"Niemand vor Stalin und Hitler hat in Europa das menschliche Leben so unentwegt aufs äußerste verachtet, in den Staub getreten, ja diese Vernichtung als »gottgewollt« verkündet wie die christliche Kirche."

Es wird doch noch gerechte Kriege geben?

100 Gründe gegen die Kirchen

Es wird doch noch gerechte Kriege geben?

Für Mord hatten die frühesten Synoden keine Strafe festgesetzt. Sie waren davon ausgegangen, unter Christen käme so etwas nicht vor. Doch um dieselbe Zeit, als der Kirchenlehrer Basilius für Soldaten noch eine jahrelange Verweigerung des Abendmahls gebot, pries ein anderer Oberhirte bereits das Töten im Krieg: der hl. Athanasius, der berühmte »Vater der Rechtgläubigkeit«, ein ebenso kampferfahrener wie intrigenerprobter Mann. Der seltsame Heilige, von Eidbrüchigen zum Bischof gewählt und fortan ein besonders eifriger Gegner zeitgenössischer »Irrlehren«, erklärte zwar den gewöhnlichen Mord für unerlaubt, fand es aber »sowohl gesetzlich als auch lobenswert, Gegner zu töten«.

Sein Beispiel machte Schule, und bald war die Privatmeinung des Theologen allgemeine Kirchenlehre und Moral.

Sein Kollege Ambrosius, der viel über die Nächstenliebe schrieb, schwieg sich über die Feindesliebe instinktsicher aus - sie hätte seiner Kirche nicht ins politische Konzept gepaßt. Christen wie er hetzten schon bald in den »gerechten« Krieg, während nichtchristliche Denker der Epoche durchaus noch zwischen den Parteien zu vermitteln suchten.

Ausschlaggebend für die Durchsetzung des legitimen Mordens aber wurde jener hl. Augustin, der auch die schlimmsten sozialen Gegensätze gerechtfertigt hat und dessen Ratschlag an die Armen hieß, »im ewig gleichen unverändert harten Joch des niederen Standes« auszuharren. Dieser Schreibtischtäter, der lehrte, »wer härter straft, zeigt größere Liebe«, traf die folgenschwere Unterscheidung zwischen »gerechten« und »ungerechten« Kriegen.

  • »Was hat man denn gegen den Krieg, etwa, daß Menschen, die doch einmal sterben müssen, dabei umkommen?«

fragt Augustin. Der heilige Mann, der die Zwangsbekehrung Andersgläubiger, die Konfiskation ihres Vermögens, die Verbannung Andersdenkender betrieb, auch schon die Folter erlaubte, sie sogar »leicht« im Vergleich zur ewigen Höllenstrafe nannte, eine förmliche »Kur« für den Menschen, verteidigte den »gerechten Krieg« als Weg zum Frieden, zumal der Erfolg des Guten eine gewisse Verlustquote rechtfertige. Diese Doktrin stammte von einem Täter, der als »Zunge des Heiligen Geistes« gefeiert worden ist, von einem Verbrecher des Wortes, »der, wenn auch irdischer Mensch, doch ein Engel vom Himmel« geheißen wurde, zumal er »in überirdischen Visionen wie ein Engel immerfort Gott schaute«.

Augustinus hat das blutige Handwerk rückhaltlos anerkannt und von Grund auf legitimiert.

Wahrheit und Irrtum können und dürfen sich nicht vertragen, meinte der Große, und deshalb müsse alles, was nicht im klerikalen Sinn wahr sei, mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Der frühe Theologe Theodoret gestand, »uns bringt Krieg mehr Nutzen als Frieden«, und hatte in bezug auf die Kirche nicht unrecht. Als Christ unter »Heiden« zu leben kann hart sein. Als Christ oder als Jude oder Heide unter Christen zu leben ist viel schlimmer.

  • Was macht einen Krieg gerecht?

Alles, was der Kirchenlehre nützt, alles, was deren Gegner schädigt. Von hier bis zu der Meinung, alles antiklerikale Leben sei irrig und daher wertlos, war nur ein kleiner Schritt. Das reale Töten hatte seinen Ursprung in der vorhergehenden Vernichtung des anderen durch das Wort. Kardinal Nikolaus von Kues, nur einer unter Hunderten, hetzt den Christen im 15. Jahrhundert gegen den Türken, »das Tier der Apokalypse«, »den Feind aller Natur und der ganzen Menschheit«. Während die agnostisch denkenden Römer im Bereich der Religion sehr tolerant waren und alle Kulte duldeten, die nicht den Gang des öffentlichen Lebens störten, während sie auch die Christen erst verfolgten, nachdem diese Sektierer das Volk aufzuwiegeln begonnen hatten, haben sich die orthodox denkenden Christen ihre Feinde systematisch zurechtgebogen, um sie bewußt auszurotten.

Christliche Feindbilder und Ressentiments lassen sich austauschen:

»Heiden«, Türken, Juden, »Ketzer«, »Hexen«, Kommunisten. Wer als irrend definiert ist, hat sein Leben verwirkt. Zunächst war das Abschlachten der sogenannten Heiden geboten. Dann galt jedes Gemetzel als gottgefällig, bei denen die Guten und Gerechten den Bösen die Feindesliebe mit dem Schwert beibrachten. Um der guten Sache willen durfte schon etwas härter als gewöhnlich zugelangt werden, besonders in jenen Kriegen, die man nicht nur gerecht, sondern »heilig« nannte. Jetzt konnten die Guten guten Gewissens töten, jetzt war das Gottesgebot endgültig ausgehöhlt.

Der römische Kaiser Konstantin hatte 313 den Christen die volle Religionsfreiheit gewährt, und schon im folgenden Jahr beschlossen sie die Exkommunikation fahnenflüchtiger Soldaten. Wer die Waffen wegwarf, galt als gebannt. Vordem war es umgekehrt. So schnell ändern sich die heiligsten Traditionen. So schnell sind statt der pazifistischen Christen die kirchlichen Feldpfaffen zu sehen, statt der getöteten christlichen Kriegsdienstverweigerer die tötenden christlichen Krieger. Die Kirche war plötzlich militärfreundlich, und die Namen der frühen Soldatenmärtyrer wurden aus den Heiligenkalendern getilgt.

Soldatengötter, Christus und Maria, diverse Heilige hielten dafür Einzug und übernahmen genau die Funktion der heidnischen Kriegsidole. Im Jahr 416 schließt der Erlaß eines Christenkaisers alle Nichtchristen vom Heeresdienst aus; Massenmord im gerechten Krieg ist von nun an allein Sache von Christen.

Noch bis nach Vietnam reichte dieser Gedanke.

Im Spiel der Allianzen war die westlich geprägte Kirche des Landes zur bevorzugten Partnerin des US-Apparats aufgerückt. Kirche und Armee traten als mächtige Verteidiger einer etablierten Ordnung auf. Beide hatten im Gegner den Todfeind erkannt, die Verleiblichung des Teufels, dessen radikale Bekämpfung banale Selbstverständlichkeit unter Christen war. Der Krieg wurde de facto zur Religionsausübung. Das Adjektiv »gerecht«, durchaus ein schmückendes Beiwort, stand dem Kriegführen, an dem Christen beteiligt waren, stets gut an.

Katholische Theologen haben es bis heute nicht auf die Empfängnisverhütung angewandt. Geburtenkontrolle ist - von der »natürlichen« Papst Pauls VI. abgesehen - auch nicht aus »noch so schwerwiegendem Grund« gerecht. Kinder zu zeugen und zu gebären ist ungleich wichtiger, als sich um deren Los zu kümmern. Zum Nationalfeiertag 1872, nach dem von Frankreich gegen Deutschland verlorenen Krieg, wandte sich Kardinal Mermillod an Frankreich und löste die Schuldfrage: »Du hast dich von Gott abgewandt, und Gott hat dich geschlagen, du hast in abscheulicher Berechnung Gräber geschaufelt, anstatt Wiegen mit Kindern zu füllen, deshalb hat es dir an Soldaten gefehlt.«

Mit der Zeit kamen die Christen freilich in Bedrängnis, da sie immer häufiger und mit einer gewissen Regelmäßigkeit über ihresgleichen herfielen. Daß sie auf beiden Seiten durch Fasten, Gebete, Feldgottesdienste, Feldpredigten auf den heiligen Krieg vorbereitet worden waren, verschärfte ihr Problem.

  • Was taugte ein gerechter Krieg, dessen Teilnehmer an allen Fronten durch Predigt und Abendmahl gestärkt, zu gleichen Teilen mit einem glücklichen Ausgang der gerechten Sache rechnen konnten?

Das Dilemma hat sich noch nicht lösen lassen, bis heute nicht.

Die »Waffen des Worts«, die »Waffen des Lichts« unterstützen dann, wenn es erst richtig losgeht, den Donner der Kanonen. Dann finden die Christen sich auf den Schlachtfeldern, dann morden sie millionenfach, dann werden sie zu Millionen ermordet. Dann gehen die Theologen, meist recht weit weg vom Schuß, an ihre Trauerarbeit, dann trösten sie Witwen und Waisen, und zum guten Ende stehen sie - wie ihre Oberhirten — wieder auf der richtigen Seite. Gerecht ist stets die Sache der Sieger, und da die Kirche Wahrerin der Gerechtigkeit (auch und gerade im Krieg) ist, wird es niemanden wundern, läßt sie sich immer wieder als Siegerin feiern.

Verlegen wird die Kirche nie, daher kennt sie auch keine Scham. Wer sich für Kinder ausspricht, muß sich ebenso dezidiert gegen Kriege entscheiden. Sonst entscheidet man sich für »Kinder für den Krieg«.

Luther zum gerechten Krieg, den er als ein »Werk der Liebe« bezeichnet, als »köstlich und göttlich«: »Also muß man auch dem Kriegs- und Schwertamt zusehen mit männlichen Augen, warum es so würgt und greulich tut. So wird sich's selbst beweisen, daß es ein Amt ist, an ihm selbst göttlich und der Welt so nötig und nützlich wie Essen und Trinken oder sonst ein anderes Werk.«

Der evangelische Theologe Althaus meint 1929, die »kriegerischen Zeitalter«

seien der Jugend nicht als »moralisch tieferstehend« zu schildern oder als »barbarisch zu verleiden«. Solch einer ethischen Begriffsverwirrung müsse gerade die Kirche scharf entgegentreten. Sie habe den Mißbrauch aufzudecken, der mit Begriffen wie »Abrüstung« und »Versöhnung« getrieben wird. Kardinal von Galen, noch immer als »Widerstandskämpfer« gefeiert, hat 1938, ausgerechnet zur Zeit des großen Judenpogroms, einen »Fahneneid« auf Hitler autorisiert, der mit den Worten schloß:

»Was Frost und Leid! Mich brennt ein Eid.
Der glüht wie Feuerbrände
Durch Schwert und Herz und Hände.
Es ende drum, wie's ende -
Deutschland, ich bin bereit!«

Die deutschen Bischöfe haben ihre Schafe in einen objektiv verbrecherischen, also ungerechten Angriffskrieg gejagt und den Hitler-Eid von ihnen verlangt. Sie haben die katholischen Soldaten aufgefordert, »aus Gehorsam zum Führer ihre Pflicht zu tun und bereit zu sein, ihre ganze Person zu opfern«. Sie haben den Überfall des Diktators auf die Sowjetunion »mit Genugtuung« begleitet, ihn mit dem »heiligen Willen Gottes« identifiziert.

Und während sie unermüdlich für den Verbrecher beten und ihre Glocken läuten ließen,

verlangten sie von »jedermann ganz und gern und treu seine Pflicht«, die »ganze Kraft« und »jedes Opfer«, priesen sie Hitler als »leuchtendes Vorbild«, seinen Schreckensstaat als »Retter und Vorkämpfer Europas«, seinen Angriffskrieg als »Kreuzzug« und »heiligen Krieg«.

Kardinal von Galen 1936: » ... ich als deutscher Mann und Bischof... danke dem Führer unseres Volkes für alles, was er für das Recht, die Freiheit und die Ehre des deutschen Volkes getan hat.« Was er damit konkret meinte, sagte der »Widerständler« auch: »Der Führer, dem Gottes Vorsehung die Leitung unserer Politik und die Verantwortung für das Geschick unserer deutschen Heimat anvertraut hat, hat in mutigem Entschluß die Ketten zerrissen, in denen nach dem unglücklichen Ausgang des Krieges feindliche Mächte unser Volk dauernd gleichsam gefangenhielten.«

Die feindlichen Mächte macht derselbe Bischof 1945, nach seiner Bekehrung, wieder aus, doch wieder anderweitig: »Das Gift der nationalsozialistischen Irrlehre hat offenbar auch andere Völker angesteckt, selbst solche, die sich ihrer Demokratie zu rühmen pflegten. Selbst die Nationalsozialisten gestatteten den Häftlingen in Konzentrationslagern, zweimal im Monat Briefe mit Angehörigen zu wechseln und von ihnen Lebensmittelpakete zu erhalten. Solche Vergünstigungen gibt es bei den Engländern nicht.« Schluß: Die KZs der Briten, in denen Nazis saßen und keine Briefe schreiben durften, waren schlimmer als die der Nazis, in denen Massenmorde an Juden exekutiert wurden.

Der Katholik Hitler war eben besser als die britischen Anglikaner.

Der damalige Papst, Pius XII., wünschte dem Führer folgerichtig »nichts sehnlicher als einen Sieg«. Als es dann anders kam als erwartet, fand sich derselbe Papst sehr schnell auf der Seite der wahren Sieger. Seine Kirche hatte doch den bösen Mann Hitler schon vor 1933 tapfer bekämpft, und nach 1945 bekämpfte sie ihn wieder.

  • Hatte sie nicht jedes moralische Recht, auch künftig zu definieren, was gut war und was böse?
  • Was gerecht und was ungerecht?

Der Kölner Kardinal Frings hatte schon 1950 den Mut, als erster öffentlich die Wiederaufrüstung der Deutschen zu fordern.

  • Du sollst nicht töten?

Auf zu neuen gerechten Kriegen, wo immer diese sich lohnten, hieß die klerikale Devise. Kriegsdienstverweigerung aber galt deutschen Oberhirten als »eine verwerfliche Sentimentalität«. 1956 wurde der stellvertretende Armeebischof Hitlers, Werthmann - der einst hakenkreuzgeschmückt katholische Kriegsdienstverweigerer »ausgemerzt und einen Kopf kürzer gemacht« hatte sehen wollen -, Generalvikar in der Bundeswehr.

  • Du sollst nicht töten?

1959 verkündete der Jesuit Gundlach, einer der wichtigsten Berater Papst Pius' XII., als Resultat der päpstlichen Lehre über den gerechten Krieg: »Die Anwendung des atomaren Krieges ist nicht absolut unsittlich.«

  • Und die Folgen?

Der Moraltheologe meint zum möglichen Weltuntergang:

» ... wir haben erstens sichere Gewißheit, daß die Welt nicht ewig dauert, und zweitens haben wir nicht die Verantwortung für das Ende der Welt. Wir können dann sagen, daß Gott der Herr, der uns durch seine Vorsehung in eine solche Situation hineingeführt hat oder hineinkommen ließ, wo wir dieses Treubekenntnis seiner Ordnung ablegen müssen, dann auch die Verantwortung übernimmt.«

Jesuit Hirschmarin bejahte »unter Aussicht auf millionenfache Zerstörung menschlichen Lebens in der heutigen Situation das Opfer atomarer Rüstung«. Ein Gremium katholischer Theologen billigte »die Anlegung eines Atomwaffenvorrates« und tat die Massentötung Unschuldiger als erlaubte »Nebenwirkung« des Atomschlages ab. Die katholische Militärseelsorge der Bundeswehr bereitete ihre Soldaten darauf vor, daß »Christus mehr von uns verlangt, als selbst Hitler...«.

  • Du sollst nicht töten?

Doch all dies ist keine römisch-katholische Spezialität:

Nach dem Zweiten Weltkrieg belehrt der protestantische Bestseller- Theologe Thielicke seine Leser: »Christen, die ihren Kriegsdienst unter den Augen Gottes ableisten, haben ihr Handwerk des Tötens immer so verstanden, daß sie es im Namen der Liebe übten!« Und sein Kollege Künneth erklärt 13 Jahre nach Hiroshima: »Selbst Atombomben können in den Dienst der Nächstenliebe treten.« In einem österreichischen Prozeß um Waffenschiebereien hat der katholische Moraltheologe Andreas Laun noch 1990 in einem Gutachten behauptet, Waffenexporte seien nicht grundsätzlich verwerflich.

So könne im vorliegenden Fall der Export von Raketen an den Iran nicht als in sich unmoralisch bezeichnet werden. Wer das sage, müsse zuerst beweisen, daß der Iran einen Aggressionskrieg geführt und die gelieferten Waffen »in unmoralischer Weise« eingesetzt habe. Waffenlieferungen könnten sogar »eine gute Tat« sein.

Die Kirche ist bis in die Gegenwart hinein ein erheblicher Faktor des Unfriedens. Auch das Zweite Vatikanische Konzil hat die Idee vom »gerechten Krieg« nicht beerdigt; es hat keine ausdrückliche Verurteilung des Angriffskrieges ausgesprochen und Kriegsdienstverweigerung nicht direkt anerkannt. Der gegenwärtige Papst hat am 11. Juni 1982 vor der UNO die Abschreckung mit Atomwaffen als moralisch vertretbar bezeichnet, wobei er wie selbstverständlich nur die westliche Abschreckung gemeint hat und nicht die von der anderen Seite. Ähnlich haben es die westdeutschen Bischöfe in ihren Verlautbarungen zum Thema gehalten und sich als Hilfsbischöfe der NATO bezeugt.

Der New Yorker Erzbischof O'Connor hat vor dem Ausschuß für Außenpolitik des Repräsentantenhauses dargelegt,

daß die Kirche die Anwendung von Atomwaffen durchaus billige, wenn eine »geringstmögliche Schädigung von Zivilpersonen gewährleistet ist«. Die Theologin Uta Ranke-Heinemann fragt, was der Oberhirte darunter verstanden haben wolle.

  • Darf nur ein Zivilist unter Milliarden nuklear verheizt werden?
  • Darf nur eine Stadt unter tausend Städten verstrahlt werden?
  • Darf nur ein Land unter vielen verbrannt, nur ein Kontinent unter anderen atomar beseitigt werden?
  • Darf nur ein Planet unter Millionen anderen ausgelöscht werden?
  • Und was ungeborene Zivilpersonen im Mutterleib betrifft, bis zu welcher Zahlenobergrenze stimmt die Kirche den nuklear bewirkten Abtreibungen zu?
  • Und was ist schließlich mit dem Erbgut der Zivilpersonen?
  • Ist eine Schädigung des Erbgutes bis in die dritte oder bis in die siebente Generation als »geringstmögliche Schädigung« für den katholischen Bombenkatechismus noch tragbar?

Die Bischöfe der Bundesrepublik antworten in ihrem einschlägigen Hirtenbrief von 1983

nicht auf diese Fragen. Diese Megaphone der Rüstung, deren eine Vorgänger die Hexenverfolgung belobigt und deren andere Vorgänger Hitlers Angriffskrieg unterstützt haben, machen es sich noch einfacher. Ihre Bombenmoral ist schon zufrieden, wenn sich die Atomwaffeneinsätze nicht gegen »Bevölkerungszentren« oder »vorwiegend zivile Ziele« richten.

Den Theologen, die ständig mit Himmel und Erde jonglieren (darunter tun sie's nicht gern), geraten Situationsdeutungen sehr leicht und schnell zu Global- und Weltinterpretationen. Weltkrisen müssen es sein, mit denen sie sich befassen, und die »Welt im Wandel« ist ein Lieblingsthema solch pauschaler Deutungsversuche. In jedem Fall muß das Feindbild umfassend sein; seine Errichtung und Legitimation sind christliches Gedankengut seit eh und je.

Innere aggressive Bedürfnisse, so der Theologe Friedhelm Krüger, werden ebenso wie Triebspannungen in der Weise verarbeitet, daß man sie in Fremd gr uppen hineinprojiziert, die damit automatisch als aggres sionsgeladene »Feinde« erscheinen. Die Tötungshemmung braucht ein solch potenziertes Feindbild, um aufgehoben werden zu können. Das 5. Gebot Gottes, Du sollst nicht töten!, bedarf der theologischen Ergänzung durch ein spezifisch christliches Feindbild (Irrlehrer, Heiden, Juden), um übertreten werden zu können.

Die wahren Kriegsgründe sind gekonnt verschleiert: Der Landnahme-Trieb (»verheißenes Land«) ist einer von ihnen.