa 15 000 Geistliche als Soldaten oder Wehrmachtbeamte Dienst.

Über die Aufgabe der Wehrmachtseelsorge schrieb seinerzeit J. Stelzenberger, Kriegspfarrer, Moralprofessor in Breslau und ausgezeichnet mit der Spange zum Eisernen Kreuz: »Unsere Aufgabe und heilige Verantwortung ist es, die Basileia tou theou ins deutsche Volk und besonders in die Herzen unserer Kameraden zu tragen. Das ist Wehrmachtsseelsorge: In die Königsherrschaft Gottes jene Träger deutscher Waffen immer enger hinzuführen, die in der Taufe an Christi Gnade angeschlossen wurden und der heiligen Gemeinschaft der Kirche angehören...

  • Gibt es eine schönere Aufgabe als diese deutsche Männerseelsorge?
  • Und ein nationaleres Tun als über das Haus und den Raum des deutschen Volkes den Überbau der Königsherrschaft Gottes heben?

In dieser Bindung von Deutsch und Göttlich liegt unser Feld...« Weiter bekannte der Divisionspfarrer Hitlers - danach auch wieder für die Bundeswehr tätig (II, 394): »Das ist katholische sittliche Haltung, und diese hat allezeit die Träger der Militär- und Feldseelsorge durch die Jahrhunderte ausgezeichnet: den Staat und seine Waffengewalt als Ausdruck göttlicher Ordnung innerlich anzuerkennen...« Katholischer Feldbischof wurde Franz Justus Rarkowski, ein gebürtiger Ostpreuße, der verschiedenen Ordensgenossenschaften angehört, 1917 als »königlicher Divisionspfarrer« das Büchlein Die Kämpfe einer preußischen Infanterie- Division zur Befreiung von Siebenbürgen veröffentlicht und das Jahr 1933 als »herrliche Wiedergeburt« gefeiert hatte. Rarkowski - eine »Kreatur« übrigens des römischen Prälaten Benigni, der unter dem hl. PiusX. eine »reguläre Kurial- Gestapo« schuf und dann Agent Mussolinis wurde (I, 169 ff., bes. 173 ff.)

Rarkowski blieb auch nach dem Ersten Weltkrieg bei der Reichswehr als Pfarrer,

und in der Nazizeit nannte ihn eine Stellungnahme des bischöflichen Ordinariats Berlin einen »musterhaften Priester«, »durchaus korrekt und konziliant«, einen Mann, der sich bei den Militärseelsorgern »großer Beliebtheit« erfreue. »Wir können Herrn R. das beste Zeugnis ausstellen und halten ihn nach unserer Erfahrung für das Amt eines Feldpropstes völlig geeignet.« Ungeachtet anderer Stimmen empfahl der Päpstliche Nuntius Cesare Orsenigo in Rom die Ernennung Rarkowskis - der sogar seine persönliche Korrespondenz teilweise mit »Heil Hitler« schloß - zum Titularbischof, und PiusXI. stimmte zu, womit er ihm »die für das Bischofsamt geforderten kanonischen Eigenschaften (c. 331)« zuerkannte und ihn zum »Inhaber ordentlicher bischöflicher Amtsgewalt« machte.

Am 20. Februar 1938 weihte ihn der Päpstliche Nuntius, unter Assistenz der Bischöfe Graf Preysing, Berlin, und Grafen Galen, Münster, feierlich zum Bischof. Und Rarkowski, von jetzt an in einer »Art Generalsuniform« stekkend, »goldene Spiegel und goldene Kordel an der Mütze, violette Aufschläge am Mantel, breite violette Streifen an der Hose«, erließ zum Polenfeldzug, zu »dem uns aufgezwungenen Waffengang« nach der »herrliche(n) Wiedergeburt des Reiches, die wir in den vergangenen sechs Jahren erleben durften«, einen Aufruf an Deutschlands katholisches Kanonenfutter, der mehr mit Phrasen gespickt war als die Reden des Dr. Goebbels:

»In ernster Stunde, da unser deutsches Volk die Feuerprobe der Bewährung zu bestehen hat und zum Kampfe um seine natürlichen und gottgewollten Lebensrechte angetreten ist, wende ich mich . . . an euch Soldaten, die ihr in diesem Kampf in der vordersten Front steht und die große und ehrenvolle Aufgabe habt, die Sicherheit und das Leben der deutschen Nation mit dem Schwerte zu schützen und zu verteidigen... Jeder von euch weiß, worum es in diesen Sturmestagen unseres Volkes geht, und jeder sieht bei diesem Einsatz vor sich das leuchtende Vorbild eines wahrhaften Kämpfers, unseres Führers und Obersten Befehlshabers, des ersten und tapfersten Soldaten des Großdeutschen Reiches, der sich nunmehr bei euch an der Kampffront befindet.«

Ein Geheimschreiben des Feldbischofs - Vertreter des Papstes auf dem Gebiet der Militärseelsorge

vom 18. September 1939 an alle deutschen Erzbischöfe und Bischöfe, die dies »lediglich zur persönlichen Information entgegenzunehmen«, doch »unter keinen Umständen ganz oder teilweise zu veröffentlichen« hatten, verrät die Eingeweihtheit des deutschen Militärklerus in die Kriegsvorbereitungen Hitlers ebenso wie die Bereitwilligkeit, dessen Verbrechen fraglos zu dienen: »Die Seelsorge für das Kriegsheer wurde bereits in Friedenszeiten im Rahmen des Gesamt-Mob-Planes vorbereitet und organisiert. Als in den letzten Tagen des August die Einberufung der wehrfähigen Männer vor sich ging, wurden mit präziser Schlagfertigkeit alle schon in Friedenszeiten für die vorhandenen Planstellen des Feldheeres einschließlich der Luftwaffe vorgesehenen Kriegspfarrer auf die ihnen bekannten Sammelplätze beordert und fanden dort das für den Kriegsseelsorgedienst notwendige Kulturgerät einschließlich Küster und PKW vor... Die im Kriegsheere tätigen Feldgeistlichen setzten sich zusammen:

  • a) aus dem hauptamtlichen Wehrmachtsklerus, der bekanntlich in den Jahren 1938/39 zahlenmäßig stark vermehrt worden ist. Die hauptamtlichen Wehrmachtsgeistlichen stehen gegenwärtig fast alle an der Front.
  • b) aus den schon in Friedenszeiten für die Tätigkeit als Kriegspfarrer vorgesehenen und militärisch erfaßten Geistlichen aus dem Welt- und Ordensklerus. Diese stehen wie die hauptamtlichen Wehrmachtspfarrer im Offiziersrang und tragen Uniform...

Aus Gründen der Geheimhaltung ist es nicht möglich, die Gesamtzahl dieser Kriegspfarrer anzugeben. Tatsache ist, daß schon beim ersten Einsetzen der Kampfhandlungen die katholischen Kriegspfarrer in der o. a. Zuteilung bei ihrer Formation eingesetzt waren und nach den ersten hier vorliegenden Berichten in der Feuerlinie wie auf Verbandsplätzen wertvollste seelsorgliche Hilfe leisten konnten. Zu erwähnen wäre noch, daß für die eingesetzten Kriegspfarrer eine hundertprozentige Reserve bereits listenmäßig erfaßt ist, so daß jeder Ausfall durch Tod, Verwundung oder Krankheit sofort gedeckt werden kann.

Die Zuständigkeit der Kriegspfarrer sowie ihr seelsorgliches Arbeitsgebiet

ist durch mehrere Dienstvorschriften klar geregelt. Es ist in diesem Zusammenhang bemerkenswert, daß im Unterschied zum Weltkrieg die Stellung und Aufgabe des Kriegspfarrers und seine Notwendigkeit für die kämpfende Truppe von höchster militärischer Stelle in einer schriftlichen Dienstanweisung eine Formulierung gefunden hat, die erkennen läßt, welch große Bedeutung man der Religion für den Soldaten, der im Kampf steht, beimißt.« Daran hatte es allerdings auch im Ersten Weltkrieg nicht gefehlt. Und nicht in ungezählten Gemetzeln zuvor. Im Zweiten Weltkrieg aber führte diese große Bedeutung der Religion der Feldbischof Franz Justus Rarkowski seinen katholischen Schlachtopfern immer wieder vor Augen:

in mindestens 15 sogenannten Hirtenschreiben, 10 Schreiben an die Wehrmachtspfarrer und Kriegspfarrer, 2 Hirtenschreiben an kranke und verwundete Soldaten nebst deren Seelsorger, 14 Beiträgen für die Soldatenbeilage »Glaube und Kampf« des Blattes »Der Neue Wille« sowie in weiteren kürzeren Aufrufen und Grußworten. In all diesen zahlreichen Texten, ohne Ausnahme, fand der katholische Theologe Missalla »Formulierungen, die dem damals unbefangenen Leser oder Hörer... einen fast blinden Gehorsam und Dienst in Hitlers Heer zur Pflicht machten«.

Noch kurz vor Beginn des Krieges rühmt Feldbischof Rarkowski in seinem Fastenhirtenbrief 1939 Hitler begeistert als »Hüter und Mehrer des Reiches«. Mit dem Sudetenland habe er »uraltes deutsches Land von der Fremdherrschaft« befreit; darüber hinaus die »Entartung« des deutschen Volkes bereinigt. »Entartet war die Sprache der Presse und Literatur«, entartet die Kunst, die Mode durch das »Gift der Unnatur«. »Das alles wird, Gott sei Dank, gründlich anders seit der geschichtlichen Tat unseres Führers im Jahre 1933 und der davon ausgegangenen Neuordnung auf allen Lebensgebieten unseres Volkes.«

Mit Kriegsbeginn preist der Militärbischof die Deutschen als »Herzvolk Europas«, ihre »Ahnen« als »Ewigkeitsmenschen«, die Verwundeten als »geheiligte Opfer des Krieges«, ihre Wunden als »schönste Ehrenzeichen.« »Es ist eines der Geheimnisse des Krieges, daß er dem Menschenleben eine aufs Höchste gesteigerte Daseinsform gibt...« »Im Zeichen dieses Opfergeistes wird unser Volk siegen.«

In seinem Hirtenschreiben an die katholischen Wehrmachtsangehörigen zur Fastenzeit 1940 verkündet Rarkowski,

das Kreuz Christi predige Tugenden, die dem Soldaten wohl anstehen. Die opferbereite Hingabe ans Vaterland habe immer wieder in der deutschen Geschichte ungeheure (!) Energieentfaltung ermöglicht und das deutsche Volk zu einzig dastehenden Leistungen befähigt. Wenn der Heiland sage, wir sollen unser Kreuz auf uns nehmen und ihm nachfolgen, so bedeute das heute, »daß wir unsere persönliche Lebensaufgabe und unsere Aufgabe als Angehörige des Deutschen Volkes, auch wenn sie wie gegenwärtig in schwere Zeiten fällt, nicht als sinnlose, knirschend hingenommene Last betrachten, sondern als eine von Gottes weiser und gütiger Vaterhand gestellte Bewährungsprobe«.

Die Tugend des christlichen Starkmuts »befähigt den Soldaten, sich im Kriege einer höheren, das Alltägliche weit überschreitenden Aufgabe verpflichtet zu fühlen und macht ihn bereit, sein Leben jederzeit für die Brüder hinzugeben. Christlicher Starkmut... gewährleistet den Einsatz der ganzen Persönlichkeit für die Aufgaben des Vaterlandes, mögen sie auch den höchsten Aufwand von Kraft, Geist, Gut und Blut fordern«. Gerade Christus sei Vorbild auch für den Soldaten. »Es ist eine Verzeichnung des Christusbildes, wenn man ihn zu einer Schäfernatur macht... Der historische Christus ist das Hochbild der Straffheit und Unerbittlichkeit in der Durchführung seiner Aufgabe.

Er kennt das Fürchten nicht... Er nimmt ganz allein den Kampf auf mit den größten Mächten...« So schließt der Militärbischof sein Fastenschreiben mit dem »Osterwunsch«, daß »sich die deutsche Seele in diesem ihr aufgezwungenen Kampfe sieghaft bewährt und einen Frieden erringt, der dem müden Europa ein neues Antlitz gibt...« Und er beendet ein Hirtenwort an alle Kriegspfarrer. »An Ihnen liegt es nun, als Teilnehmer an diesem gegenwärtigen schweren und entscheidenden Waffengang im Auftrage unseres Obersten Befehlshabers durch Ihren selbstlosen Einsatz nach besten Kräften mitzuwirken an der Herbeiführung eines siegreichen Friedens, der unserem Volke jene Stellung unter den Nationen Europas gibt, auf die es nach Gottes Schöpferwillen einen inneren Anspruch erheben kann.«

Mit dem ganzen Schatz seiner Erfahrung half am großen Geschehen auch Rarkowskis Generalvikar mit, Georg Werthmann, der stellvertretende Armeebischof, in derselben Funktion auch wieder in der Bundeswehr tätig (II, 392f.) Nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg wurde Werthmann Mitglied des »Quickborn«, einer katholischen Jugendorganisation, vertrat »eine radikal-pazifistische Einstellung«, beteiligte sich auch als junger Priester 1926 an dem großen Friedenstreffen in Douaumont bei Verdun und war schließlich bis 1935 Religionslehrer in Bamberg. Dann aber erkannte der Radikal-Pazifist den Geist der neuen Zeit. Er wurde Berliner Standortpfarrer und debütierte mit dem Buch Wir wollen dienen!. Es bekam das Motto »Glaubenskraft als Quelle der Wehrkraft!« und das Imprimatur sowohl der katholischen Kirche als der NS-Reichsschrifttumskammer.

»Gesundes religiöses Glaubensleben«, schrieb Werthmann nun, »gibt der soldatischen Haltung ein Fundament,

das tiefer verankert ist als jedes andere. Dieser Tatsache Rechnung tragend, wurde eine eigene Soldatenseelsorge als Wesenszug deutschen Soldatentums bereits vor Jahrhunderten in der Armee eingeführt und in der ruhmreichen Vergangenheit des deutschen Heeres zu jeder Zeit hochgehalten und anerkannt. Religiös erfüllte Haltung war den Soldaten in der Armee Friedrichs des Großen genauso selbstverständlich wie den Freiheitskämpfern von 1813 und den Siegern von 1870. Durch die furchtbare Katastrophe des Weltkrieges erfuhr diese beste Tradition des Heeres ihre Fortsetzung in Form einer gewaltigen Steigerung.«

Trotz der »furchtbare(n) Katastrophe« aber preist Theologe Werthmann in seinem Buch - 1940 in drei Teilen neu aufgelegt - bereits die »glücklichen Soldaten« und die »Pflege des religiösen Geistes« im Ersten Weltkrieg (vgl. I, 236ff.); wäre doch ohne »diese Pflege« - womit der Verfasser, der sich dabei sogar auf Hitlers Mein Kampf berufen kann, zweifellos recht hat - »die Disziplin des Heeres kaum so lange und so straff zu halten gewesen. Religiöse Haltung trieb zur Pflichterfüllung bis zum Opfertode...« Ein herrliches Erlebnis: »Die Grenze zwischen Todesfurcht und Tod ist mit einem Sprunge überwunden. Die Pflicht hat gerufen, und es wird gekämpft, solange noch eine Handgranate vorhanden ist.« Und eine zutiefst christliche Sache. Denn:

»Das Christentum... belehrt uns, daß nur die Gewalttätigen das Himmelreich an sich reißen.« Und deshalb muß die Wehrmacht des »Dritten Reiches« ihre »Feuerprobe der Bewährung im Kampfe für unser Volk« leisten, muß der christliche Soldat mit seinem »Herzblut einstehen« für seinen Schwur, den Fahneneid auf Hitler, ist dieser Eid doch »aufbewahrt in den Archiven der Ewigkeit«. Kein Wunder, daß einer der einflußreichsten und radikalsten Berater Hitlers, der Leiter der Reichskanzlei, aber auch die Gestapo, Gefallen an Werthmann fanden.

Seinerzeit mußten die katholischen Wehrmachtspfarrer im »preußisch strengen Konferenzzimmer des Feldbischofs« antreten, ihre »Probepredigten« und eine »Kasernenstunde« halten. Sie waren Wehrmachtsbeamte im Majorsrang, trugen am Koppel eine Pistole, nur »zum Selbstschutz und zum Schutz der Verwundeten« - der ganze Krieg wurde ja nur zum Schutz von Volk und Reich geführt. »Die Mütze zeigt unter dem Hoheitszeichen mit dem Hakenkreuz das Kreuz Christi«, notiert Wehrmachtspfarrer Josef Perau am 7. Juli 1941. »Die Mitbrüder in den Gefängnissen und Konzentrationslagern gehen einen anderen Weg. Beide Wege sind wohl notwendig...« (Mit Imprimatur 1962.) Gesundes Gottvertrauen! Auch die Vorgesetzten hatten es. In »Schulungsvorträgen ... gemeinsam mit den evangelischen Kameraden... gaben uns Männer wie Generalvikar Werthmann« - der »aktive, führende und harte Mann« - »und Wehrmachtsdekan Lang aus lebendigem Herzen eine hohe Auffassung von unserem Amt, Sendungsfreudigkeit und gute praktische Winke«.

Die kamen freilich von vielen Seiten. In der Zeitschrift »Kirche und Kanzel«

beispielsweise regte der Theologe Mathias Laros 1939 eine Predigtreihe »Der Christ und der Krieg« an. Der Krieg selbst war natürlich »nichts anderes als das zusammengeballte Gewitter der gehäuften Sünden« - wir kennen das aus der katholischen Kriegspredigt 1914/18 zur Genüge. Und die Frage, ob er »gerecht« oder »ungerecht« sei, wird von vornherein ebenso resolut als »zwecklos« zurückgewiesen wie alles Grübeln und Klagen überhaupt. »So ist der Krieg nicht nur an der Front, sondern auch in der Heimat der Aufbruch heroischen Geistes, allerdings nur bei denen, die sich bewähren.

  • Der Anderen gibt es natürlich auch genug; aber wonach willst du dich ausrichten: nach dem Abfall und den Versagern, oder nach den Edlen, die sich bewähren und in sich selber und vor Gott in Ewigkeit stehen, während der kleine Vorteil der Drückeberger und Selbstlinge schnell vorübergeht und vergessen ist?«

Natürlich richtet sich ein guter katholischer Soldat nicht »nach dem Abfall und den Versagern«, wozu dann die Leute vom 20. Juli 1944 gehörten, zumal er wußte, daß er nur dem Schutz des heimischen Herdes diente, der Wahrung des Friedens, und daß er den Frieden auf Erden nicht umsonst sicherte, sondern dafür auch noch den ewigen Frieden bekam. So stand im Katholischen Militär-Gebet- und Gesangbuch, 1940: »Segne, o Gott, die deutsche Wehrmacht, welche dazu berufen ist, den Frieden zu wahren und den heimischen Herd zu beschützen, und gib ihren Angehörigen die Kraft zum höchsten Opfer für Führer, Volk und Vaterland. Segne besonders unseren Führer... Laß uns alle unter seiner Führung in der Hingabe an Volk und Vaterland eine heilige Aufgabe sehen, damit wir durch Glauben, Gehorsam und Treue die ewige Heimat erlangen im Reiche Deines Lichtes und Deines Friedens. Amen.«

Um die Katholiken für Nazideutschland zu entflammen, versorgte man sie wieder mit einer Fülle von »Literatur«. Der katholische Feldbischof schrieb deshalb bereits am 18. September 1939 an »die H. H. Erzbischöfe und Bischöfe«: »Das Oberkommando des Heeres hat mich beauftragt, das Schriftenmaterial religiös-erbaulichen Inhalts, das unter den katholischen Wehrmachtsangehörigen beim Feld- und Ersatzheer verbreitet wird, zu überprüfen und solche Schriften, die ihrem Inhalt nach für den Soldaten nicht geeignet sind, zurückzuweisen. Im Zusammenhang mit dieser Beauftragung wurde mir mitgeteilt, daß ich die volle Verantwortung zu übernehmen habe für diesen wichtigen Teil der Truppenfürsorge während der Zeit des mobilen V erhältnisses.«

Vor allem schulte die »Kirchliche Kriegshilfe« natürlich die Kriegspfarrer selbst.

Dies geschah besonders durch Predigtvorlagen, die - fast vollständig und rasch von den Soldatenseelsorgern selber geliefert - Mitte 1943 ungefähr 2000 Geistliche bezogen: insgesamt etwa 300 Predigten.

In diesem seit Ende 1940 verschickten und »auf den Feldgebrauch« abgestimmten Aufputschmaterial der »Kirchlichen Kriegshilfe« bekennen sich die Kriegspfarrer zum Deutschland Hitlers, seiner »Größe«, seinem »Bestand«. »Denn es geht ja um ein hohes Gut - unsere Deutsche Heimat und Deutsches Reich; um die Mütter, die Frauen, die Kinder, es geht um die gesamte europäische Kultur - es geht um Europa, aber es geht auch um das christliche Gesicht dieses Europa - es geht um Deutschland, und es geht um das christliche Antlitz Deutschlands.«

Die katholischen Kriegspfaffen sind nicht mehr ganz so hingerissen vom gnadenreichen Gemetzel wie einst die des Ersten Weltkriegs. Doch immerhin werden die Jahre nach 1939 für sie zum »Glockenguß der Deutschen und damit der europäischen Zukunft«, erleben sie tief, wie »der Acker einer vergangenen Zeit mit Gewalt aufgebrochen wird«, sie selber »lebendigste Mitvollzieher des gigantischen Werkes« werden und »dem Entstehen einer neuen Welt« dienen. »Hartes muß die Zeit von Euch verlangen, und Heroisches wird von Euch geleistet. Auf diesem Heroismus der Leistung unsers unvergleichlichen stolzen Heeres aber muß Segen ruhen! All' Eure Strapazen, all' Euer Mut, all' Eure Hingabe im Dienste unseres geliebten Deutschen Landes und Volkes werden einstens verzeichnet stehen im goldenen Buch des Lebens.«

Dagegen sind die Russen schlimmer als Untermenschen, »ein Volk ohne Religion«, nur in »dumpfem Dahinvegetieren« darbend, »die Kirchen entblößt und ausgeraubt«. »Bestien sind die Menschen geworden.« Auf der anderen Seite wieder »feiern wir als christgläubige deutsche Soldaten schon das zweite Osterfest auf russischem Boden«. »Und das ist der Sieg, über alle Gewalt der Finsternis.« »Gott hat dem deutschen Volk in diesem Krieg eine höchste Sendung gegeben. Neuordnung Europas. Dieser Neubau stehe im Zeichen Christi. Bolschewismus bedeutet Europa ohne Gott, ohne und gegen Christus. Die Front der jungen Völker unter Führung Deutschlands will ein Europa mit Gott, mit Christus.« »Für diesen Kampf ist es wert, das Beste, alles einzusetzen, um die christlichen deutschen Werte unseres Volkes zu erhalten.«

Und mit Christus läßt sich das alles eben viel besser erhalten und steigern noch,

wie schon im Ersten Weltkrieg und ungezählten Abschlachtungen zuvor. »Die Kraft zu den hervorragenden, ja manchmal einzigartigen Leistungen und Heldentaten schöpften unsere Brüder, wie wir alle aus den unversiegbaren Quellen unserer hl. Religion. Unser Christentum ist ja die Religion des höchsten Heldentums, weil es die Religion des Opfers ist...« »Wir werden unsere Soldatenpflicht gewissenhaft und treu bis zum letzten erfüllen... Heldenhaft und stark werden wir tragen, was an Opfern gefordert wird. Uns ist Opfer und Tod fürs Vaterland ein Opfern und Sterben für ewige Werte, für die ewige Aufgabe, die Gott jedem Volke in seinem ewigen Reich zugeteilt hat. Heldenhaft wollen wir ringen...« etc. etc.

Besonders wird von den Kriegspredigern Gehorsam eingeschärft, die Bindung durch den Eid, die Treue zur Fahne, die sogar mit dem Heiligen Geist in Beziehung gesetzt werden kann: - »...das Wehen und Leben des Hl. Geistes möge herankommen auf Brot und Wein, um beides zu beleben zu jener hl. Opfergabe, die Christus in seinem lebenspendenden Fleisch und Blut selber ist. Ein ähnliches Symbol ist die Fahne. Ihr Leuchten und Wehen in freier Luft künden uns Geist und Leben unseres Selbst. Dieses Leben eines Volkes schließt aber auch den Tod des Einzelnen mit sich ein.« Doch dieser Tod hat »auch eine helle Seite«, wird zum großen »Erneuerer der Völker.

Indem er das Alte und Kranke auslöscht, schafft er dem jungen und gesunden Leben Raum«. Und wie schon im Ersten Weltkrieg, ist auch jetzt wieder der Soldatentod etwas ganz Herrliches, umspielt ihn, »seit der Kalvarienstunde... der Glanz der Crucifixusähnlichkeit... und ewiger Osterherrlichkeit beim Vater«. Oh, es stirbt sich so vergnügt! »Wie viele Soldaten gehen auf dem Schlachtfeld in ihrem Blute lächelnd ein in die Ewigkeit... Diese Verklärung liegt als schönster und unverwelklicher Kranz auf dem einsamen Grab des Gefallenen;« es ist das »Hereinbrechen der ewigen Verklärung«.

Und all diese »heiligen Dinge« reichen vom »Führer« bis zum lieben Gott eben und vom lieben Gott bis zum »Führer«, dessen Herrschaft die deutschen Bischöfe ja schon 1933 eine Teilnahme an der ewigen Autorität Gottes attestiert und dem sie durch einen heiligen und unaufhörlich in Erinnerung gebrachten Eid ihre Schäfchen ans Messer lieferten. »Gott soll es hören«, ruft ein Kriegsapostel, daß die Truppe, »solange es einen Führer unseres Reiches gibt, solange es einen Obersten Befehlshaber unserer Wehrmacht gibt, solange es überhaupt ein deutsches Volk gibt, sich unverbrüchlich bindet an diesen Führer und Obersten Befehlshaber, an dieses deutsche Volk!

Gott soll Zeuge sein, daß diese Truppe bereit ist, den Tod nicht zu fürchten und alles dahinzugehen.

Geradezu furchterregend ist das! Denn das Angesicht Gottes auf sich herabzurufen, ist wahrhaft keine kleine Sache. Dieses Angesicht Gottes durchschaut uns nämlich bis in unser innerstes Herz hinein, es prüft unsere geheimsten Gedanken... und wacht eifersüchtig, ob wir unserm Versprechen auch treu bleiben, treu im Kleinsten wie im Größten, treu im Gehorsam durch Zucht und Disziplin wie auch treu im letzten Einsatz unseres Lebens. Hierdurch erst gewinnt der Eid seine volle Kraft, seine stärkste und tiefste Bindung, eine Bindung, wie sie menschliche Autoritäten und irdische Gegebenheiten niemals zustande bringen können.«

  • Mußte Hitler nicht zufrieden sein mit dieser »Kirchlichen Kriegshilfe«?
  • Mußte es nicht ebenso sein Propagandaminister?

Auch der vielerlei Erklärungen, Entschuldigungen, Ausflüchte präsentierende Heinrich Missalla gibt zu: »Wehrmachtsseelsorger und NS-Propagandisten forderten von den Soldaten die gleichen Verhaltensweisen: Gehorsam, Pflichterfüllung gegenüber Volk und Vaterland, Einsatz- und Opferbereitschaft, Tapferkeit und Dienstwilligkeit. Das Vokabular war bei den Appellen an die Soldaten streckenweise zum Verwechseln ähnlich.« Auch drängten gerade die Geistlichen nur so in Hitlers Heere. Feldbischof Rarkowski informierte am 18. September 1939 den deutschen Episkopat, es »haben sich sehr viele Welt- und Ordensgeistliche aus allen Diözesen des Reichsgebietes ... für den Seelsorgedienst im Feldheere gemeldet«. Rarkowski hat gar keine Verwendung für sie. Nur bei längerer Kriegsdauer, meint er, könne »ein sehr großer Mehrbedarf« entstehen.

Viele machten einfach zu gern mit. »Es ist eine Freude, zu sehen, mit welch bedingungsloser Einsatzwilligkeit gerade unsere Theologen inmitten dieses weltgeschichtlichen Stürmens um ein neues Ordnungsbild in Europa und in der Welt für das einstehen, was jetzt ihre Pflicht gegenüber Volk und Glauben ist«, schreibt man im Sommer 1940. Oder im nächsten Jahr: »Wir alle, die wir den schwarzen Rock des Theologen vertauscht haben mit dem Soldatenkleid, wir sind ja so froh, daß auch wir dabei sein dürfen. Mehr als manches Studiensemester macht uns diese Zeit reif und weit...« »Das ist das Großartige, daß wir jetzt Kamerad unter Kameraden sind, denen wir täglich und stündlich Modell stehen müssen für ihr geistiges Bild unserer Kirche und ihrer Priester.«

  • Mußte Hitler nicht zufrieden sein?

Und doch hatte er das Wirken der Militärseelsorge von Anfang an eingeengt, von Jahr zu Jahr mehr begrenzt,

sie selbst schließlich fast schikaniert und diffamiert, wie er, infolge seiner wachsenden Verachtung der römischen Kirche, wohl aus Mißtrauen auch und Mißgunst, dann während des Krieges sämtliche Jesuiten »beschleunigt« aus dem Heer zu entlassen befahl.

Schon 1935 sah Hitler wegen »Einführung der allgemeinen Wehrpflicht und angesichts der Kürze der für die Ausbildung zur Verfügung stehenden Dienstzeit... keine Möglichkeit mehr, Wehrmachtsangehörige zu >Exerzitien< beider Konfessionen zu beurlauben. Ich ordne daher an, daß derartige Beurlaubungen in Zukunft unterbleiben.« Noch aus demselben Jahr stammt der Erlaß: »Ich bitte Vorsorge zu treffen, daß seitens der Wehrmachtspfarrer gegenüber konfessionslosen Soldaten die Ausübung jeglichen mittelbaren oder unmittelbaren Zwanges mit dem Zweck der Beeinflussung ihres religiösen Empfindens unterbleibt.«

Ebenso wurde die »dienstliche Beteiligung jeglicher Art von Wehrmachtsangehörigen an Prozessionen« untersagt und den an einer Prozession teilnehmenden, ja, einer Prozession zuschauenden Soldaten befohlen, »sich so zu verteilen, daß keine Gruppen gebildet werden«. Es kam weiter zum Verbot der Erörterung religiöser Streitfragen in der Truppe, zu allerlei einengenden Bestimmungen über das Abhalten des Feldgottesdienstes, über die Benachrichtigung der Angehörigen gefallener oder verwundeter Soldaten, man untersagte den Militärgeistlichen im Lauf des Krieges sogar, Vorträge nichtreligiösen Inhalts sowie Konzerte im Bereich der Wehrmacht durchzuführen.

All dies und mehr aber hinderte die Feldprediger nicht im geringsten, Hitlers die Welt erfüllende Gemetzel fortgesetzt zu fördern. Die Kirchenblätter und sonstigen katholischen Periodica brachten Meldungen über die »Auszeichnungen katholischer Feldgeistlicher«, über ihren »Heldentod«. Und bei solch fabelhaftem Vorbild und persönlichem Einsatz bis zur Verspritzung des Blutes für »Führer und Reich« war ihr Wirken - nach Kriegsausbruch etwa 560 Priester - von eindrucksvollem Erfolg gekrönt. Nur sieben Katholiken im ganzen Großdeutschen Reich verweigerten öffentlich den Kriegsdienst; sechs davon hat man hingerichtet, den siebten für geisteskrank erklärt. Auch desertierten katholische Soldaten verhältnismäßig selten; ja, es wurde kein einziger Fall der Fahnenflucht als moralischer Protest gegen die Greueltaten des nazistischen Regimes bekannt.

Schließlich mußte jeder einen »heiligen Eid« leisten, der auch im Katholischen Feldgesangbuch stand:

»Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, daß ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht, bedingungslos gehorchen werde und daß ich als tapferer Soldat bereit bin, jederzeit mein Leben für diesen Eid zu wagen.« Der Eid, so betonte man immer wieder, schließe jeden Vorbehalt aus. Mit großem Pathos schärft man somit dem Soldaten, dem lieben Kameraden, die Bedeutung dieses Eides ein, malt ihm mit allem patriotisch-religiösen Schmelz und Schmalz »die feierliche Stunde deiner Eidesleistung« vor. »Du sollst vor Gott treten und auf die Fahne deinem Führer Treue schwören.

  • Bist du dir klar, was es heißt, vor dem Angesicht des allmächtigen Gottes zu stehen?
  • Weißt du, was dieser Schwur für dich im Frieden und im Kriege bedeutet?
  • Große Stunden fordern innere Bereitung!«

Und so bereitet denn ein »Wehrmachtsoberpfarrer« das künftige Kanonenfutter 1938 vor: »Die Eidesstunde ist da! Langsam bricht sich die Novembersonne Bahn durch die grauen Nebel und spiegelt sich in den blankgeputzten Rohren der Waffen... Der Präsentiermarsch flammt auf. Zum erstenmal sehen die jungen Soldaten in das Auge ihres Kommandeurs... Der Adjutant spricht die Eidesformel vor... - so erschallt der letzte Satz des Eides, so brandet es hundertstimmig aus den Reihen zurück. Ein dreifaches >Siegheil< auf den Führer steigt aus dem Mund und Herz empor, und im soldatischen Gruß erstarrt, grüßen die Neuvereidigten unter den Klängen der Nationalhymnen Deutschland und seinen Führer...

Du bist Soldat, durch heiligen Eid gebunden und zum Dienst geweiht...

Die feierliche Stunde der Eidesabiegung ist aber nichts anderes als ein Stehen vor Gottes Angesicht... Es kann die Stunde kommen in deinem Soldatenleben, wo die irdischen Zeugen deiner Eidesleistung dich nicht mehr sehen können. Wo kein Vorgesetztenauge mehr auf dir ruht, wo kein Befehl dich mehr erreicht, wo du weichen könntest, ohne daß es jemand merkt, und wo du dennoch nicht weichen darfst, weil >der Befehl des Gewissens< dich hält. Da wird Er allein dich sehen, der heute in dein Herz blickt, da wird Er allein dein Richter sein, der heute dein Zeuge ist.«

Natürlich pflegte der Katholizismus längst auch außerhalb der Militärseelsorge völkisch-militaristisches Denken. Und gerade damals griff die deutsche Catholica derart ins Rasse-Blut-und-Boden-V okabular, daß ein Gestapobericht konstatiert, in der Weimarer Republik habe die Kirche »Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit« herausgestellt, »jetzt redet man dafür von Volkstum, Führertum, Blut und Boden«.

1934 demonstrierte dies der Preußische Staatsrat und Bischof von Osnabrück, Wilhelm Berning, der seine Briefe »Mit deutschem Gruß und Hitler Heil!« zu unterzeichnen pflegte, in seinem Opus Katholische Kirche und Deutsches Volkstum und schickte ein Exemplar Hitler - »als Zeichen meiner Verehrung«. Im selben Jahr schrieben alle deutschen Bischöfe in einem Hirtenbrief vom 7.Juni: »In unserem katholischen Jugendwerk schulen und begeistern wir unsere jungen Männer und Frauen, damit sie zu nützlichen und zuverlässigen Gliedern der Kirche und des Staates heranwachsen ... Der Weltkrieg ist Zeuge dafür, wie gerade auch katholische Jugend begeistert und in religiöser Opferbereitschaft ihr Leben für das Glück des Vaterlandes eingesetzt hat!« Dies ist leider nur zu wahr (I, 236ff.) - vom Glück des Vaterlandes einmal abgesehen.

Und schon 1933 hatten die Bischöfe auch die Frage, »ob katholische Lehrerinnen, evt. auch Ordenslehrerinnen (!), beim Bund Deutscher Mädchen eine führende Stellung übernehmen können und sollen..., mit einem bestimmten Ja beantwortet«. 1935 belegte der Freiburger Erzbischof Gröber, das Fördernde Mitglied der SS, gleichfalls in einem eigenen Werk die Staatstreue der Katholiken durch die Jahrhunderte. Und zwei Jahre später schrieb Gröber in seinem Handbuch der religiösen Gegenwartsfragen, ausdrücklich »herausgegeben mit Empfehlung des deutschen Gesamtepiskopats« (!): »Gegenüber der noch vielfach herrschenden Gleichgültigkeit und Untätigkeit hat der Führer und Reichskanzler diesen Weltkampf als Verteidigung europäischer Kultur gegen asiatische Unkultur gekennzeichnet. Kein Volk kommt um diese Auseinandersetzung zwischen seiner völkischen Überlieferung und dem von volksfremden, meist jüdischen Revolutionshetzern angeführten Marxismus herum.« 1935, als die Bischöfe sich schon sehr beklagten über die antiklerikalen Agitationen der Nazis, riefen sie doch auch ihren Diözesanen zu:

»Deutsche Katholiken! Bewahret Ruhe und Ordnung!« »Für deutsche Menschen ist die Treue kein leerer Wahn.

Deutsche Jungmänner stehen zu dem Wort, das sie der staatlichen Obrigkeit gegeben haben.« 1935 erinnerte auch der Regensburger Bischof Buchberger an die Heldentaten der Katholiken schon im Ersten Weltkrieg, die sich »von niemand übertreffen« ließen; und im nächsten Jahr beschwor Kardinal Faulhaber den Heroismus der Männer des Spanischen Bürgerkriegs und des katholischen Offiziers Schlageter. Der einstige Leutnant, wegen Teilnahme am Ruhrkampf 1923 von den Franzosen erschossen, von den Nazis als Nationalheld verehrt, war nun überhaupt eine beliebte Figur unter deutschen Prälaten. Sie sprachen von »unserem tapferen Schlageter« und rühmten, daß er »vor seinem letzten Gang aufrecht und mannhaft beichtete und die heilige Kommunion empfing«.

Bischof Graf Galen, der große »Widerstandskämpfer«, dessen Seligsprechungsprozeß das Ordinariat Münster 1959 initiierte, begrüßte 1936 bei der Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes »namens der treudeutschen Katholiken« seines Sprengeis die Wehrmacht als »Schutz und Sinnbild deutscher Ehre und deutschen Rechtes«. Und 1938 autorisierte Galen, ausgerechnet zur Zeit der großen Judenverfolgung, der »Kristallnacht«, die Schrift »Fahneneid«, worin der »Wille des Führers« als »Wille des Volkes« und das »Wehrdienst-leisten-Müssen zugleich (als) eine religiöse Bindung und Verpflichtung« ausgegeben wurden.

Eklatant folgte auch die einflußreiche, insgeheim mit den Jesuiten konkurrierende, heute auf der ganzen Welt verbreitete Schönstatt-Bewegung dem deutschen Kriegskurs. Die Gesellschaft, deren übergreifende Zielsetzung in der »marianischen Christusgestaltung der Welt« sich bekundet, wurde weder zufällig 1914 gegründet (durch den Pater Josef Kentenich) noch zufällig eine forciert antibolschewistische Vereinigung, die den Nazismus als Retter vor dem »roten Drachen« pries, von dem »gigantisch begonnenen Werk des Reichs- und Volksneubaus« unter Hitler schwärmte, dessen Bücherverbrennungen feierte und den in Frankreich gefallenen Josef Englings zum Kandidaten einer Heiligsprechung machte, sein makelloses Kriegertum darlegend:

»auf Märschen«, »in Stellung«, »im Unterstand«, »beim Schanzen«, »in der Kampfhandlung«, »im Granatfeuer«, »auf Vorposten«, »auf Patrouille«, »im Trommelfeuer« etc. (Sicher wären unter den 150 für Hitler gefallenen Soldaten der Schönstatt-Gesellschaft bei einem anderen Ausgang des Krieges weitere schlachtbewährte Anwärter für Kanonisationen gewesen; doch stellte man nach 1945 ein weniger militantes Mitglied heraus: den als Kriegsdienstverweigerer in Brandenburg hingerichteten Pallottiner-Priester Franz Reinisch - dem wegen seiner Verweigerung des Militäreids auf Hitler ein katholischer Gefängnispfaffe sogar die Kommunion versagt hat.

Nicht von ungefähr konnten viele Frauen des Schönstatt-Werkes »auch während der Zeit des Nationalsozialismus

ihr apostolisches Wirken in erstaunlichem Umfang« fortsetzen, was man katholischerseits allen Ernstes auf die »Unauffälligkeit ihrer Kleidung und Lebensform« zurückführt, als hätten sich ausgerechnet die Nazis durch derartiges täuschen lassen! Nicht von ungefähr wohl übernahm gerade das Schönstatt-Institut während der Kriegszeit »Aufgaben« in slawischen Ländern. Und nicht von ungefähr sind für Schönstatt ein Jahrzehnt nach dem Zweiten Weltkrieg Ausdrücke wie »Krieg, heiliger Krieg, marianischer Krieg, Generalstab, Soldat, Kampftruppen, Schlacht« schon wieder überaus geläufig. Auch in ungezählten Büchern katholischer Geistlicher wurde die Kriegsideologie propagiert. In dem Opus des Theologen Leopold Schwarz, »Stehe fest im Glauben«, 1938 im Verlag für katholisches Schrifttum, München, mit Erlaubnis des erzbischöflichen Ordinariats von München-Freising erschienen, schließt der Krieg »alle Seelengründe auf«.

Er führt zur »Vervollkommnung der Auslese«, zur Bewährung vor allem der »Lehren und Einrichtungen des religiösen, kulturellen und gesellschaftlichen Lebens«, kurz, der Krieg wird »der Geburtshelfer aller Staatsgestaltung und aller Kultur«. »Die Erprobung im Krieg ist eine klare Tatsache«, schreibt Priester Schwarz. »Der Soldat muß seine seelischen und körperlichen Kräfte bis zum Äußersten anspannen, der Erfinder das Letzte zur Verteidigung des Vaterlandes aus sich herausholen« - siehe Raketen, Giftgas, Wasserstoffbomben!-, »der Arbeiter in Tag- und Nachtschicht Ungewöhnliches leisten, die Caritas ihre Wirkung verdoppeln, der Dichter das mitreißende Wort und Bild formen, die Kirche den tiefsten Born der Religion öffnen.« »Der Krieg widerspricht dem Gesetze der Liebe nicht.« Dies und Analoges zuhauf mit Erlaubnis des Ordinariats von Kardinal Faulhaber ein Jahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges.

Leicht zu verhundertfachende Hinweise darauf, daß die deutschen Katholiken auf Hitlers Kriegsverbrechen geistlich eingestimmt waren; nicht zuletzt durch die Bischöfe selbst, die Hitler ja, als er 1936 in den Spanischen Bürgerkrieg eingriff, »Treue bis in den Tod« versprachen und für ihre Schäfchen, so autorisierte es »Widerstandskämpfer« Galen im »Fahneneid«, Verteidigung »bis zum letzten Blutstropfen«.

  • Und dann feuerten doch auch ein paar Dutzend deutsche Erzbischöfe und Bischöfe die Gläubigen an - gegen den Willen des »Heiligen Vaters«?-, Hitlers Groß verbrechen zu unterstützen.

Der Kardinal von Köln, Schulte, schrieb in einem Hirtenbrief: »Müssen wir nicht alle... unsern Tapferen im Felde mit treuem täglichen Gebet zu Hilfe kommen...«; der Kardinal von Breslau, Bertram, animierte die Soldaten mit dem Psalmwort: »Handelt mannhaft! Stark sei euer Herz...«, und fügte aus eigenem Ingenium hinzu: »Starkmut in heldenhaftem Grade verlangt vom Wehrmann die Soldatenpflicht in dem Kampfe, der mit den Waffen unserer Zeit geführt wird . . . Starkmut gibt das Bewußtsein, daß jedes Opfer im Dienste der Pflicht gebucht ist im Buche des ewigen Lebens«; (und der Papst rühmte kurz darauf in einem deutschsprachig abgefaßten Telegramm Jubilar Bertrams »innige Gottverbundenheit«, seine »apostolische Umsicht« und seinen »beispielhaften Arbeitseifer zur Ehre Gottes und Aufbauung der Kirche«).

Erzbischof Gröber erfleht den Segen des Allmächtigen für die gerechte Sache des deutschen Volkes; und Erzbischof Klein von Paderborn hegt zu den katholischen Soldaten »das zuversichtliche Vertrauen, daß sie in Gehorsam ihre Pflicht gegen Volk und Vaterland unter Hingabe ihrer ganzen Persönlichkeit tun«. Den Bischof Sproll von Rottenburg »drängt es« damals, »zur hingebenden Treue zum Vaterland und zum felsenfesten Gottvertrauen aufzurufen ... Gott sei mit allen, die die schwere Kriegsarbeit auf sich nehmen, und verleihe ihnen Mut und Kraft, für das teure Vaterland siegreich zu kämpfen oder mutig zu sterben ...

Wir wollen durch verdoppelten Fleiß und treueste Pflichterfüllung die entstandenen Lücken ausfüllen«; der Bischof von Hildesheim, der Gott bittet, daß er Hitlers Truppen »seine Engel schickt«, verlangt vom katholischen Soldaten, jeden Augenblick bereit zu sein zu kämpfen. »Jetzt muß er zeigen, daß er treu zum Glauben steht, treu zu Volk und Vaterland und Führer«; der Bischof von Meißen fordert die Gläubigen auf, sich »in echt christlichem Gottvertrauen und größter Gewissenhaftigkeit als wahre Helden zu bewähren«. »Wir wollen stark sein mit unseren Kämpfern und Soldaten, einig in der Treue zu den höchsten Gütern unseres Vaterlands.«

Bischof Matthias Ehrenfried von Würzburg:

»Da drängt es mich, euch zum Gottvertrauen und zur hingebenden Treue zum Vaterlande aufzurufen. Die Soldaten erfüllen ihre Pflicht gegen Führer und Vaterland opferwilligst mit dem Einsatz ihrer ganzen Persönlichkeit gemäß den Mahnungen der Heiligen Schrift.«

Bischof Michael Buchberger von Regensburg: »Wir wollen jedes Opfer, auch das Opfer des Lebens, im Lichte unseres heiligen Glaubens erfassen, der uns sagt, daß unser Leben mit dem Tode nicht aufhört, sondern erst beginnt...« Bischof Machens von Hildesheim: »Ein Krieg ist ausgebrochen, der uns alle, Heimat und Front, Wehrmacht und Zivilbevölkerung, vor die gewaltigsten Aufgaben stellt. Darum rufe ich euch auf: Erfüllt eure Pflicht gegen Führer, Volk und Vaterland!

Erfüllt sie, wenn es sein muß, unter Einsatz der ganzen Persönlichkeit.«

Bischof Kaller von Ermland: »Mit der Kraft Gottes werdet ihr euch einsetzen für Führer und Volk, werdet ihr bis zum letzten eure Pflicht tun zur Verteidigung unseres geliebten Vaterlandes... Wir alle müssen Opfer, schwere und schwerste Opfer bringen. Niemand darf sich seiner Pflicht entziehen.«

Der Apostolische Administrator der Freien Prälatur Schneidemühl, Prälat Franz Hartz: »Nach zwei Jahrzehnten des Friedens hat der Führer unseres Volkes die deutschen Männer zu den Waffen gerufen, um ein auf unserem Land und Volk schwer lastendes Unrecht des Versailler Friedensdiktates zu beseitigen... Mit deutscher Treue in voller Einmütigkeit und rückhaltloser Opferbereitschaft erhebt sich das ganze Volk zur Beseitigung eines unerträglichen Unrechtes und für einen Frieden der Ehre und Gerechtigkeit. Die Soldaten ermahnen wir, in Treue gegen Führer und Volk zum Schutz der Heimaterde bis zum letzten ihre Pflicht zu tun.«

  • Bedarf's noch des Beweises, daß auch die Bistumsblätter ins selbe Verbrecherhorn bliesen?

Daß das Hildesheimer Diözesanorgan den Krieg vom Feind »gegen das Recht des deutschen Volkes auf seine Freiheit«

geführt sah; das Blatt des Breslauer Kardinals sich zu dem Satz verstieg, Deutschland kämpfe »einen heiligen Kampf, der nicht geht um die bloße Wiedereroberung und den Wiederbesitz entrissener Gebiete, sondern um das Höchste auf Erden: um ein Leben nach Gottes Geheiß«; daß das »Regensburger Bistumsblatt« behauptete: »Der Führer und die Reichsregierung haben alles getan, was mit der Gerechtigkeit und dem Recht und der Ehre unseres Volkes vereinbar ist, um unserem Vaterland den Frieden zu bewahren. Diese Friedens- und Verständigungsbereitschaft ist bitter mißachtet und verhöhnt worden. Das ganze deutsche Volk steht nun geschlossen und entschlossen und einsatzbereit hinter seiner Führung, jeder an dem Platz, an den ihn der Herrgott gestellt hat.«

  • Und auf der anderen Seite, in Polen, Frankreich, England, USA, wer hatte dort jeden an seinen Platz gestellt - der Teufel?
  • Ist solche Volksverblödung noch zu überbieten?

War doch überhaupt während des Kriegs die katholische Presse »ein aktives Instrument« des Propagandaministeriums von Goebbels, in dessen Reichspressekammer ja auch ein katholischer Geistlicher als Abteilungsleiter saß: Walter Adolph, der Chefredakteur des Berliner Bistumsblattes. Schlechthin alles, was sich an »Christkatholischem« für den Krieg ausspielen ließ, wurde vorgebracht, von den Lebenden bis zu den Toten, von den Soldaten bis zu den Nonnen, die sie pflegten, von der Kommunion bis zur Caritas, vom germanischen Glauben bis zum christlichen, von allem Möglichen und Unmöglichen fast. Man versäumte nicht, die Blutopfer aus den eigenen Reihen sorgfältig zu registrieren, ob da nun n Angehörige von der »Steyler Genossenschaft des Göttlichen Wortes« für Hitler gefallen waren oder »32 Kolpingssöhne«, deren Generalpräses Hürth ihnen nachrief: »Als Helden haben sie sich bewährt.

Wir danken ihnen und richten uns auf an ihrem Beispiel.

«Man zählte die Orden her und renommierte mit seinen »Frontsoldaten«: »Als Leutnant und Führer einer M. G.-Kompanie in einem Infanterieregiment erwarb sich der Alumnus des zweiten Kursus im Erzbischöflichen Klerikalseminar Bamberg, Johann Teufel, im Polenfeldzug das Eiserne Kreuz IL Klasse und in Frankreich das Eiserne Kreuz I. Klasse.«

Sagte irgendein General etwas vom Segen der Religion im Krieg, konnte man es sofort als ein »Urteil von höchster militärischer Seite über die Notwendigkeit der Religion für den Frontsoldaten« verbreiten, wie etwa Gedanken des Generalleutnants Dr. h.c. von Rabenau aus seinem Referat »Der geistige und der seelische Krieg«: »Ein Fehlen der Religion würde in wenigen Jahrzehnten die Autorität aufheben. Der Soldat braucht Beziehungen zu seinem Gott, sonst verliert der Krieg seine sittliche Rechtfertigung (!). Ohne Jenseitsgedanken kann der Soldat nicht auskommen.« Und die Jenseitsreligion nicht ohne Soldaten.

Hielt Altnazi Bischof Hudal in Rom einen Gottesdienst in der deutschen Nationalkirche S. Maria delP Anima, »um der im Kriege gefallenen deutschen Soldaten zu gedenken und den Segen Gottes auf das Vaterland herabzurufen«, so stellte man das, die teilnehmenden Vertreter der beiden Botschaften des Reiches, die Abordnungen der italienischen Wehrmacht etc. ebenso heraus wie irgendwelche Blutspendereien von Nonnen, »den vollen Einsatz der katholischen Schwestern für die Pflege von Verwundeten und Kranken auch in diesem Krieg«, wobei man renommistische Seitenblicke auf den früheren warf, in dem beispielsweise »ioo Schwestern des Ordens von der heiligen Katharina über 50 000 Verwundete gepflegt«.

Überhaupt bot das Erste Weltgemetzel natürlich unerschöpfliche Anknüpfungsmöglichkeiten für das Zweite, grub man etwa die »Kriegsbriefe gefallener Studenten« wieder aus, offenbarten sie doch »- vorbildhaft für den geschichtlichen Augenblick der erneuten Bewährung (!) - die seelische Kraft des Frontkämpfers jener vier Jahre..., seinen Sinn für die weltgeschichtliche Sendung Deutschlands«, waren aber vor allem »Dokumente echter und ursprünglicher Frömmigkeit... Nur wenige, das dürfte aus dieser Sammlung unzweifelhaft hervorgehen, hatten den Zarathustra im Tornister, eher schon Fichtes Reden, die meisten aber schöpften Trost aus dem Evangelium«. Es läßt sich eben für alles, aber wirklich alles, selbst für die größten Greuel, gebrauchen. Deshalb kommen die Pfaffen nie in Verlegenheit, wenn sie das Evangelium verkünden, und die Schafe nie in Verlegenheit, wenn sie es glauben.

Selbst Adolf Kolping, der »Gesellenvater« - mit dessen Hilfe man noch immer den Kommunisten

etwas Wasser abzugraben sucht (auch bei Johannes Pauls IL Deutschland- Visite spielte er diese Rolle), selbst der gar nicht biedere »Gesellenvater« hatte im Herbst 1939 »auch heute noch zeitgerechte« Sätze vorzuweisen, zum Beispiel: »Der Krieg ist ein Wetter, aus dem Gottes Blitz unter die Völker fährt und worin unter dem rollenden Donner seine Gerechtigkeit wolkenumhüllt über die Erde schreitet... Mich dünkt, der Krieg habe auch eine erhabene Seite und trage auch einen wahrhaft großartigen, sogar christlichen Charakter, wie kaum eine andere Erscheinung in der Weltgeschichte...

  • Widerstrebt das dem Christentum?

Im Gegenteil, mich dünkt, das sei erst recht christlich, denn das Christentum ist tatsächlich hienieden nach einer Seite nichts als ein fortgesetzter Kampf für die Gerechtigkeit um jeden Preis gegen die Ungerechtigkeit, und so regelt, adelt und verklärt das Christentum den mutigen Streiter für Recht und Gerechtigkeit. ..«

Kein Wunder, wenn Papst PiusXII. gerade seinerzeit seinen persönlichen Wunsch betonte, die Seligsprechung Adolf Kolpings recht bald erleben zu können, wenn gerade die deutschen Bischöfe damals eigene Aktionen in ihren Diözesen veranlaßten, »um das Interesse des gläubigen Volkes für den heiligmäßigen deutschen Priester und großen Volkserzieher zu fördern«. Waren doch schon im Ersten Weltkrieg 60 000 »Kolpingssöhne« ins Feld gezogen, großenteils Freiwillige, und 17 000 gefallen; hatte schon im Ersten Weltkrieg der ganze deutsche Episkopat leidenschaftlich das Blutbad gepriesen. Und auch im September 1939 riefen alle deutschen Bischöfe gemeinsam: »In dieser entscheidenden Stunde ermutigen und ermahnen wir unsere katholischen Soldaten aus Gehorsam zum Führer (!), ihre Pflicht zu tun und bereit zu sein, ihre ganze Person zu opfern.«

Fällt es schwer, sich vorzustellen, was sie im Dritten Weltkrieg rufen werden, falls sie noch dazu kommen?