"1933 unterzeichneten Hitler und der päpstliche Nuntius Pacelli das Reichskonkordat. Damit begann das düsterste Kapitel der jüngsten Papstgeschichte: die unheilige Allianz zwischen Vatikan und Nationalsozialismus."

Der Spanische Bürgerkrieg

Die Politik der Päpste zur Zeit des Nationalsozialismus

Der Spanische Bürgerkrieg

ein »heiliger Kreuzzug für die vollständige Wiederherstellung der kirchlichen Rechte«

»Der Spanische Bürgerkrieg... wird militärisch vor allem von Deutschland und Italien, später auch von der Sowjetunion, zur Erprobung von Waffen und Kampftechniken verwendet. Der Spanische Bürgerkrieg, der Spanien über eine Million Kriegstote kostet, ist der Manöver-Schauplatz, auf dem der zweite Weltkrieg vorgeprobt wird.«

Der Katholik Friedrich Heer.

»Die >Große Nationale Bewegung< wurde vom ersten Tag an von ihren Führern und von der Kirche als der 'Christliche Kreuzzug gegen den Bolschewismus' bezeichnet. Dieser »Christliche Kreuzzug< hatte die volle Unterstützung des Heiden Hitler und des Atheisten Mussolini. Einige ifoooo angeheuerte mohammedanische Marokkaner und eine Fremdenlegion von höchster moralischer Fragwürdigkeit vervollständigten die Heiligkeit dieses Kreuzzuges.«

Charles Duff.

»Du trägst in deinem Herzen das Feuer eines Apostels und deine Hände müssen das Werkzeug der göttlichen Allmacht sein.«

Aus dem Reglement der Franco-Rebellen.

Die Ursache des Spanischen Bürgerkrieges war weder ein politischer noch religiöser Konflikt, sondern ein sozialer: der schreiende Gegensatz zwischen einer kleinen Ober-Schicht und dem oft bis aufs Blut ausgebeuteten Volk. Die spanische Kirche aber partizipierte daran - seit der ausgehenden Antike schon mächtig und reich, durch jahrhundertelangen Terror, durch Sklaverei, Judenpogrome, Inquisition. Um die Wende zur Neuzeit soll ihr die Hälfte des Volkseinkommens zugefallen sein. Im frühen 19. Jahrhundert gehörten ihr immerhin noch 6 Millionen Hektar Land, 17 Prozent der Bodenfläche; neben Schenkungen hochgeborener Granden meist konfiszierte »Ketzerländereien«.

Und zu Beginn des 20. Jahrhunderts kontrollierten die Jesuiten - nominell ein »Bettelorden«,

der von Spenden und Almosen leben soll - ein Drittel des gesamten spanischen Kapitals. Während 96 Prozent der Spanier nur ein Drittel des bebauten Bodens besaßen, hatte die Kirche ihr Vermögen in Banken investiert, in Straßenbahnen, Eisenbahnen, Schifffahrtgesellschaften, Reedereien, Wasserkraftwerken, Bergwerken, Textilfabriken, Bauunternehmen u.a., sonnte sich der hohe Klerus, verfilzt mit Großkapital und Adel, im Glanz seiner gesellschaftlichen Beziehungen.

Als Besitzende und Verbündete von Besitzenden aber hatte die schwerreiche spanische Kirche laufend an Einfluß auf die Bevölkerung verloren. Um 1910 waren über zwei Drittel der Spanier keine praktizierenden Katholiken mehr. Zwischen Dezember 1922 und Mai 1923 gab es bei Attentaten allein in Barcelona, wo seit 1919 der »Krieg der Pistolenschützen« herrschte, 34 Tote und 76 Verwundete. Dann aber glückte dem dortigen Generalkapitän, Miguel Primo de Rivera, am 13. September 1923 ein Pronunciamento. Gedeckt durch den König, bildete der General ein Militärisches Direktorium, das die Demokratie liquidiert und schon im nächsten Jahr die »Union Patriotica« nach dem Vorbild des italienischen Faschismus gründet.

Die Sozialistische Partei zwar blieb bestehen, doch die anarchistischen und kommunistischen Organisationen wurden verboten, die führenden Kommunisten verhaftet, die herrschenden Besitzverhältnisse geschützt. Wie begreiflich, daß Kardinalprimas Reig von Toledo die - auch von der Handels- und Geschäftswelt geförderte, von der geistigen Elite aber abgelehnte - Militärdiktatur als »Fortschritt« warm begrüßt und der Jesuitenorden sie unterstützt hat, zumal sie der Kirche eine Fülle von Vorrechten brachte.

Nach den Gemeindewahlen vom April 1931, »zweifellos die freiesten und ordentlichsten in der spanischen Geschichte«, beseitigten die Spanier die Monarchie und erklärten am 14. April die (Zweite) Republik. Sie war liberal-fortschrittlich, mit leichter Tendenz zum Sozialismus. Und trotz ständiger Sabotage durch die Rechte und extreme Linke, trotz der bankrotten Wirtschaftslage infolge der früheren Verhältnisse, blieb die politische Stabilität des jungen Staates, in dessen Parlament auch die bekanntesten Wissenschaftler liberal-sozialistischer Richtung saßen, zunächst gewahrt; führte die neue Regierung in zwei Jahren Reformen durch, die anderwärts oft Jahrzehnte gedauert hätten: ein Strafgesetz, ein hochmodernes Scheidungsgesetz, Gesetze über Frauenrechte, Schlichtungsausschüsse, Mindestlöhne, die 48-Stunden-Woche; vor allem jedoch Agrarreformen, Enteignung großer Güter, Verdoppelung der Löhne für Landarbeiter; auch baute man fast 10 000 neue Schulen.

Umsturz und Volkswut aber trafen mit der Monarchie den mit ihr liierten hohen Klerus

»Spanien hat aufgehört, katholisch zu sein«, erklärte der neue Ministerpräsident, der Schriftsteller und doktrinäre Republikaner Azana, und äußerte nach der Niederbrennung einiger Nonnenklöster im Mai: »Alle Kirchen Spaniens sind nicht soviel wert wie das Leben eines einzigen Republikaners.« Und da man nicht nur den geflohenen König gern verloren war, ohne auf seine Thronrechte zu verzichten, zu Schiff nach Marseille geeilt-, sondern auch den Bischof von Vitoria exilierte und den besonders verhaßten Primas von Toledo, da man zwar Glaubens- und Gewissensfreiheit verbürgte, doch auch Trennung von Staat und Kirche vorsah, jede Subvention für religiöse Vereine suspendierte, dem Klerus Kultusetat und Steuerfreiheit strich, Mönchen und Nonnen Lehrtätigkeit und Handel verbot, dazu, am 24. Januar 1932, den Jesuitenorden auflöste und seinen Besitz einzog, versuchte der Episkopat sofort seine frühere hochprivilegierte Position wiederzugewinnen.

Die spanische Kirche protestierte gegen Gewissensfreiheit und laizistische Schule; der Papst sekundierte, indem er dem Gesandten der republikanischen Regierung das Agrement verweigerte, die neuen Machthaber zur Umkehr beschwor sowie Klerus und Laien ins Gewissen redete. Unterdessen hetzten die Monarchisten, unterstützt von Großagrariern und den meisten Offizieren, gegen Republik und Arbeiterschaft; General Sanjurjo versuchte 1932 vergeblich einen Staatsstreich in Sevilla und mußte fliehen. Und bereits 1933 forderten die spanischen Bischöfe in einem Hirtenbrief vom 25. Mai (»Declaraciön sobre la ley de Confesiones religiosas«) und Pius XL in seiner Enzyklika »Dilectissima nobis« vom 3.Juni einen »heiligen Kreuzzug für die vollständige Wiederherstellung der kirchlichen Rechte«.

Die klerikale Gegenbewegung blieb nicht folgenlos. Da der Papst sich nicht scheute, die Regierung als undankbar, ihre kirchenfeindlichen Verfügungen feierlich als nichtig zu verurteilen, als dem Wohl des Staates wie der Kirche schädlich, da der Episkopat mündlich und schriftlich zum Widerstand trommelte, zum Kampf gegen die »roten Antichristen«, wie Kardinal Segura sagte, indem er aufrief, Schluß zu machen mit den Feinden des Königreiches Christi, wurde die öffentliche Meinung feindseliger, der Katholizismus aggressiver. Im selben Jahr, im Februar, war auch, wie wenig bekannt, auf Betreiben Eugenio Pacellis, die Confederacion Espanol de Derechas Autonomas (CEDA) erstanden.

Sie nannte die Regierungsform nebensächlich, propagierte aber einen durch die Enzykliken der letzten Päpste

bestimmten »sozialen Katholizismus«, die Verteidigung von Gott und Vaterland. Ihr »Jefe« (Chef), wie er sich in Analogie zu »Führer« und »Duce«, von seinen Anhängern titulieren ließ, war Jose Maria Gil Robles, ein militanter, von Salesianern erzogener Bewunderer Hitlers, dessen »Völkischer Beobachter« Gil Robles nachrühmte: »vor allem besitzt er ein Organ von einer Stärke, das ihn befähigt, auch die lautesten marxistischen Schreier niederzubrüllen«.

1933, im Geburtsjahr der CEDA, gründeten auch Jose Antonio Primo de Rivera, der Sohn des Diktators, und seine Schwester Pilar am 29. Oktober die »Falange Espanola«, die von den Jesuiten geförderte, vom italienischen Faschismus beeinflußte und von diesem seit 1934 finanziell unterstützte faschistische Partei Spaniens, zu der, noch vor dem Aufstand, die katholische Jugendorganisation der CEDA übertrat. Ihr Führer wurde Ramon Serrano Suher, Schwager Francos, Freund Mussolinis und Hitlers, später Innen- und Außenminister, Ende Juni 1942 von Papst Pacelli mit dem Großkreuz des Ordens Pius'IX. ausgezeichnet. Zwei Monate zuvor hatte Suner bekannt, daß 15000 Spanier an der Ostfront kämpften und ihre Zahl, falls es Deutschland wünsche, auf eine Million erhöht werde. Die Falange erstrebte einen christlichen, nationalen und totalitären Staat; jedes Mitglied mußte, zumindest während des Bürgerkriegs, zur Messe gehen, beichten und kommunizieren. Der Antisemitismus der Bewegung war ebenso notorisch wie ihre Bewunderung für den Faschismus und Nazismus.

Die republikanisch-sozialistische Regierungskoalition zerbrach im Herbst 1933. Die Linken gingen getrennt zu den Urnen, die sozialistische Partei stellte sich, im Vertrauen auf ihre Stärke, allein den Wahlen und wurde geschlagen, die Rechten erlangten die Mehrheit. Die Konterrevolution etablierte sich mit dem kirchen- und faschisten-freundlichen Kabinett Lerroux, das mit Unterstützung der CEDA regierte, die im Frühjahr 1935 auch fünf Minister stellte. Gil Robles erleichterte als Kriegsminister durch die Reorganisation des Heeres, womit er General Franco beauftragte, den Militärputsch von 1936. Die Polizei bestand vor allem aus Katholiken, darauf gedrillt, »die gottlosen Feinde der Kirche auszurotten«.

Die Errungenschaften der jungen Republik werden in den beiden »schwarzen Jahren« wieder beseitigt.

Ungezählte verlieren Arbeit und Brot, ja, ohne Prozeß, nur aus politischen Gründen, die Freiheit. Am 5.Oktober 1934 ruft man in Madrid und Barcelona den Generalstreik aus. Es kommt zu einer Kette von lokalen Revolten, zu Massendemonstrationen und Straßenkämpfen. Geführt von Anarchisten, proklamiert man in Katalonien die autonome Republik, das Baskenland rebelliert, in Asturien erheben sich die Bergleute. Der Ministerrat erklärt den Kriegszustand. Auf Rat General Francos ringen reguläre Truppen und die spanische Legion aus Marokko den Aufstand grausam nieder. Das offiziöse Vatikanblatt nennt die zusammengeschossenen Arbeiter »Mörder«, »Brandstifter«, »Wilde«, »Barbaren«. Es verschweigt, daß man in Oviedo, angeführt von Geistlichen, vom Turm der Kathedrale schoß. Es verschweigt die Ursachen der Erhebung: die entsetzliche Ungerechtigkeit, den früchterlichen Hunger, die Ausbeutung. »Das Gericht muß unerbittlich sein, vor allem gegen die Hauptschuldigen, dann gegen alle anderen.«

  • Das Blatt des »Heiligen Vaters« fordert »Kollektivstrafen«!

Im Blut ertränkt waren die Aufstände zusammengebrochen; mehr als tausend Tote und zweitausend Verwundete auf beiden Seiten. Allein im Oktober und November verlieren 30 000 Männer und Frauen die Freiheit. Man wirft sie ins Gefängnis und foltert sie nicht selten. Der Journalist Luis Sirval, der darüber berichtet, wird selbst inhaftiert und von drei Offizieren ermordet. Sogar ein nicht eben republikfreundlicher Historiker gibt zu: »Politisch beschränkten sich die neun Regierungen der Jahre 1934-1935 (dreimal Lerroux, einmal Samper; dreimal Lerroux, zweimal Chapaprieta) fast nur darauf, einen Teil dessen, was in den ersten zwei Jahren der Republik aufgebaut worden war, zunichte zu machen. Das wiederum verstärkte die Revanchegelüste der im Oktober Unterlegenen und trug dazu bei, Zweifel in die einzelnen Komponenten des Rechtsblocks zu säen.«

  • Unter den fast an einer Hand zu zählenden Gesetzen dieser konservativen Regierungen betrifft ein Gesetz das Vermögen des Klerus!

Aus den Wahlen vom 16. Februar ging die vereinigte Linke als überlegener Sieger hervor.

Mit 277 Abgeordneten zog sie in die neuen Cortes, wo die 90 Parlamentarier der Sozialisten die stärkste Fraktion bildeten; die Rechte gewann insgesamt 132 Sitze, wovon 86 an die CEDA fielen.

Der überwältigende Wahlsieg der Volksfront war der tiefere Grund für den Ausbruch des Bürgerkriegs; die Tötung des Führers der Opposition, Jose Calvo Sotelo, durch Volksfrontpolizisten in einem offiziellen Polizeiwagen am 13. Juni 1936, als »ausgesprochenes Staatsverbrechen« gegeißelt, allenfalls ein Signal. Der Aufstand war längst vor dem Mord geplant. In Vertretung des Generals Sanjurjo verschickte General Mola bereits im April Instruktionen zu dem Pronunciamento und verfaßte am 25.Mai seinen ersten Angriffsplan.

Als die Militärs am 18.Juli 1936 im spanischen Marokko, mit voller Sympathie des hohen Klerus, losschlugen, propagierten sie den Aufstand gleich als »nationale Erhebung« und »nationale Bewegung«. Doch erfolgte alles andere als ein Movimiento der Nation. Und obwohl der größte Teil des Heeres und der Zivilgarde zu den Rebellen überging, obwohl sie über geschicktere Strategie und besser ausgebildete Truppen verfügten und kaum zehn Prozent des aktiven Offizierskorps gegen sich hatten, schlug die Regierung mit Hilfe des erbittert kämpfenden Volkes eine Erhebung nach der andern nieder. »Schreib's in dein Tagebuch«, sagte Mussolini zu seinem Außenminister, Graf Ciano, »ich prophezeihe Francos Niederlage... Die Roten sind Kämpfer, Franco ist es nicht.« Auch die deutsche Botschaft in Madrid meldete am 25.Juli: »Die roten Milizen sind von einem fanatischen Kampfgeist erfüllt und schlagen sich mit außerordentlicher Bravour, bei entsprechenden V erlusten... Falls nicht Unerwartetes geschieht, ist nach allem kaum mit Erfolg des Militäraufstandes... zu rechnen.«

Vor der sicheren Niederlage stehend, erhielten die Rebellen jedoch bald Hilfe von Hitler und Mussolini, während die Waffenlieferungen der Sowjetunion Monate später begannen. Die Empörer konspirierten schon vor ihrer Erhebung mit Deutschland. General Jose Sanjurjo Sacanell, der ihre Aktion leiten sollte, auch bereits am 18. August 1932 gegen die Regierung geputscht hatte, war unmittelbar vor dem Losschlagen auf dem Rückflug von Berlin tödlich verunglückt. Nun übernahm Francisco Franco, Sohn und Enkel kleinbürgerlicher Marinebeamter, finanziert von Juan March, dem »Schmugglerkönig« und »kapitalistischen Großverbrecher«, einen Tag nach Beginn des Aufstands, am 19.Juli, den Oberbefehl über die marokkanischen Truppen.

Am 22. Juli erbat er von Hitler Flugzeuge für den Transport seiner Soldateska,

da republikanische Flotteneinheiten den Seeweg versperrten. Und am 27.Juli beförderten deutsche Transportmaschinen vom Typ Ju 52 Francos mohammedanische Mauren, die ihre Opfer kastrierten, und seine Legionäre, Losung:

  • »Es lebe der Tod!

Nieder mit der Intelligenz«, zur Rettung des katholischen Abendlands übers Meer. »Franco sollte der Ju 52 ein Denkmal setzen. Diesem Flugzeug verdankt die spanische Revolution ihren Sieg«, sagte Hitler später. Und, auch auf die Unterstützung der Italiener anspielend: »Ohne die Hilfe der beiden Länder gäbe es heute keinen Franco.«

Hitler hielt sich noch relativ zurück; seine Heeresbefehlshaber standen inmitten von Umrüstungen. Göring aber war sofort begeistert dabei; das deutsche Expeditionskorps, allmählich 16 000 Mann, bestand meist aus Luftwaffensoldaten, die auch bald ein vielversprechendes Können über Quernica an den Tag legten. Doch schickte Deutschland außer Transportflugzeugen, Jagd-, Kampf-, Aufklärungsmaschinen auch Panzer, Pak und Flak. Die Sache war Hitler immerhin 500 Millionen Mark wert - ein unschätzbares Experimentierfeld schließlich für das Kriegsmaterial seiner Wehrmacht, eine Hauptprobe für größere Zeiten. Der von Gott gesandte »Duce«, der die spanischen Verschwörer schon 1934 mit Waffen und Geld unterstützt hatte, setzte allmählich über hunderttausend Soldaten in Marsch.

»Die Komödie der Nichteinmischung ist zu Ende«, höhnte »Roma fascista.« »Für uns hatte sie nie angefangen.« Salazars hochklerikales Portugal, seit 1931 von seinen Bischöfen »Unserer Lieben Frau von Fatima« geweiht, mit deren Kult sich bekanntlich ein intensiver Antikommunismus verbindet, wurde Hauptnachschubweg Hitlers und Waffenankaufzentrale Francos; es half den Rebellen, wo es konnte, und jagte auch 20 000 Portugiesen für sie in den Kampf. Selbst das katholische Irland mobilisierte eine Brigade für den »christlichen Kreuzzug«, bei dem schon am ersten Tag General Queipo de Llano das Arbeiterviertel von Sevilla dem Erdboden gleich machen ließ, nachdem man zuvor alle - so gut wie waffenlosen - Männer auf den Straßen zusammengetrieben und abgestochen hatte.

»Denke daran«, hieß es im Reglement des Rebellenheeres, »daß du berufen bist,

Christus die Nation seiner Auserkorenen wiederzuerobern, die ihm von anderen entrissen wurde. Wenn du dich ganz in den Dienst dieser hehren Aufgabe stellst und dein Leben dafür opferst, so lobpreise die göttliche Barmherzigkeit, die das Gewissen mit dem erhabenen Licht des Märtyrerscheins überstrahlt. Dein Heldenmut, deine Bereitschaft zur Märtyrerschaft führt zu dem Ideal: Für Gott und Vaterland]« Dafür kämpfte die christliche Welt ja auch im Ersten Weltkrieg (l236ff.). Und dafür fochten dann auch Hitlers Truppen, auf deren Bauch zumindest das Koppelschloß verkündete: »Mit Gott.« »Du trägst in deinem Herzen«, stand im Reglement der Aufständischen Francos, »das Feuer eines Apostels und deine Hände müssen das Werkzeug der göttlichen Allmacht sein.«

Die Republik, das Opfer eines internationalen Überfalls, rief die westlichen Demokratien zu Hilfe. Doch die Putschisten und ihre Spießgesellen täuschten aller Welt den Staatsstreich als Religionskrieg gegen den gottlosen Kommunismus vor; eine von der Vatikanpresse ebenso wie von Hitlers Propagandaminister kolportierte Geschichtsfälschung, die sich auf den Entschluß fast aller europäischen Länder und der USA auswirkte, die spanische Regierung nicht zu unterstützen. In Wirklichkeit spielte der Kommunismus in Spanien keinerlei dominierende Rolle, am wenigsten vor dem Bürgerkrieg. Die Volksfront vertrat alles andere als ein marxistisches Programm. Das republikanische Kabinett hatte einen einzigen kommunistischen Minister, die kommunistische Partei Spaniens, zehntausend Mitglieder, stieg während des Krieges allerdings auf eine halbe Million an, bei einer Bevölkerung von 25 Millionen.

Der falangistische General Yagüe aber sprach am ersten Tag des Putsches in Marokko von einem Kreuzzug. Auch Franco selbst, der gern seinen Katholizismus demonstrierte, sich kniend vor dem Altar seiner Hauskapelle photographieren ließ, gab bald die Parole aus, der Krieg gegen die Republik, der er soeben seinen Treueid gebrochen, sei ein heiliger Krieg, ein Kreuzzug des Glaubens, er selber ein »Kämpfer Christi« und »Werkzeug der Vorsehung«. Als er am Fest Maria Himmelfahrt anstelle der republikanischen Fahne die der Monarchie einführte und sie auf dem Rathausbalkon von Sevilla unter Tränen oft küßte, assistierte ihm der Kardinal der Stadt, Illundain, und küßte sie gleichfalls. Denn mit den putschenden Militärs war der spanische Episkopat aufs engste verbunden.

Und wie sie, propagierte auch er das dreijährige Blutbad als »Cruzada« gegen die »Gottlosen«

und behauptete, es sei »jämmerlich«, der »zivilisierten Welt« noch erklären zu müssen, »daß dies kein militärisches Pronunciamento ist, kein Bürgerkrieg, kein Klassenkampf«. »Dieser Krieg ist kein Bürgerkrieg, sondern ein Kreuzzug gegen die rote Weltrevolution«, »ein Kreuzzug... insofern er alles das verteidigt, was für die Religion wesentlich ist.« Kardinalprimas Goma y Tomas, dem sich schon der mit Madonnenbildern und Giftgas geführte Raubüberfall auf Abessinien zum »Werk der Zivilisation« verklärt hatte, belehrte nun die Weltöffentlichkeit: »Es stehen also auf der einen Seite die Kämpfer jener Ideale, welche aus der alten Tradition und der alten Geschichte Spaniens geboren sind; auf der anderen Seite steht eine zusammengewürfelte Horde« oder, wie der Erzbischof von Santiago de Compostela in einem langen Hirtenbrief enthüllte, »eine Bande von Räubern«. »Christus und der Antichrist bekämpfen sich auf unserem Boden.«

Antonio Ruiz Villaplana, durchaus kein Kommunist, sondern ein geachteter Richter, der während des Bürgerkriegs in Burgos amtierte, dem Hauptquartier der Rebellen, berichtet in seinem Buch »Questo e Franco«, daß die katholische Kirche nicht nur an allen militärischen Kundgebungen teilgenommen, sondern sie sogar geleitet, daß sie die Waffen gesegnet und das Tedeum organisiert habe. »In diesem entfesselten Kampf«, schreibt Villaplana, »hat die Geistlichkeit niemals ihre Rache vergessen... Wie eine Kriegstrompete schmetterte die Stimme dessen, der Hirt und Führer des Volkes sein sollte, kriegerische Aufrufe: >Wir können nicht gemeinsam mit den ruchlosen Sozialisten leben....

  • Krieg, Blut und Feuer!

Es darf weder Waffenstillstand noch Pardon geben, ehe nicht der Sieg der Religion und der Ordnung völlig gesichert ist.<«

Dem spanischen Episkopat aber, der das Gemetzel von Spaniern gegen Spanier alsbald sittlich gerechtfertigt hat »mit umfassender Gelehrsamkeit«, wie die deutsche Jesuitenzeitschrift versichert, sprangen die Bischöfe der ganzen Welt bei. Schon kurz nach Beginn des Aufstands ergriff Kardinal Innitzer von Wien Partei für die Putschisten. Ein Kirchenfürst, der ja auch zwei Jahre später, bei der Besetzung Österreichs durch Hitler, dem »von Gott gesandten Führer«, »die tausendjährige Sehnsucht unseres Volkes« erfüllt fand; der den deutschen Einmarsch mit Glockengeläut und Hakenkreuzfahnen an den Kirchen feierte und für seine Verdienste - bis heute fast überall verschwiegen - vom »Führer« persönlich die Ostmark-Medaille verliehen bekam. Jetzt schrieb der Kardinal, »die Gottlosigkeit erhebt ihr Haupt gegen alles, was Religion, Gottverbundenheit heißt«. Und Fürsterzbischof Waitz von Salzburg, der unter Hitler dieselben Phrasen wie Innitzer drosch, der den Eucharistischen Kongreß 1912 in Wien eine der wichtigsten Vorbereitungen auf den Ersten Weltkrieg nannte (1149), der wußte jetzt: »>Die Hölle ist derzeit am Werke.< Von einem Mittelpunkt aus, von Moskau, sucht sie ihr Verderben in alle Völker zu tragen.«

Auch der deutsche Episkopat veröffentlichte schon am 30. August 1936,

auf direkte Weisung Kardinalstaatssekretärs Pacelli, einen Hirtenbrief, worin es im Hinblick auf Spanien heißt: »Welche Aufgabe damit unserem Volk und Vaterland zufällt, ergibt sich von selbst. Möge es unserem Führer mit Gottes Hilfe gelingen, dieses ungeheuer schwere Werk der Abwehr in unerschütterlicher Festigkeit und treuester Mitwirkung aller Volksgenossen zu vollbringen.« Und schon am 3.Januar 1937 beschworen die deutschen Oberhirten, wieder mit Hinweis auf Spanien, ihre Hörigen erneut:

  • »Geliebte Diözesanen!

Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler hat den Anmarsch des Bolschewismus von weitem gesichtet und sein Sinnen und Sorgen darauf gerichtet, diese ungeheure Gefahr von unserem deutschen Volk und dem Abendland abzuwehren. Die deutschen Bischöfe halten es für ihre Pflicht, das Oberhaupt des Deutschen Reiches in diesem Abwehrkampf mit allen Mitteln zu unterstützen, die ihnen aus dem Heiligtum zur Verfügung stehen.

So gewiß der bolschewistische Todfeind der staatlichen Ordnung und zugleich und sogar in erster Linie Totengräber der religiösen Kultur ist und seine ersten Angriffe immer gegen die Diener der Heiligtümer des kirchlichen Lebens richtet, wie die Vorgänge in Spanien aufs neue beweisen..., so gewiß ist die Mitarbeit an der Abwehr dieser satanischen Macht auch eine religiöse und kirchliche Zeitaufgabe geworden. Den Bischöfen liegt es ferne, die Religion in das politische Gebiet zu tragen oder gar zu einem neuen Krieg aufzurufen. Wir sind und bleiben Sendboten des Friedens und reden als solche den religiösen Menschen ins Gewissen, an der Abwehr der großen Gefahr mitzuwirken mit den Mitteln, die wir die Waffen der Kirche nennen... Auch wenn wir die Eingriffe in die Rechte der Kirche zurückweisen, werden wir die Rechte des Staates auf staatlichem Gebiet achten und am Werk des Führers auch das Gute und Große sehen...« Hier hat man parenthetisch ihre ganze Heuchelei.

  • Indem sie behaupten, es liege ihnen fern, die Religion ins politische Gebiet zu tragen, tun sie, im selben Atemzug, was sie bestreiten!
  • Wie immer Bischöfe und Päpste, gerade wenn sie versichern, nicht Politik zu treiben, eben dies tun; gleichzeitig aber durch schamlos gegenteiliges Beteuern zumindest bei den Schafen ihr Gesicht zu wahren suchen - als hätten sie eins!
  • Man betrachte sie doch!!

Nein, sie treiben nicht Politik. Aber die Abwehr »dieser satanischen Macht« war jetzt ihre »Zeitaufgabe«.

Und zufällig auch die der Mussolini und Hitler, der Großgangster der Epoche.

  • Nein, nichts Politisches - oder gar Aufrufe zu einem neuen Krieg!

Dazu riefen sie doch erst viele Jahre später, vier, drei, zwei Jahre später erst, 1939, 1940, 1941... Vorerst aber, im Schafspelz zwischen kaltem und heißem Krieg, waren und blieben sie »Sendboten des Friedens« - hat außer ihnen und ihresgleichen doch wohl nur Hitler so oft vom Frieden gesprochen; es muß da einen Zusammenhang geben.

Und wiesen sie »Eingriffe in die Rechte der Kirche« auch mannhaft zurück - nicht etwa Eingriffe in die Rechte ihrer Gegner, in die Rechte von Menschen überhaupt, die Menschenrechte, nein, darum ging es nicht, so sahen sie doch, was sie und ihre Knechte dann ganz vergessen hatten, stets auch »das Gute und Große« in Hitler, wie eben seine Abwehr »dieser satanischen Macht«, seine Einmischung in Spanien, später seinen Zweiten Weltkrieg, besonders seinen Überfall auf die Sowjetunion -

  • warum anders hätten sie »immer wieder« und »eindringlichst« dazu aufgerufen?!

Die »Zeitaufgabe« war ja gewiß nicht leicht für die Finsterlinge. In Spanien eine »rote Republik«, in Frankreich eine »V olksfront«, in Lateinamerika der Kommunismus im Vormarsch - wahrlich nicht zuletzt dank ihres Regiments dort seit Jahrhunderten. Und da trieben die »Friedensboten« eben zum Frieden auf ihre Weise. Gegen Satan, die teuflische Macht, die sie bedrohte wie nichts sonst.

Am i.Juli 1937 wandten sich 43 spanische Bischöfe und 5 Generalvikare - nur zwei weigerten sich:

der Bischof von Vitoria, Mateo Mügica, und der Erzbischof von Tarragona, Francisco Kardinal Vidal y Barraquer - an alle katholischen Prälaten der Welt. Und: »Alle Mitglieder des Episkopats«, übermittelt der spätere Kardinal Pia y Deniel - damals also etwa 900-, »antworteten, unter Anerkennung der Legitimität des Krieges seitens des nationalen Spaniens und seines Charakters als Kreuzzug für die christliche Religion und die Zivilisation.« Tatsächlich machte die ganze katholische Hierarchie, sogar mit offensichtlichem Erfolg in protestantischen Ländern wie Großbritannien und den USA, die stärkste Propaganda für die spanischen Klerofaschisten.

  • Man kann sich vorstellen, wie es im Land des »Heiligen Vaters« stand!

Während faschistische Agenten Italiener ermordeten, die bereit waren, die spanische Republik zu verteidigen, während der italienische Außenminister, Mussolinis Schwiegersohn Graf Ciano, nicht nur »der Hauptanstifter einer ganzen Serie von Morden, Schiffsuntergängen und Zugunglücken« wurde, wie der »Daily Telegraph« schrieb, sondern sogar »eine Verschwörung« organisierte, »die Krankheitsbazillen... unter den Regierungsanhängern verbreiten sollte«, erklärte PiusXI. selbst »offen, daß nach Gott Unsere Würdigung und Unser Dank vor allem jenen hochgestellten Persönlichkeiten gilt; Wir meinen den sehr ehrenwerten Souverän und seine unvergleichlichen Minister. .. nichts liegt Uns ferner als der Gedanke, einen Streit zu beginnen«.

Im selben Jahr, Anfang Januar 1938, marschierte ein prächtiges Aufgebot an Prälaten und Priestern unter Kirchenfahnen zum Grab des Unbekannten Soldaten - Priester und Soldaten . . . - und zum Ehrenmal der »in der faschistischen Revolution gefallenen Helden«.

Dann begaben sich immerhin 72 Bischöfe und 2340 Pfarrer zum Palazzo Venezia, beklatschten begeistert Mussolini, und Erzbischof Nogara sagte in einer Rede:

  • »Duce!

Sie haben so viele Schlachten gewonnen; Sie haben auch die Getreideschlacht gewonnen. Wir bitten den Herrn, Ihnen beizustehen und Ihnen zu gewähren, alle Schlachten zu gewinnen, die Sie klug und energisch für das Gedeihen, die Größe und den Ruhm des christlichen Italien führen.« Darauf ergriff Pfarrer Menossi das Wort:

  • »Exzellenz!

Die Priester Italiens flehen auf Ihre Person, auf Ihr Werk als des Wiederherstellers Italiens und Gründers des Reiches, auf die faschistische Regierung den Segen des Herrn und einen ewigen Glorienschein römischer Weisheit und Tugend herab, heute und immerdar. Duce! Die Diener Christi, die Pater des Landvolkes erweisen Ihnen ergeben Ehre. Sie beteuern Ihnen Treue. Mit frommer Begeisterung, mit der Stimme und dem Herzen des Volkes rufen wir: Heil Duce!« Und die versammelten Bischöfe und Priester brachen stehend in den Schrei aus:

  • »Duce! Duce! Duce!«

Eher noch enger war das Zusammenspiel zwischen Klerus und spanischem Faschistenhaupt.

Franco hatte PiusXI. den Beginn des Aufstands schon gemeldet, bevor die Nachricht eine andere Hauptstadt erreichte. Die erste ausländische Flagge über dem Rebellen-Hauptquartier in Burgos war die des Papstes. Wie weit das Kolaborieren der Kirche mit dem »Caudillo« ging, bezeugt auch Kardinal Gomäs Satz: »Wir befinden uns in völliger Übereinstimmung mit der nationalen Regierung, die niemals einen Schritt ohne meinen Rat unternimmt, den sie immer befolgt.« Und ohne jeden Zweifel befolgte der Kardinal, befolgten die Bischöfe Spaniens und der übrigen Welt bei ihren Agitationen den Wunsch Roms. Am 14. September 1936, kurz nachdem Hitler auf dem Nürnberger Parteitag wieder einmal den Kampf gegen die bolschewistische Gefahr gefordet, trieb auch PiusXI. die ganze zivilisierte Welt gegen den Bolschewismus, der »bereits alle Beweise seines Willens zur Zerstörung jeglicher Ordnung von Rußland bis China, von Mexiko bis Südamerika erbracht« habe.

Der »Heilige Vater« sprach damals in seiner Sommerresidenz Castelgandolfo vor der spanischen Kolonie und den Exilspaniern Roms. »Der Papst litt wie noch nie«, erzählt man uns aus seiner nächsten Umgebung, wenn er auch selbst nicht nur unglücklich, nein, sein Herz wohl mehr vor Freude angegriffen war. Denn, gestand er: »Wir müssen einerseits weinen aus innigstem bitteren Mitempfinden, Wir müssen andererseits aufjauchzen um des Stolzes und der süßen Freude willen, die Uns erhebt... Dies ist ein gewaltiges Schauspiel christlicher und priesterlicher Tugend, von Heldentaten und Martyrien... Wie kommt eure Sühne im Sinne der Vorsehung gerade zurecht. ..«

  • Gerade zurecht kamen dem »Heiligen Vater« Tausende von ermordeten katholischen Geistlichen!

Süße Freude empfand er, neben den Tränen. Sind doch Martyrien stets sehr belebend, ja, recht verstanden, der Tod (und die Angst vor ihm) immer das Lebendigste in dieser Kirche (vgl. I376). In nur drei Bürgerkriegsjahren verlor sie bedeutend mehr Kleriker als während der gesamten zweihundertjährigen, seit je grotesk übertriebenen antiken Christenverfolgung. Doch starben auch in Spanien keinesfalls, wie der »Osservatore Romano« bald behauptete, 16 750 Priester, eine selbst dem spanischen Kardinalprimas peinliche Zahl, »denn«, äußerte er, »in allen von den Roten beherrschten Gebieten gab es bis Ausbruch der Revolution zusammen 15 000 Priester«. Aber 4184 Geistliche, darunter 12 Bischöfe, 2365 Ordensbrüder und 283 Nonnen sollen umgekommen, manche verstümmelt, verbrannt, gekreuzigt worden sein.

Allerdings ließ Franco gleichfalls katholische Priester erschießen,

ohne ihnen auch nur die Möglichkeit einer Verteidigung zu geben, ja regierungstreue Kleriker der Basken soll man prinzipiell getötet haben, angeblich 400. Von ihnen freilich sprach die Kirche nicht. Doch klagte sogar die katholische »Entscheidung«, Luzern, »die Sache des Christentums« werde »wieder einmal mehr von den Generälen« ausgefochten; »die christliche Nächstenliebe betätigt sich in Massenhinrichtungen; das

  • >Liebet eure Feinde!< wird umgeformt; >Man muß sie abstechen wie Schweine<«!

Gewöhnlich aber war, wer der Regierung half, »roter Pöbel«, »Werkzeug Moskaus«, gehörte zu jener »Handvoll geistesverwirrter oder freimaurerisch verseuchter spanischer Kleriker«, wie Papens »Germania« schrieb, »die sich nicht schämen, als >Wortführer der spanischen Katholiken< ihren Namem unter marxistische Hetzauf rufe zu setzen«.

Sicher waren beide Seiten ungeheuer grausam, Blutrausch und Massensadismus nicht erst damals nach Spanien gekommen. Und wie der Berner »Bund« bemerkte: »Man hat diese Leute solange als Hunde behandelt, bis sie das Beißen lernten.« Was bei einem höheren spanischen Geistlichen hieß: »Man verfolgt nicht den Geist der Religion, sondern jene, die ihn nicht erfüllten.« Auch soll, so der katholische Autor Jose Bergamin, vor dem Juliaufstand in Spanien kein einziger Priester oder Mönch ermordet worden sein. Erst als die Kleriker, auf Weisung ihrer Oberen, für die Militärs und gegen die Regierung eintraten, manchmal Seite an Seite mit den Rebellen kämpften, brachte man sie um - als Faschisten oder Krieger. »Nicht einer von ihnen«, behauptet der spanische Katholik, »auch nicht ein einziger, hat den Tod für Christus erlitten. Sie starben für Franco. Nationalistische Helden kann man aus ihnen machen, politische Opfer, aber keine Märtyrer.«

Dem Papst kam der Blutzoll seines Klerus jedoch »gerade zurecht«.

Und während er angeblich »für alle, selbst die Verfolger, Worte der Liebe und des Friedens« fand, propagierten die vatikanischen Blätter laufend den Bürgerkrieg. »... dieser Kampf«, hetzte der »Osservatore Romano«, »ist ein Kreuzzug der anständigen Leute, die sich nicht gegen die Autorität erheben, sondern gegen die Kriminalität und die Barbarei. Jedes Abseitsstehen ist schuldhaft, jeder Vorwand der Nichteinmischung ist unrecht, jedes Kapitulieren ist verbrecherisch. Das Verbrechen darf nicht triumphieren, die Tugenden dürfen nicht verkannt werden.« »In dem Aufstand vom 17.Juli«, schrieb die »Civiltä Cattolica« am 2. Januar 1937, »zeigte das Heer eine hundertmal gesegnete und ruhmreiche Haltung.« Und am 20. November desselben Jahres forderte das offiziöse Vatikanblatt: »Gegenwärtig... müssen alle ehrlichen Bürger ohne Rücksicht auf alle anderen Meinungsverschiedenheiten in dem gemeinsamen Vorhaben einig sein, die neuen Barbaren ohne Vaterland und ohne Gott hinwegzufegen, was immer auch daraus entstehen wird.«

Was immer auch daraus entstehen wird - das kümmerte die Kirche nie, ging es um ihre Interessen, ihre Macht. Die »Lettres de Rome», die »antisowjetische Posaune des Vatikans« in seiner das 20. Jahrhundert durchziehenden Schlacht gegen Moskau, hatte bereits zu Beginn des Bürgerkriegs alle antikommunistischen und antisowjetischen Kundgebungen des Papstes aufgezählt. Herausgeber des römischen Kampfblattes war Jesuit Ledit, dessen Mitarbeit die Nazipropaganda ventilierte. Sein Ordensgeneral, Graf Ledochowski, verfolgte besorgt das Vordringen des Kommunismus und fürchtete vor allem die Entwicklung des sozialistischen Experiments in Spanien, da dann auch Frankreich unmittelbar bedroht sei. Die Jesuiten zeigten sich seinerzeit besonders pessimistisch.

Eine ganze Reihe vom Vatikan unterstützter Kongresse der katholischen Kirche förderte den Kampf gegen Kommunismus und Sowjetunion; so 1937 die Christkönigstagung in Posen, der Kongreß der internationalen Kommission »Pro Deo« in Genf, der von Kardinallegat Pacelli besuchte Kongreß in Lisieux, 1938 der Christkönigskongreß in Laibach und der Eucharistische Kongreß in Budapest, auf dem wiederum Pacelli als Kardinallegat erschien. All diese V eranstaltungen dienten der Einschärfung der antikommunistischen Lehren von Pius'XI. Enzyklika »Divini Redemptoris« vom 19. März 1937, die als Hauptfeind christlicher Zivilisation den Kommunismus geißelte und nicht zuletzt gegen den Sozialismus in Frankreich und Spanien gerichtet war. »Sie sollte die Falange stützen, die mit dem Feldruf >Es lebe Christus, der König!< in die Schlacht gegen die spanische Volksfrontregierung ging.«

Der Papst selbst vergaß selten, in seinen Ansprachen die legale spanische Regierung direkt oder indirekt zu belasten,

während er »in besonderer Weise jenen« seinen Segen gab, »die die schwere und gefahrvolle Aufgabe übernommen haben, die Rechte und die Ehre Gottes und der Religion zu verteidigen und wiederherzustellen«. Das jedoch waren ohne Zweifel Hitler, Mussolini, Franco. Mit ihnen stand der »Heilige Vater« in einer Front. So schlug er auch im Sommer 1938 die Bitte der französischen und englischen Regierung, sich einem Protest gegen die Bombardierung der republikanischen Zivilbevölkerung anzuschließen, rundheraus ab. Wohl aber dankte er, mitten im Krieg, Franco für ein Huldigungstelegramm, hocherfreut darüber, »daß wir in der Botschaft Ew. Exzellenz den angestammten Geist des katholischen Spanien pulsieren fühlen«, und sandte dem Rebellengeneral »von Herzen als Unterpfand der göttlichen Gnade unsern apostolischen Segen«.

Franco, durch die Junta de Defensa Nacional, die oberste militärische Kommandostelle der Rebellen, am 29. September 1936 zum »Regierungschef des spanischen Staates« und zum Oberbefehlshaber der gesamten Streitkräfte ernannt, etablierte im Lande wieder die katholische Religion. Er baute den Staat »nach den Grundsätzen des Katholizismus auf«, erklärte er selbst, »die recht eigentlich die Grundsätze unseres Vaterlandes sind«; und er führte den »heiligen Krieg«, den »Kreuzzug« der Bischöfe, auch im »Zeichen des Kreuzes«.

Schon im September 1936 gab es in allen Schulen von Francos Machtbereich wieder den Religionsunterricht, das Schulgebet am Anfang und Ende des täglichen Unterrichts, den Pflichtbesuch der Messe mit Lehrern an Sonnund Feiertagen. Natürlich erschienen auch die Kruzifixe und Madonnenbilder wieder an den Wänden, wie überhaupt jetzt der Madonnenkult florierte. Die Verteidiger des Alcazar waren, samt ihrem General Moscardo, marianische Sodalen oder, rühmt Bischof Diaz y Gomara, »Ritter der allerseligsten Jungfrau, der Siegerin über den bösen Feind!« Die christlichen Kreuzfahrer geleiteten nicht nur Marienbilder in der Prozession, sondern verliehen auch der Muttergottes von Pilar in Saragossa, wo sie die protestantische Kirche anzündeten, den Titel eines Generalissimus der spanischen Armee; kurz darauf traf sie eine Bombe. Alle Kirchen, die Häuser von Bischöfen, Priestern nebst ihren Anlagen, Seminare und Klöster hat man von der Grundsteuer befreit, im Mai 1938 auch die Jesuiten, unter Rückgabe aller verlorenen Rechte und Güter, wieder zugelassen, am 2.Februar 1939 wurde der juristische Status sämtlicher Orden wiederhergestellt.

Acht Tage später, am 10. Februar um 5.31 Uhr, starb Pius XI.

Im 82. Lebensjahr und nach siebzehnjähriger Regierung erlag er, seit langem an fortschreitender Arteriosklerose leidend, asthmatischen Anfällen sowie einem Luftröhren- und Lungenkatarrh. Als letzte, allerdings »unverständliche Worte« (!) soll er »Pace« und »Gesü« gemurmelt haben - »II Regime Fascista« fügte am 26. Februar noch »Italia« hinzu, gleichzeitig mitteilend, der Sterbende habe die ganze Nacht hindurch überhaupt nicht mehr gesprochen.

Nach Niederringung der Republik mit Hilfe der deutschen und italienischen Faschisten beglückwünschte der kurz zuvor gekrönte Eugenio Pacelli, nunmehr PiusXIL, am 1. April 1939 Franco: »Indem wir unser Herz zu Gott erheben, freuen wir uns mit Ew. Exzellenz über den von der katholischen Kirche so ersehnten Sieg. Wir hegen die Hoffnung, daß Ihr Land nach der Wiedererlangung des Friedens mit neuer Energie die alten christlichen Traditionen wieder aufnimmt.« In seiner Antwort drückte Franco die große Dankbarkeit des spanischen Volkes aus und telegraphiert gleichzeitig an Mussolini und Hitler. Der spanische Staat entstand jetzt nach dem in Pius'XI. Enzyklika »Quadragesimo anno« empfohlenen Ständesystem. Redefreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit wurden in Spanien wieder aufgehoben; Literatur, Film, Funk unter strenge Kontrolle gestellt; alle Parteien, außer der faschistischen Falange, verboten; alle nichtkatholischen Bekenntnisse unterdrückt, auch sämtliche protestantische Kirchen und Schulen geschlossen.

Im übrigen ging das Schlachten unter Franco weiter, dessen »sehr edle christliche Gefühle« Staatssekretär Pacelli schon während des Putsches bewundert hatte. Militärtribunale und Exekutionskommandos waren fortgesetzt tätig. Graf Ciano schätzte, daß in Sevilla täglich 80, in Barcelona täglich 150, in Madrid täglich 200 bis 250 Hinrichtungen stattfanden. Nach offiziellen Statistiken der spanischen Regierung ließ Franco vom Ende des Bürgerkrieges 1939 bis zum Frühjahr 1942, in der Zeit also, da er auf Pacellis Wunsch begann, »die alten christlichen Traditionen« wiederaufzunehmen, mehr als 200 000 Menschen erschießen.

Das entspricht einem Drittel aller Opfer des Bürgerkrieges.

Aber Franco, der »Kämpfer Christi«, das »Werkzeug der Vorsehung«, wie er sich selber nannte, der Mann des Papstes und Freund Hitlers, war von Anfang an zu allem entschlossen. Als er kurz nach seinem Staatsstreich zu einem Korrespondenten des »News Chronicle« sagte, er werde Spanien »um jeden Preis vom Marxismus befreien«, und der Korrespondent erwiderte: »Das bedeutet, daß Sie halb Spanien erschießen lassen müssen«, betonte der General:

  • »Ich wiederhole - um jeden Preis!«
Kein Preis zu hoch war auch dem Pacelli-Papst, als er an der Seite Hitlers in den Zweiten Weltkrieg schritt.