"Niemand vor Stalin und Hitler hat in Europa das menschliche Leben so unentwegt aufs äußerste verachtet, in den Staub getreten, ja diese Vernichtung als »gottgewollt« verkündet wie die christliche Kirche."

Gibt es eine Alternative zum lieben Gott der Christen?

100 Gründe gegen die Kirchen

Gibt es eine Alternative zum lieben Gott der Christen?

Offizielle Katechismen haben noch vor wenigen Jahrzehnten durch Bischöfe, »die Gott aufgestellt hat als Lehrer der himmlischen Wahrheit«, Schulkindern Details über Sein und Tun des wahren Gottes mitteilen lassen. Da steht: »Was Gott geoffenbart hat, lehrt uns die katholische Kirche.«

  • Heißt das, daß Gott sich den Seinen nur indirekt offenbart?
  • Daß die Gläubigen seine Wahrheiten nur aus zweiter Hand erhalten?
  • Daß alle Kirchen außer der römischen gar nicht voll informiert sind?

Der katholische Katechismus lehrt weiter:

»Gott läßt Leiden kommen, damit wir für unsere Sünden Buße tun und himmlischen Lohn erwerben.«

  • Haben also Millionen Leidender, Ermordeter (auch und gerade von Klerikern Ermordeter) Leid und Tod nur erlitten, um himmlischen Lohn zu erlangen?
  • Oder mußten gerade sie, und nicht die schuldigen Täter, »für ihre Sünden Buße tun«?

Der Katechismus, gleichsam eine Checkliste für Men-Schenkinder, klärt weiter über seinen Gott auf: »Die Verdammten der Hölle leiden mehr, als ein Mensch sagen kann. Sie leiden Qualen des Feuers... und wohnen in der Gesellschaft des Teufels.« Dieser Unsinn war noch in den fünfziger Jahren Glaubensgut in deutschen Schulen.

  • Hat sich die Kirche inzwischen eines Besseren besonnen?
  • Hat sie sich damals - vor so kurzer Zeit — gar geirrt?
  • Gilt heute nicht mehr, was vor dreißig Jahren noch fest geglaubt werden mußte?
  • Wer hat den Mut, von seinem Gott Liebesgesten zu fordern, die einmal von der bourgeoisen Regel abweichen?

Keiner der an den Christengott Glaubenden hat offensichtlich Mitleid mit einem Gott,

der - wie ein richtiger Vater in den Augen seiner lieben Söhne - alles kann und alles weiß. Der nichts mehr vor sich hat. Der seine eigene Vergangenheit, seine eigene Zukunft ist. Kein Verständnis für die ungeheure Langeweile eines vollkommenen Wesens. Kein Mitgefühl mit einem Gott, der seine Mitkonkurrenten und Mitkonkurrentinnen um die Liebe der Menschen aus dem Feld geschlagen hat. Kein Erbarmen mit einem Gott, dessen Vorsehung für alles verantwortlich gemacht werden kann. Dessen Vaterliebe alles auferlegt werden darf. Der Vatergott, den sich die Werteväter der Erde zugerichtet haben, stellt in der ihm addizierten Perfektion eine unvollkommene Schöpfung dar. Ihrer Moral fehlt jeder Abstand zu der ihrer Väter. Dieser Vater belohnt stets genau die Leistung, die ihn geschaffen hat. Die siegreiche Tüchtigkeit der als gut Definierten. Wer aber durch Nichtleistung auffällt, wer diesen Gott wieder abschaffen will, gehört bestraft. Ein armer Gott.

Daß Gott tot sein kann, schreckt die Interessenvertreter des Patriarchats nicht. Ihr System ist vor jeder Vaterreligion. Die weit ursprünglicheren Strukturen des Patriarchats behaupten sich gegen die spätere Religion, die kommen und gehen kann. Das Patriarchat bleibt. Es bedient sich seiner Religionen als den Deuterinnen und Verstärkerinnen seines Machtwillens. Hin und wieder benötigt das patriarchale Errettungsbedürfnis bestimmte Überväter. Sie können neuerdings auch »Große Brüder« heißen. Patriarchat reicht weiter als nur bis an seine Religion. Falls sich das Christentum endgültig als für das Patriarchat unnütz erweisen sollte, ist sein Tod beschlossene Sache. Und sein Ersatz durch profitabler zu nutzende Weltanschauungen.

Was die Theologie und das offizielle Reden der Kirchen lebensfähig erhält,

entspricht schon jetzt dem, was den Christen von der Soziologie, der Psychologie, der Anthropologie zur Verfügung gestellt - und schamlos »ergänzt«, sprich, zum eigenen Profit gewendet — wird. Die Menschen dürfen gespannt sein, wie schnell sich dann auch jene Theologen wenden werden, die heute noch den alten Glauben vertreten.

Die noch immer innerkirchliche Streitgespräche führen, Gezänk anzetteln im abgeschlossenen Denkgetto, Spitzfindigkeiten von Fachidioten austauschen, Sektenmentalitäten hegen - und schon lange außerhalb der Realitäten, der Bedingungen menschlichen Denkens und Tuns leben.