"Niemand vor Stalin und Hitler hat in Europa das menschliche Leben so unentwegt aufs äußerste verachtet, in den Staub getreten, ja diese Vernichtung als »gottgewollt« verkündet wie die christliche Kirche."

Warum haben es Frauen in der Kirche so schwer?

100 Gründe gegen die Kirchen

Warum haben es Frauen in der Kirche so schwer?
  • Opferleben?

In der Kirche ein gewichtiges Wort. Die einen raten dazu, die anderen führen es. Es ist schon nicht mehr merkwürdig, sondern systemimmanent, daß die großen Ratenden stets Männer, die kleinen Ausführenden immer Frauen sind. Den Frauen wird — von Klerikerherren— eingeredet, daß es »frauliche Art« sei, opferbereit zu werden, zu sein und zu bleiben.

  • Warum ist das so?

Daß Männer sich gern lieben, bedienen lassen, daß sie deswegen den Frauen einreden, Lieben und Bedienen sei deren Sache,

ist ganz üblich in Männergesellschaften. Wo Patriarchen herrschen, brauchen sie Untertanen, Opferwesen, Beutemenschen. Solche zu definieren, auszubilden und sich ihrer dann zu bedienen ist ein herrscherliches Privileg, also Männerart. In der Männergesellschaft »Kirche« finden sich nur Spiel- und Abarten dieses generell patriarchalen Prinzips. Freilich ganz besonders mickrige und verletzende Varianten. Eine Distanzierung der Kirche vom jeweiligen Zeitgeist gibt es nicht. Kleriker sehen zwar in nackten Brüsten und kurzen Röcken die schwersten Gefahren für die Moral. Doch dadurch heben sie sich nicht von der »Welt« ab, sondern bestätigen ihren Männerstandard. Sie machen alles (bis hin zum Morden) mit; ihre Moral erhebt sich zu keiner Zeit über die der anderen. Ihr Gott handelt so, wie es von ihm verlangt wird.

»Zur Frau sprach der Herr Gott: Vermehren will ich deine Schmerzen bei deiner Schwangerschaft. Unter Leid sollst du Kinder gebären, und doch geht deine Brunst hin auf deinen Mann, obgleich (oder: gerade weil) der über dich herrscht.« (1 Mose 3,16) Das Wort eines Herrengottes, der dazu geschaffen erscheint, die Brunst dem Weibchen zuzuschreiben, ist charakteristisch und verräterisch. Es verkehrt den Sachverhalt.

  • Wer ist denn brünstig?
  • Wer denn will die tatsächlichen Besitzverhältnisse zwischen Mann und Frau im eigenen Sinn legitimieren?

Wenn dieser Männergott den Mund auftut, weiß Eva immer, woran sie ist. Die Patriarchen haben es geschafft, ihre Tradition seit den Zeiten der Bibel fugenlos aufrechtzuerhalten. Der Vatikan, ein Hochsitz des Patriarchats, äußert sich noch 1988 genauso über »Würde und Berufung der Frau«, wie er es zu allen Zeiten getan hat. Er spricht von »Berufung«, um der Welt anzudeuten, daß er sich zum Sprachrohr des Herrengottes macht. Er spricht vom »grundlegenden Erbe der Menschheit« und bezieht dadurch ungefragt die Menschen aller Zeiten und Zonen ein, um sie seiner Doktrin zu unterwerfen. Er meint mit diesem Erbe der Menschheit (Mannheit) nichts anderes als die »gottgewollte Tatsache«, daß die Frau und Mutter sich gehorsam gegen den Willen des Mannes und Vaters zu erweisen habe, sich also »typisch fraulich« verhält.

Die Reformation hat die Nonnen von ihren Gelübden befreit, doch hat sie streng darüber gewacht, daß aus Nonnen brave Hausfrauen wurden,

fügsam und stumm wie die übrigen. Luther nennt den Mann »höher und besser«, die Frau »ein halbes Kind«, ein »Toll Thier«. Dieser Mönchsmann spricht durchaus im Sinn und im Wortschatz seines Geschlechts, wenn er predigt, daß die »größte Ehre« der Frau darin bestehe, Männer zu gebären. Übernimmt die Frau den Manneswillen, so ist sie eine gute Frau. Wer aber nicht dienen, sondern eigenbestimmt sein oder werden will, der sündigt.

Kein Wunder, daß Papst Johannes Paul II. sich noch 1988 auf den Apostel Paulus beruft. Kein Wunder, daß er einen der vielen frauenfeindlichen Sätze des ehelosen Frauenhassers Paulus verwendet: »Eine Frau soll still zuhören und sich ganz unterordnen. Ich gestatte es keiner Frau, zu lehren und sich über den Mann zu erheben. Zuerst wurde ja Adam erschaffen, und dann erst Eva. Doch nicht Adam wurde verführt, sondern die Frau ließ sich verführen. Aber ihre Rettung besteht in der Erfüllung ihrer Mutterpflichten, wenn sie sie sorgsam in Glauben, Liebe und Gehorsam versieht.« (1 Tim 2,11-15)

Der Papstmann hat gesprochen, der Apostelmann, der Manngott.

Die Frauen wissen jetzt, was zu tun und zu lassen ist. Die Geschichte der klerikalen Frauenfeindlichkeit beweist, daß sich der Manneswille nicht einmal zu ändern brauchte. Die Aussagen waren stets klar, die Positionen von Mann und Frau ein für allemal festgelegt. Nachzubessern gab es nichts, von den wenigen Fällen abgesehen, in denen einige Frauen gegen diesen Herrenwillen aufbegehrten. Wo klerikale Predigt nicht mehr fruchtete, griff »man« zu dem innerkirchlich nicht weniger erprobten Mittel des Mordes. Ungezählte (»Hexen«-)Frauen zum Beispiel mußten sterben, weil die Verkünder der Frohen Botschaft es so wollten. Solange diese Kirche Macht über die Herzen besitzt, werden Männerinquisitoren noch immer mit den Frauen da unten fertig.

  • Über wieviel Moral verfügt denn die Männerkirche?

Der »Hexenhammer« (Erstdruck 1487 in Straßburg) wurde von einem Papst abgesegnet und sofort auf der ganzen damals bekannten Welt als autoritatives Kirchenwort verbreitet. In all seinen 29 Auflagen findet sich eine päpstliche Bulle, die zum Mord aufruft und wider die kein einziger Papst auch nur ein Sterbenswörtchen verlor — fast 200 Jahre Heilsgeschichte lang.

  • Warum denn auch?

Wenn schon der klerikale Gott sich moralisch so verhalten mußte wie seine Erfinder, war dieselbe Forderung auch gegen die Päpste zu richten: Also ist es folgerichtig, daß ab 1258 Hexenerlasse von Päpsten nachzuweisen sind. Also paßt es zum Bild, daß die Hexenbulle des Jahres 1484 sich damit brüstet, Ausdruck »einer das Innerste bewegenden oberhirtlichen Fürsorge« zu sein. Frauen werden peinlich befragt, schamlosen Verhören durch Priester ausgesetzt. Die inquirierenden Schweine foltern Geständnisse heraus, erbärmliche Sauereien allesamt: Riesige Glieder tauchen auf, stinkende Böcke paaren sich mit lüsternen Weibern, und die Kleriker hören zu, die Hand unter der Kutte am Glied. Noch heute verraten die Akten jene säuische Freude der Befrager, noch immer lassen sich zwischen den Zeilen die Gefühle derer mitlesen, die sich auf diese Weise aufgegeilt und befriedigt haben.

Köstliche Befriedigungen fürwahr, den Klerikern und ihren Helfershelfern reserviert,

denn die geduldige Suche nach dem teuflischen Mal am Körper der angeklagten Frau blieb eins der Wesenselemente des Prozesses. Das christliche Abendland hielt sich Tausende von Folterknechten, die sich abmühten, in der Nähe der Brüste, des Gesäßes oder der Geschlechtsteile die berüchtigten schmerzunempfindlichen Zonen zu finden und zu testen, all die Teufelsmale, welche die Zugehörigkeit zum Satan bewiesen. Ein Inquisitor teilt mit, er habe 1485 in Como 41 Frauen einäschern lassen, »nachdem am ganzen Körper die Haare sorgsam abrasiert worden waren«. Er blieb kein Einzelfall, als der Zeitgeist der Kirche es forderte, kurzen Prozeß mit den »Teufelshuren« zu machen.

  • Kurzer Prozeß?

Frauen müssen schließlich »sich mit der Kirche versöhnen lassen«. Das wird ihnen gewährt, »ohne daß die Frau freilich«, so ein Prozeßprotokoll des 14. Jahrhunderts, »dadurch verhindern kann, der weltlichen Macht ausgeliefert zu werden, die für die erforderlichen Strafen sorgen wird«. Das Patriarchat hat sich seine Funktionen geschaffen: Vergebung (nach Folter) durch die patriarchale Kirche, Hinrichtung durch den patriarchalen Staat. Vor allem, wenn es die Hinterlassenschaft der Gemordeten einzuziehen und zu verteilen gilt, machen Staat und Kirche gemeinsame Sache. Es wurde nicht bekannt, daß sie sich je von ihrem Raub getrennt hätten.

Getrennt haben sich die beiden »Gewalten« nur von den lästigen Frauen — sowie von einzelnen Klerikern und Knechten, die den Mut gezeigt hatten, gegen das allgemeine Wüten und Morden zu protestieren. Solche Männer verschwanden fast immer in lebenslanger Klosterhaft; ihre Namen wurden ausgelöscht, während ihre eigene Kirche stets mit den Wölfen geheult hat. Das Konzil zu Trient (1545-1563) gilt heute als eine Sternstunde des Heiligen Geistes. Wichtige Dogmen brachte es der Kirche; Luther und die Seinen wurden in jenen Jahren zumindest theoretisch »besiegt«.

  • Doch verlor die hochheilige Versammlung der Kirchenväter, die sich jahrelang mit den subtilsten Problemen der richtigen Definition einer »Glaubenswahrheit« herumgeschlagen hatte, auch nur ein Wort über den Mord an »Ketzern«, an Juden, an Frauen?

Frühere Päpste und Konzilien hatten die Folter legitimiert; die eine geschichtliche Wahrheit.

  • Die andere?

Die damals in ganz Europa brennenden Scheiterhaufen haben keinen einzigen der sogenannten großen Konzilsväter und Theologen in Trient interessiert. Bei dem Jahrhunderte andauernden Frauenmord geht es nicht um vereinzelte »Sünder im Schoß der Kirche«, sondern um eine päpstliche Lehre. Kein Konzil, kein Heiliger hat sie angefochten. Beendet wurde das Morden erst, nachdem sich Stimmen durchgesetzt hatten, die gewöhnlich von außerhalb der Kirche kamen. Sie selbst führte unverdrossen ihr Foltern und Morden auf den Willen Gottes zurück. Und da ihr eigener Gott ein gehorsamer, dem jeweiligen Zeitgeist folgender Gott ist, wird sie auch recht gehabt haben.

  • Und heute?
  • Da das apologetische Geschwätz der Erben Konjunktur hat?
  • Da gerade »feministische Theologie« der letzte Chic ist?
  • Da es keiner mehr gewesen sein will?
  • Da sich ein Papst lächerlich macht, der von »Hexen« redet wie seine Vorgänger?
  • Da er sich nicht mehr daran erinnern lassen will, daß diese jahrhundertelang - unter dem Einfluß des Heiligen Geistes, wohlgemerkt - dunkelste Magie unterstützt haben, Mord an »Hexen«, Aberglauben?

Heute zieht ein Papst sich aus der Schlinge, indem er das Vorkommen von »Hexen« leugnet

und die Tatsache ihrer Verfolgungen verschweigt. Heute spricht er - wie Johannes Paul II. 1986 — vom Faktum des »Teufels«, von der Notwendigkeit, an dessen Existenz zu glauben und von der »List Satans, den Menschen durch Rationalismus zur Leugnung seiner Existenz zu verführen«. Die Menschheit darf gespannt sein, welcher spätere Papst einmal auch diesen Unsinn eines Vorgängers verschweigt.

  • Wie viele Jahrhunderte es dauert, bis ein Papst unser Denken nicht mehr als »Rationalismus« und »satanische Verführungskunst« diffamiert?
  • Fraulicher Ungehorsam?
  • Ein Nein der Frauen gegen das ihnen von Gott auferlegte »Oben« des Mannes?

In solchen Fällen regt sich nicht nur die Angst der Männer vor den Frauen; regt sich nicht allein die Erinnerung an das allen Männern (zumal den Klerikern) gemeinsame Wissen um die Überlegenheit des »anderen Geschlechts«. Da wird aus Angst nackte Gewalt. Da zeigt »man« es denen da unten. Da werden Definitionen gezeugt, Kopfgeburten, zu denen nur Männer fähig sind. Albertus Magnus, ein 1941 von Pius XII. zum »Patron aller Naturwissenschaftler« erklärter Mönch aus dem 13. Jahrhundert, nennt die Frauen defekte Wesen. Der anerkannteste Lehrer der römischen Kirche, Vorbild bis heute (wenn es nach dem Wunsch des Papstes ginge), Thomas von Aquino, wird Angst und Sadismus in einem los: »Frauen sind mißglückte Männer«, Menschen, denen etwas (was wohl?) zum richtigen Menschsein fehlt.

Denn eigentlich müßte ein Mann stets männliche Kinder zeugen, weil jede Wirkursache ein ihr Ähnliches hervorbringt, meint der heilige Kirchenlehrer. Doch das klappt nicht immer. Denn wirkten »widrige Umstände« bei der Zeugung mit, war beispielsweise das Sperma defekt oder bliesen während des Liebesaktes feuchte Südwinde (so daß Kinder mit größerem Wassergehalt entstanden), wurden, Gott sei's geklagt, Mädchen gezeugt. Hier spricht - über die Jahrhunderte der Kirchengeschichte hinweg — eine »vernünftige Autorität«. Denn hier spricht ein Kirchenmann.

Die Frauen werden sich zu richten wissen. Sie wissen, daß die Kirche — weit entfernt,

sich gegen den Zeitgeist der Männergesellschaft zu wenden — selbst eine Ausgeburt des Patriarchats ist, nicht um ein Haar besser als diejenigen, die sie sich erfunden haben. In dieser Kirche wurde zum Beispiel, wie Rudolf Krämer-Badoni schreibt, die Prostitution »für das vergewaltigte Mädchen letztlich als einzige Möglichkeit betrachtet, ihre Lust zu sühnen«. Das Bußbuch des Alanus ab Insulis fordert den Beichtvater auf nachzuforschen, ob die Frau, mit der man gesündigt hat, attraktiv war; wenn ja, wurde dem Sünder die Buße reduziert.

Noch im 11. Jahrhundert war es unter Kirchenmännern strittig, ob Frauen überhaupt eine Seele hätten. Jedenfalls blieben sie »unten«, wo männliche Lust sie so gern sah. Frauen dienten der Männerkirche, wo immer diese solcher Dienste bedurfte: in Klöstern, in Pfarrhäusern, bei Tag und, lieber noch, bei Nacht. Die Zahl der zu Mätressen und Konkubinen Herabgewürdigten in der Kirche ist fast unendlich; sie ist unter den zölibatären Umständen neuerdings nicht geringer geworden. Frauen haben die Kirche ihrer Männer mit aufrechterhalten, Frauen, die noch immer nicht aufmucken, tragen diese Kirche weiter mit: in den Klöstern und auf Ehebetten wie auf den Lotterbetten der Pfaffen. Über allem aber schwebt wie eh und je die geile Phantasie derer, die — als Männer — etwas von Philosophie oder Theologie zu verstehen glauben.

Da träumt sich die augustinische »Civitas Dei«, eins der Hauptbücher des Abendlandes und für unzählige Gewissensmorde verantwortlich, in ein Paradies hinein, das vor allem deswegen ohne Sünde ist, weil ihm trotz seiner Nacktheit die sexuelle Leidenschaft fremd bleibt. Im Garten Eden ist die Schande des Koitus noch unbekannt, und das freut jenen Kirchenvater Augustinus besonders, der erst ein Leben voller Laster hinter sich bringt, bevor er sich »bekehrt« - und aufbricht, ganz Europa ähnlich zu bekehren.

  • Welcher Kleriker hat ein Wort des Verständnisses oder der Entschuldigung für die Millionen, die diesem Kirchenvater auf den Leim gegangen sind und ihr (Sexual-)Leben, an den schmachvollen augustinischen Gedanken orientiert, vergeudet haben?
  • Kirche und Ehe?

Da sind klerikale Obsessionen am Werk, wie sie Hieronymus Bosch wiedergab:

Das neuzeitliche Europa sollte, so der renommierte Historiker Jacques Sole, »im Koitus und den Versuchungen des Fleisches die höchste Gefahr sehen und dieselbe Lektion von Kanzeln und in Traktaten unablässig wiederholen«. Da ist von Geschlechtsakten die Rede, die lasterhaft sind und eklig. Da kann die Frau sich nur vor der Einschätzung als Hure retten, indem sie sich als jungfräuliche Braut des Herrn oder als treue Ehefrau und Mutter vieler Kinder bewährt. Der katholische Theologe A. J. Rosenberg schreibt 1915 allen Frauen ins Stammbuch, worum es christlicher Militanz und Kinderliebe geht: »Moderne Kriege sind Kriege, in denen die Massen sehr viel mehr bedeuten. Die gewollte Einschränkung der Kinderzahl (in Frankreich) bedeutete also den Verzicht auf gleiche nationale Stärke mit Deutschland... Tausende von Eltern beklagen den Verlust des einzigen Sohnes... Strafe muß sein. . . Der Krieg hat das Problem der gewollten Kinderscheu in ein neues Licht gerückt.«

Eine erleuchtende Anmerkung zum Schluß des Themas: Die Verfasser des berüchtigten »Hexenhammers«, deren Schreibtischtäterschaft viele Tausende von unschuldigen Frauen Ehre und Leben gekostet hat (entschädigungslos!), waren brünstige Marienverehrer und zugleich typische Klerikermänner: Auf der einen Seite haben sie lüstern beschrieben, wie den inkriminierten Frauen alle Körperhaare abzuscheren seien, weil sich »in den Haaren des Körpers, und bisweilen an den geheimsten, nicht namhaft zu machenden Orten«, zauberische Amulette verstecken könnten.

Auf der anderen Seite luden sie ihre Triebe musterhaft-mannhaft auf die ganz und gar Reine ab, auf eine junge und schöne Frau, die ihnen niemals gefährlich werden konnte, da sie ganz hoch droben angesiedelt worden war.